Ligne .1
Unter die berühmtesten Bündnisse dieses Namens gehört zuvörderst'die zwischen dem PapstJulius II., dem Kaiser Maximilian I., dem Könige L udwig XII. (s. d.) von Frankreich,dem Könige Ferdinand von Aragonien und mehren Italien.Staaten im Dcc. i508zuCam-bray gestiftete Ligne, welche die Dcmüthigung der NcpublikVenedig bezweckte. Der Papstgerieth jedoch wegen der Fortschritte Ludwig's XII. in Italien in große Furcht, sodaß er schon151» zurücktrat und im angeblichen Interesse der Kirche im Laufe des I. > 51I eine l.igassntn zu Stande brachte, durch welche die Franzosen aus Italien vertrieben werden sollten.Diesem Bündnisse zwischen dem Papste, den Schweizern, der Republik Venedig und demKönige Ferdinand von Aragonicn trat 1512 der König Heinrich VIII. von England undendlich sogar der Kaiser bei. Vgl. Bos, „Ilistoire <Is la ligne kaite ä 6um6rsz" (2 Bde.,Haag 172!)). — Nachdem l 531 die vornehmsten protestantischen Fürsten zum Schutze ihresReligionsbekenntnisses den Bund zu Schmalkalden (s. d.) geschlossen, vereinigten sich1538 zu Nürnberg die katholischen Fürsten Deutschlands zu einem heiligen Bunde oder ei-ner Inga ssata, um die „wahre christliche Religion und die Vollziehung der kaiserlichenNeichstagsabschiede" aufrecht zu erhalten. Doch hatte vor derHand dieser Bund, an dessenSpitze Baicrn stand, während Ostreich nur das politische Interesse im Auge behielt, keineFolgen. — Als Heinrich III. (s. d.) von Frankreich im Frühjahre > 576 im Begriff stand,den Hugenotten (s. d.) freie Ncligionsübung und politische Rechte zu gewähren, be-nutzte der Herzog Heinrich von E ui se (s. d.) die Erbitterung der Katholiken und stifteteam 13. Febr. 1576 mit den zu Peronne versammelten Landsiänden der Picardie cine Ligue,welche die Herstellung und Vertheidigung der katholischen Religion, die Erhaltung der Pro-vinzialprivilegien und überhaupt den Schutz der einzelnen Mitglieder gegen jede angethaneBeleidigung zum Zweck hatte. Alle Herren und Städte sollten zum Beitritt aufgefodert,und die Widerspenstigen mit Feuer und Schwert verfolgt werden. Die Grusen betriebendiese Vereinigung indessen nicht aus religiösem, sondern aus politischem Interesse. Der Her-zog Heinrich von Gruse hegte den Plan, die protestantischen Prinzen von Geblüt, die Bour-bons, von der Thronfolge mit Hülfe der katholischen Massen auszuscklieffen, oder wol gardie herabgewürdigte herrsch cssßs'Dynastie vom Throne zu stürzen. Heinrich III. begriff dieGefahr und trat der Ligue am 6. Nov. 1576 auf dem Reichstage zu Blsis bei, worauf sichder Bürgerkrieg wieder erneuerte. Der Herzog von Anjou, der Bruder des Königs, starbam 10. Juni 1583, und dieser Umstand brachte das Haus Valois(s. d.) dem Erlöschen,aber den Bourbon Heinrich von Navarra, den später« Heinrich IV. (s. d.), dem Thronenäher. Der Herzog von Guise berief darum eine Versammlung der Ligue auf den 31. Der.1584 nach Joinville, wo auch der König von Spanien dem Bunde bcitrat. Man beschloß,wenn Heinrich III. unbeerbt sterbe, den abgelebten, schwachsinnigen Cardinal Karl von Bour-bon, den Oheim Heinrich's von Navarra, auf den Thron zu heben, mit dem die Grusenallerdings leichtes Spiel haben mußten. Der Cardinal veröffentlichte hierauf ein Manifest,in welchem er sich zum Thronfolger, die Grusen zu Eenerallieutenants des Reichs erklärteund dem Volke Befreiung von Abgaben und den Parlamenten Herstellung ihres Ansehensversprach. Die Macht der Ligue wurde bald dem Hofe so gefährlich, daß Heinrich III. undseine Mutter, Katharina von Medici (s. d.), am 7. Juli 1585 zu Nemours einen Ver-gleich schlossen, in welchem sie den Beschlüssen der Ligue beitraten und die Protestanten völ-lig Preisgaben. Während nun der Bürgerkrieg wieder entbrannte, stiftete ein Bürger, No-cheblond, ein Mitglied der großen Ligue, zu Paris die nach den Stadtvierteln benannte Li-gue der Sechzehner, welche besonders den Pöbel entflammte und die Hauptstadt im Mai1588 gegen den mit beiden Parteien unterhandelnden König in Aufstand brachte. DerKönig schloß zwar am IS. Juli mit der Ligue einen Vertrag, nach welchem die Verbunde-nen den Namen einer Union annahmen, allein die Staatsgewalt blieb in den Händen derEuisen, und auf dem zur völligen Ausgleichung nach Blois berufenen Reichstage hattendie Liguisten völlig die Oberhand. Heinrich III. suchte sich deshalb durch die Ermordung desCardinalS und des Herzogs von Guise zu helfen, worauf aber die Ligue dir Scchzchner dieHauptstadt zu den Waffen rief und dem Könige den Gehorsam aufsagte. Als nach Hein-rich's III. Ermordung Heinrich IV. als rechtmäßiger Nachfolger den franz. Thron behaup-
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