2 Ligue
im entscheidenden Momente dem rechten Flügel des preuß. Heers in die Flanke oder denNucken zu fallen. Gegen 10 Uhr am Morgen des 16. begann Napoleon seine Streitkrästezu ordnen. Sein linker Flügel, den das dritte Corps bildete, stand vor Fleurus; im Cen-trum war das vierte Corps; Grouchy mit der Cavalerie bildete den rechten Flügel. DieGarde und die Kürassiere standen in zweiter Linie; das sechste Corps bildete die Reserve.M-gen 2 Uhr Nachmittags befahl der Kaiser eine Frontvcränderung. Das Centrum undver rechte Flügel mußten ihre schräge Stellung verlassen und Vorgehen, sodaß nun dieFranzosen den Preußen parallel standen. Auch scheint es, als habe Napoleon dem erstenCorps unter Erlon zu gleicher Zeit den Befehl erthcilk, statt nach Frasnes, nach Bry, gegendie rechte Flanke der Preußen, anzurücken. Der Kaiser hoffte von der Frontveränderung,die später sehr getadelt wurde, den größten Erfolg. „In drei Stunden", sagte er zu Gö-rard, „kann das Kriegsgeschick entschieden sein. Wenn Ney den Auftrag gut ausführt,wird uns keine Kanone der preuß. Armee entkommen; wir fassen die Preußen «n üagrrmt«leüt". Gegen 3'/- Uhr Nachmittags begann die Schlacht. Während Grouchy mit derCavalerie den linken Flügel der Preußen beschäftigte, griff Vandamme das Dorf St.-Amand an, das wiederholt genommen und verloren wurde und endlich zum Theil in denHänden der Franzosen blieb. Ebenso hartnäckig vertheidigten die Preußen das sehr vor-thcilhaft gebaute Dorf Ligny gegen das vierte Corps unter dem Grafen Ge'rard. Ver-gebens hatte schon Eerard seine Division geopfert, als Napoleon gegen 5 Uhr das Anrückender Garden auf Ligny befahl. Allein zu gleicher Zeit gerieth der linke Flügel der Franzosenin große Unruhe, indem sich in dessen Rücken ein starkes Corps zeigte, welches man füreine Abtheilung des brit. Heers hielt. Erst nachdem Napoleon mit Zeitverlust sich über-zeugt, daß dies das Corps Erlon's sei, eilten die Garden gegen Ligny, und nun mußtendie Preußen der Übermacht weichen. Blücher räumte nach einer letzten Anstrengung, beiwelcher er beinahe umkam, Ligny und trat, von der Dunkelheit begünstigt, den Rückzugan. Die Preußen hatten 20000 M. und 25 Kanonen, die Franzosen 6 — 7000 M. ver-loren. Napoleon hatte nur 60000 M. im Gefecht gehabt, denn sein sechstes Corps erreichteerst beim Einbrüche der Nackt Kscurus, und sein erstes unter Erlon blieb unthätig, weildasselbe, nachdem es im Rücken der Armee eingctröffen, wieder nach FraSnes zurückkehrenmußte und auf diese Weise weder bei Quatre-Bras noch bei Ligny Mitwirken konnte.Diesen Misgriff, dessen wahre Ursache im Dunkel geblieben ist, empfand besonders R«yschmerzlich. Derselbe erwartete den ganzen Morgen des 16. Juni hindurch mit dem unge-fähr 18000 M. starken zweiten Corps die Ankunft Erlon's zu Frasnes und rückte, nach-dem er um > l Uhr nochmals die dringendste Weisung erhalten, gegen Quatre-Bras vor,wo ihm der Prinz von Oranien bereits mit 25000 M. zuvorgekommen war. Dessenunge-achtet unternahm er den Angriff und setzte sich zu Quatre-Bras fest, mußte aber, da eineDivision des brit. Heers nach der andern eintraf und er ohne Unterstützung blieb, allmäligkämpfend bis Frasnes zurückweichen, wo er Stand hielt. Der Verlust betrug hier aufbeiden Seiten ungefähr 5000 M. und unter den Gefallenen befand sich auch der HerzogFriedrich Wilhelm (s. d.) von Braunschweig. Napoleon erlangt: durch seinen Siegnicht die gehofften strategetischen Erfolge; er hatte weder die Preußen vernichtet noch ihreVereinigung mit dem brit. Heere unmöglich gemacht. Blücher zog sich mit dem erstenund zweiten Corps auf Wavre zurück, wohin ihm auch nach Mitternacht sein drittes,wenig beschäftigt gewesenes Corps unter Thielmann folgte. Sei cs, daß sich Napoleonüber die errungenen Vortheile täuschte, oder daß er zu geschwächt war, erst am l7. schickteer Grouchy und Vandamme mit 35000 M. zur Verfolgung der Preußen ab. Wichtig fürdie Folge war es, daß sich dieses Corps auf den Weg nach Lüttich, statt nach Wavre (s. d.),wendete und so die Preußen längere Zeit aus dem Gesichte verlor. Als Wellington denAusgang der Schlacht bei Ligny vernahm, zog er sich ebenfalls an den Wald von Soignezurück und nahm am l 8. Juni, nachdem er sich mit Blücher verständigt, die Schlachtvon Waterloo (s. d.) au, welche das Schicksal Napoleon's und Europas entschied.
Ligue oder Liga bezeichncte in der politischen Sprache des 16. und 17.Jahrh, über-haupt ein vorübergehendes, oft aus sehr entgegengesetzten Interessen geschlossenes Bünd-viß und entsprach dem jetzt gebräuchlichen Worte Allianz (s. d.) oder Coalitio »(s. d.).