Französische Literatur (Rhetorik, Poetik) 533
mit treuem Fleißc. Danct's, Cantel's, Larue's, Jean Hardouin's (s. d.), Sanadon's(s. d.) u. A. fleißige Arbeiten sind jetzt zum Theil vergessen. Der Jesuit Fr. Pomcy erläu-terte die Mythologie. Um die Chronologie und Astronomie erwarb sichPetavius(s. d.),1583—1652, bedeutendes Verdienst. Auf röm. Numismatik wurde viel Fleiß verwendet,vorzüglich von Jean Foy Vaillant (s. d.), 1632 — 1706. Im I8.Jahrh.ist unter denChronologen Nie. Frc'ret (s. d.), gest. 1739, zu nennen; die Numismatik erhielt einenwackcrn Bearbeiter an Jos. Pellerin, gest. 1782; d' Anville (s. d.), gest. 1782, wirkte füralte Geographie; die Kunst des Alterthums erläuterte Montfaucon (s. d.), 1655—17-11,in dessen Fußstapfen Caylus (s. d.), 1692 —1765, trat. Für röm. Geschichte leistete Cre-! vier Einiges, bedeutend mehr jedoch der gelehrte Charl. de Brosses (s. d.), gest. 1777.Villoison (s. d.), gest. 1805, und Larcher (s. d.) arbeiteten für griech. Literatur erfolg-reich thätig. Nächst ihnen sind, abgesehen von den Deutschen Brunck (s. d.), gest. 1803,Zerem. Jak. Oberlin (s.d.), gest. 1806, und Schweighäuscr (s-d.), JeanJacq. Bar-thelemy (s. d.), Sainte-Croix, Volney (s. d.), Etienne Clavicr, der geistvolle Courier(s.d.)undinderneuestcnZcitA. Letronne (s.d.) zu erwähnen. Namentlich wurden morgen-länd. Sprachen von den Franzosen seit Richelieu, der die erste morgenländ. Druckerei cin-^ richten ließ, mit vielem Flciße betrieben. Großen Nus erwarben sich Etienne Fourinont(sd.), Abel Nein usat (s.d.), Jaubcrt, Che zy (s.d.), Champollion (s. d.), Langles(s. d.), O. uatremcre de Quincy (s. d.) und Burnouf (s. d.). Ein ganz neues Gebiethat die Philologie in Frankreich dadurch gewonnen, daß sich die franz. Gelehrten seit einigerZeit dem Studium ihrer reichen mittelalterlichen Literatur mit großem Eifer zugewendet ha-ben. Zwar wagten schon in der Mitte des vorigen Jahrh. Einige, wie Laravalierc, Barba-zan, Saintc-Palaye, Caylus, Trcssan, Legrand u. A., mit scheuer Curiosität sich mit denWerken der ältern Nationallitcratur zu beschäftigen; aber das eigentliche Studium dieser, reichen Schätze, die Jahrhunderte lang, zum größten Theil »»gekannt, in den Bibliothekenmoderten, datirt doch erst aus der neuesten Zeit. Verdient um die Verbreitung dieses Stu-! diums haben sich gemacht Roquefort, Meon, Dclarue, Robert, Pougcns, Pluquet, Crapelet,Naynouard; von Jüngern nennen wir Francisquc Michel, Paulin Paris, Leroux de Lincyund Achille Jubinal. Auch einige deutsche Gelehrte haben sich erfolgreich mit altfranz. Phi-lologie beschäftigt, wie z. B. Orell, I. Bckkcr, Adelb. Keller und Ferd. Wolf.
Die franz. Lehrbücher der Rhetorik sind meist gute und brauchbare Auseinander-setzungen der von Cicero und Quinctilian gegebenen Vorschriften, die Anweisung zur Poe-tik aber gewöhnlich schwach und fast ausschließcnd sprachliche und rhythmische Äußerlichkei-ten berücksichtigend. Den ersten rohen Versuch einer Theorie der Poesie und Beredsamkeitmachte um 1500 Jean Jourdain in seiner Schrift „I^ejarclln <Is pl-üsnncs et üeur cke rlle-torique"; darauf erschien Libilct's ,,^rt jioetitjiie" (Par. 1538). Die beste kritische Schriftaus dem 16. Jahrh. ist die Duvair's „Ile I'eloPience Iran^.". Die franz. Akademie eignetesich sehr bald nach ihrer Stiftung obcrrichtcrliches Ansehen in Sachen des Geschmacks zu.Es erschien eine Unzahl rhetorischer und poetischer Anweisungen; da aber die meisten Poeti-kcr die Poesie aus ganz falschen Gesichtspunkten betrachteten, so haben die meisten der imJahrhundert Ludwig's XIV. geschriebenen kritischen Abhandlungen nur höchst beschränktenWerth. Selbst die ästhetischen Aussprüche Corneille's, Nacine's, Lafontaine's sind mehr, merkwürdig als lehrreich. Auch Boi leau's (s. d.) ,,^rt poeti^ne" war ohne Werth. Diebessern hierher gehörigen Schriften sind von Rapin, Bouhours, Bossu und Fenölon. Alsselbständige Forscher bezeigen sich Jean Bapt. Dubos (s. d.), gest. 17 3 2, in den „Röüexinnscritiques sur la Poesie et la psinture", und Mcrcier in dem „Lssai sur I'srt llrsmatiPio"(>773). Das 18. Jahrh. versuchte aus der speciellen Kritik in eine höhere zu gelangen undhatte eine Ahnung von einer Philosophie des Schönen; allein bei der herrschenden„Scnsual-Philosophic konnte kein derartiger Versuch gelingen. Den ersten Versuch einer Ästhetik- machte der Jesuit Aves Maria Andre in seinem ,,'IHte ck» Oeau"; auf ihn folgte Diderotmit seinem „Uralte clu beau"; den meisten Ruf aber erwarb sich Charl. Batteur (s. d.),gest. 1780, der die Redekünste auf den obersten Grundsatz der Nachahmung der schönen Na-tur zurückführte. Als ein Bindeglied zwischen der Literatur des l 8. und 19. Jahrh. stehtMarm VNtel (s. d.) da, dessen „koetiyue Irsny." und „Elements (Is litterature" reich an