Zakob H. (König von Großbritannien und Irland) 603
Eigenmächtig unterließ er die Berufung des Parlaments und untersagte demselben jedeVerhandlung von Staatssachen; er verlieh Stimmrechte, beherrschte die Wahlen, erhobwillkürliche Steuern und strafte die Widerspenstigen, selbst die Richter, mit Gcfängniß undConfiscation; das Parlament aber entgalt ihm solches durch höchst spärliche Zumessungvon Subsidien, was für den König um so empfindlicher war, da er durch Verschwendung- und Freigebigkeit sich in tiefe Schulden gestürzt hatte. Dieses Verhältniß dauerte die ganzeRegierungsepoche hindurch und begründete, nebst dem harten Verfahren in Kirchensachen,zwischen Volk und Thron eine unheilsvolle Spannung, die unter der folgenden Regierungmit der Umwälzung des Staats endete. Ebenso energielos und dem Interesse und der pro-testantischen Gesinnung des Volks zuwider war Z.'s auswärtige Politik. Nur mit Mühe> ließ er sich > 603 zu einem Bündnisse mit Frankreich zu Gunsten der Niederlande bewegen,
' vereinigte sich aber schon im nächsten Jahre wieder mit Spanien. Nach Abschluß des Waf-
fenstillstandes zwischen Spanien und den Niederlanden verlobte er sogar den Prinzen vonWales, Heinrich, mit Anna, der Tochter Philipp's ill. von Spanien. Nur der plötzlicheTod des Prinzen, am 16. Nov. l 6! 2, verhinderte diese den Engländern, wie den Schottenverhaßte Verbindung. Eine fast gänzliche Aussöhnung zwischen Volk und König veran-lage t 6 l 3 die Vermählung von J.'s ältester Tochter, Elisabeth, mit dem protestantischen. Kurprinzen, dem spätem Friedrich V. von der Pfalz (s. d.). Als aber sein Schwie-gersohn die böhm. Königskrone annahm, zog er sich von demselben zurück, weil er dessenVerfahren als rebellisch ansah. Dieses Betragen lud aus I. die Verachtung der ganzenprotestantischen Welt, selbst den Spott der katholischen Mächte. Um den Kurfürsten vongänzlichem Untergänge zu retten, wurde eine neue Verbindung mit dem Hofe von Madrid,und die Verlobung des engl. Thronfolgers mit der span. Prinzessin eingeleitet. Allein dasParlament und der unwürdige Günstling B uckingh am (s. d.) legten sich dazwischen undbestimmten I. zu einem Bündnisse mit Frankreich gegen das Haus Ostreich. Ehe indessen, derKrieg ausbrach, starb der wankelmüthige König am 8. Apr. > 625. Ungeachtet der in-ner» Zerwürfnisse nahmen während dieser langen Friedenszeit England und Schottlandin Handel, Gewerbe und politischemBewußtsein einen ungeheuren Aufschwung. Die ame-rikan. Colonien gelangten zur festen Begründung. Nur Irland (s.d.) gerieth durch diegutgemeinten, aber verkehrten Reformmaßregeln J.'s in noch tiefere Zerrüttung. SeinSohn Karl I. (s. d.) folgte ihm auf dem Throne. Man hat von ihm mehre Schriften, dievom Bischof Montacuti als „Opera" (Lond. I6l9) herausgegeben wurden und für desKönigs Charakter und seine Bildung sehr bezeichnend sind. Er vertheidigt darin das abso-lute Herrscherrecht, eifert gegen den Gebrauch des Tabacks, verficht die Möglichkeit derZau«berei, sowie des Vorhandenseins von bösen Geistern und untersucht sehr umständlich, war-um der Teufel am liebsten mit alten Weibern umgehe. Vgl. Nichols, „lüe progresses,procovsionv anck fsstiviliso oiHnA ä. I" (3 Bde., Lond. 1829).
Jakob II-, König von Großbritannien und Irland, l685—88, zweiter Sohn Karl's I.(s. d.), ein Enkel des Vorigen, gcb. am 23. Oct. l633, erhielt den Titel als Herzog vonUork und eine sehr sorgfältige Erziehung. Nach der Einnahme der Stadt Park durch dasParlamentsheer, am 23. Juni l636, wurde er mit seinen Geschwistern im Jamespalastzu London unter der Obhut des Grafen von Northumberland gefangen gehalten, entkamjedoch >638 durch eine gefahrvolle Flucht zu seiner Schwester Marie, der Gemahlin desPrinzen Wilhelm s li. von Oranien. Wahrscheinlich erst nach der Hinrichtung seines Va-ters ging er zu der Mutter, Henriette, Heinrich'siV.Tochter, nach Frankreich und trat >652,von Allem entblößt, als Freiwilliger unter Turenne's Fahne. Nach dem Frieden von > 655mußte er aber Frankreich verlassen. Er sammelte hierauf im Interesse seines Hauses diebrit. und irischen Flüchtlinge um sich, kämpfte als span. Generallieutenant unter Conde'sund Don Juan's Befehl bis gegen Ende des I. 1659 gegen seinen Freund Turenne underwarb in diesen Feldzügen viel Kriegserfahrung, obgleich er sich nicht durch glänzende Ei-genschaften auszeichnete. Nach der Restauration des Hauses Stuart erhielt er von seinemBruder K ar l li. (s. d.) als Großadmiral den Oberbefehl über die brit. Seemacht, die erzu hoher Blüte brachte. Er war als Präsident der Afrikanischen Compagnie t 665 der An-stifter eines Krieges gegen Holland, über dessen Flotte unter dem Admiral Opdam er am