55,8 Fraustadt FrayssinouS
ling zu einem Spiegelmacher und Glasschleifer nach München, wo er während der sechs-jährigen Lehrzeit nur höchst selten dieFciertagsschule besuchen durste und deshalb des Schrei-bens und Rechnens fast ganz unkundig blieb. Dadurch, daß er, als das Wohnhaus seinesLehrherrn 1801 einstürzte, im Schutte vergraben wurde, erregte er die Aufmerksamkeit desKönigs Maximilian Joseph von Baiern und erhielt nach seiner Genesung von diesem 18Dukaten. Mit diesem Gelbe kaufte er zunächst eine Glasschneidemaschine, die er auch zumSteinschneiden benutzte; der Geheimrath Utzschneiderls. d.) aber verschaffte ihm die zumSelbstunterrichte nöthigen Bücher; doch nur insgeheim an Feiertagen konnte er einigeStunden eigenen Studien widmen. Nichtsdestoweniger wurde er bald mit den Gesehen derOptik bekannt und wendete seinen Verdienst nebst dem Reste seines Geldes dazu an, seinemLehrmeister das letzte halbe Jahr der Lehrzeit abzukaufen und sich eine Schleifmaschine füroptische Gläser anzuschaffen. Im I. 1806 wurde er von Utzschneider undReichenbach(s. d.) als Optiker angestellt und hierauf unter seiner Leitung in dem ehemaligen KlosterBenedictbeurn das für alle dioptrischc Instrumente bestimmte Institut gegründet, das1819 nach München kam. Er fing seit 1811 an, Flintglas zu schmelzen und erfand nachvielen mißlungenen Versuchen eine völlig homogene Masse dieses Glases; auch gelang esihm, Crownglas zu bereiten, welches das englische an Güte übertraf. Unter den vielen vonihm erfundenen oder verbesserten optischen Instrumenten stehen der Nefractor für die Stern-warte zu Dorpat, der im Durchmesser 2—500 mal vergrößert, und der von ihm für denKönig von Baiern gefertigte Refractor von 12 Zoll Objectivweite und 18 F. Brennweiteoben an. Nach Verlegung des optischen Instituts von Benedictbeurn nach München wurde F.1823 Conservator des physikalischen Cabinets der bair. Akademie; doch starb er schon am7. Juni 1826. In seiner Vaterstadt wurde dem Hause, wo er geboren, gegenüber seineBüste aufgestellt und die Straße nach ihm genannt. Seine Beobachtungen sind theils in den.^Denkschriften der bair. Akademie", theils in Gilbert's „Annalen der Physik" niedcrgelezt.
Fraustadt, Kreisstadt in der preuß. Provinz Posen, an der schles. Grenze gelegen,mit etwa 7 000 E., ist merkwürdig wegen der während des nordischen Kriegs zwischen denSachsen und Russen unter Schulenburg einerseits und den Schweden unter Renskiöldandererseits am 12. Febr. 1706 gelieferten Schlacht, in welcher die erster« eine völlige Nie-derlage erlitten. Die Schlacht war innerhalb einer Viertelstunde entschieden, indem dieRussen, Plötzlich von einem panischen Schrecken befallen, ohne Kampf die Flucht ergriffenund die Sachsen mit fortrissen. General Renskiöld befleckte seinen Sieg dadurch, daß er6 Stunden nach dem Kampfe >500 russ. Gefangene, die ihn fußfällig um ihr Leben baten,zur Vergeltung der Gewaltthaten ihrer Landsleute unmenschlich niedermeheln ließ.
Fraysstnous (Denis, Graf von), franz. Prälat, bekannt durch seinen Eifer für ul-tramontane Zwecke unter der Restauration und als Anhänger der vertriebenen Bourbons,geb. zu Curieres in Gascogne am 0. Mai 1765, verlebte die Zeit bis zu Anfänge des 19.Jahrh., wo er, als die Religion wieder von Seiten des Staats begünstigt wurde, unter denPriestern sich auszcichnete, die zur Belebung des religiösen Sinnes vor allen Dingen gegendie materialistischen und atheistischen Ansichten der herrschenden Philosophie sich erklären zumüssen glaubten. Seine Reden in der Kirche des Carmes in Paris zu hören, gehörte eineZeit lang zum guten Tone. Obschon im Innersten Royalist, wußte er sich durch Schmeiche-leien bei Bonaparte zu empfehlen; er wurde Gencralinspector der Akademie von Paris underhielt ein Kanonikat bei der Kirche von Notre-Dame. Er predigte nun zu St.-Sulpice, bisihm dieses 1809 untersagt wurde. Nach der Restauration wieder im Besitze seiner Kanzel,bekämpfte er eifrigst alle nicht royalistische Ansichten und wurde zum Censor ernannt.Wahrend der Hundert Tage verließ er Paris. Im Aug. 1815 wurde er Mitglied der Com-mission für den öffentlichen Unterricht, legte jedoch 1816 seine Stelle nieder und erhielt einePension von 6000 Francs. Durch eine von ihm verfaßte Lobrede auf Ludwig den Heiligen,die er 1817 in der Akademie vorlas, machte er sich zuerst in der literarischen Welt bekannt.Bald darauf wurde er erster Almosenier und Hofprediger Ludneig's XVIIl., dann Titular-bischof von Hermopolis, Großoffizier der Ehrenlegion, Graf und Pair; auch stellte manfür ihn die Würde eines Großmeisters der Universität Paris wieder her. Jm J. 1823 wurdeihm das neuerrichtete Ministerium des Cultus übertragen; in dieser Stellung begünstigte