530 Französische Literatur (Medicin, Staatswissenschast)
Namen erwarben und durch cigenthümliche Methoden sich bekannt machten, so gewann dieChirurgie doch erst im 18. Jahrh. eine wissenschaftliche Gestalt, wozu die von Franc. M-got de la Peyronie in Paris 1731 gestiftete chirurgische Akademie und die Einrichtung derLcnle cks cliirurgie, 1773, nicht wenig beitrugen. Als die berühmtesten franz. Chirurgen,die sich in der Literatur einen bedeutenden Namen erwarben, erwähnen wir im >8. Jahrh.Dom.Anel, der eine neue Methode zur Heilung der Thränenfistel einführte (1713); I. LouisPetit, gest. 1750, der über Knochcnkrankheiten schrieb; Fr. Lecat, gcfl. 1768, und H. Fr.Le-dran, gest. 1770, bekannt durch ihre Forschungen über den Stcinschnitt; Franc. SauveurMorand, gest. 1773, und dessen Sohn Jean Franc. Clem. Morand, gest. 1783 ; Th. Tron-chin (s. d.), gest. 1781; ToussaintBordenave, gest. 1782 ; I. P. David, gest. 1783; Ant.Louis, gest. 1792; ferner P.J. Default (s.d.), gest. 1795, mit dem eine neue Ara derfranz. Chirurgie beginnt; Rafael Bicnvenu Sabatier, gest. 1811; Jos. Fr. L. Deschamps,gest. 1823; Ant. Portal, gest. 1832; Anthelme Richerand, geb. 1779; Alexis BaronBoyer (s. d.), gest. >833; Euill. Baron Dupuytren (s.d.), gest. 1835, und Dom. JeanBaron Larrey (s. d.), gest. 1832. Unter den franz. Geburtshelfern erlangte Baudelocque,gest. 1815, den meisten Ruhm. Was dieMedicin anlangt, so wurden von Franzosen vor-zugsweise die Fächer bearbeitet, die eine sinnlich wahrnehmbare Erscheinung begreifen. UmPathologie und Therapie machten sich am verdientesten Fr. Boissier Sauvages, gest. 1767,der die Krankheiten classificirtc, Phil. Pinel (s.d.), gest. 1826, Jean Louis Alibert,geb. > 780, der auch unter den Physiologen mit Achtung genannt wird, Rene Theoph. Hyac.Laennec, gest. >826, und Broussais (s. d.), gest. 1838. Eine treffliche populaire Diäte-tik lieferte Ti ssot (s.d.) in dem „Xvis an pcuple snc >u sollt«" (Lausanne 1 761). An Lehr-büchern und Schriften über Arzneimittellehre und Pharmacie ist kein Mangel; nächst AchilleRichard, geb. 1793, machte Orfila (s. d.) mit seiner „'l'oxicologsiv" (2Bde., 3. Aust., Par.1833) Epoche. Lagrange und Ant. Baume (s.d.), gest. 1803, schrieben Lehrbücher derPharmacie. Als Thicrärzte sind I. I. Mangct, Et. Guill. de la Fasse, Bourgelat, der Stif-ter derVctcrinairschule in Lyon (1761), J.J.Paulet, L. VitetundVicqd'Azyr zu bemerken.
Die Staatswissenschaft bildete sich in Frankreich seit dem >6. Jahrh. unter Ein-wirkung mannichfacher Erfahrung, nicht ohne Übertreibungen und Verirrungen aus. Diephilosophische Idee vom Staate wurde durch das Studium der Alten entwickelt, und die Re-volutionen, welche im 16. Jahrh. die Kirche und im 17. das Königreich England erfuhren,brachten eine Menge neuer Ideen in Umlauf. Den ersten Versuch einer wissenschaftlichenDarstellung der idealen Staatslehre machte Jean Bo di n (s. d.), gest. 1596. Etienne de laBoetie, gest. 1561, bekannte sich zu kühnen Grundsätzen alterthümlicher Freiheit in dem„Irnite Ir> servituckc volnutilire"; in gleicher Gesinnung schrieb Hubert Lan guet (s. d.),gest. 1581, unter dem Namen Stcph. Junius Brutus seine „Vimliciae contra t)ra»»ns".Auch eine große Zahl der in der grcuelvollcn Periode von Franz I. bis aufNichelieu geschrie-benen Memoiren muß theilwcisc zu den politischen Schriften gerechnet werden. Gelang esauch Richelieu, die lang entbehrte Ruhe wiederhcrzustellen und den offenen Widerstand zuunterdrücken, so wurden doch unter seiner Herrschaft, noch mehr aber unter seinem Nachfol-ger Mazarin Stimmen der Unzufriedenheit laut, die selbst unter Ludwig XlV. nicht ganzverstummten. Unter der Regierung Ludwig's XV. trat der Widerspruch nicht mehr in au-genblicklichen Ergießungen bittern Unmuths oder witzigen Spotts, sondern in ernster wis-senschaftlicher Gestalt hervor; brit. Ideen gewannen überwiegenden Einfluß, und man wußtewas man wollte. Voltairc(s. d.), Rousseau (s. d.), Montesquieu (s. d.), Mably(s. d.), Naynal (s. d.), die Encyklopädistcn (s. d.) veränderten den Geist der Nationdurchaus und noch jetzt ist ihr Einfluß bedeutend. Unter der großen Zahl politischer Schrift-steller, welche sich seit der Revolution in Frankreich hcrvorgethan haben, nennen wir nurSieycs, Condorcet, Mirabeau, Benj. Constant, Mad. de Stack, dePradt, Talleyrand, Cha-teaubriand, Courier, Roycr-Collard, Guizot, Foy, Ke'ratry, Villele, Dupin, Martignac,Casimir Pe'ricr, Odilon-Barrot, Cormenin, Thiers, Capefigue und Mich. Chevalier. DieSachwalter des theokratischen Despotismus und der Papstmacht, wie Jos. de Maistrk(s. d.) und Louis Gabr. Ambr. Vicomte deBonald (s. d.), wurden bald vergessen.