152 Excommunication Exegese
dinals prctestirc» zu dürfen. Dieses Recht haben die Könige von Frankreich und von Spa» '
nien und (an der Stelle der deutschen Kaiser, seit der Auflösung des Deutschen Reichs) derKaiser von Ostreich. Die Protestation macht der Nationalcardinal, ehe man zur Papstwahischreitet, im Namen seines Fürsten bekannt.
Exeommunication, s. Kirchenbann und Inte rdiet.
Excurs (lat.) heißt eigentlich der Auslauf, die Abschweifung von der Hauptsache; imengern Sinne bezeichnet man damit die einer größer« Schrift mehr als Anhang beigegebeneausführliche Erörterung eines Gegenstandes, der mit dem Ganzen in Verbindung steht.
Excufsion heißt die Ausklagung eines Schuldners und die Anwendung der Exemtion Vgegen ihn; beneliciuin excnssionis die dem Bürger zustehende Nechtswohlthat, zu verlan-gen, daß der Hauptschuldner zuerst ausgeklagt werde. (S. B ü rg sch a ft.)
Exemtion, d. i. Ausführung, bezeichnet in der Ncchtssprache die Vollziehung einesUrtheils, sowol im Civil- wie im Criminalproceß; daher cs auch mit Hülfsvollstreckunggleich gebraucht wird. Die letztere Bezeichnung ist übergetragen auf die Beitreibung rück- !ständiger Abgaben. — Executor heißt der Vollstrecker, z.B. eines Testaments; executiveGewalt nennt man die vollstreckende oder ausübende im Gegensätze zur gesetzgebenden und ^richterlichen; Exerutivproceß ist eine Gattung der summarischen Processe, in welcherder Beweis des Anbringens sofort durch Urkunden geführt wird (s. Proceß); Executo-rialen (exscutorials5 litterse) sind Vollstreckungs - oder Beitreibungsbefehle.
Exegese (griech.), d. i. Erklärung oder Ausdeutung, eigentlich gleichbedeutend mitdem lat. Interpretation, d. i. Auslegung, wird vorzugsweise die Auslegung der heiligenSchrift genannt, während man Interpretation gewöhnlich von der Auslegung der Profan»schriftcn, der Gesetze u. s. w. gebraucht. Gelehrte Schriftausleger heißen Exegeten, auchInterpreten, und eine Schrift auslegen heißt im Allgemeinen diejenigen Vorstellungen und ^Gedanken genau und gründlich ermitteln und angeben, welche ein Schriftsteller mit den von I
ihm gebrauchten Worten hat ausdrücken wollen. Für diesen Zweck muß man bei Büchern §
in fremden Sprachen zuerst die Bedeutung der von dem Schriftsteller gebrauchten Wörter 'und Redeweisen genau kennen, und darnach und aus dem Zusammenhang ihren Sinn er-mitteln (grammatisch-philologische Auslegung), zweitens die durch die Worte be-zeichnten Sachen und Vorgänge aus der Geschichte, den Antiquitäten und den Vorstellun-gen des Zeitalters erläutern (historisch-antiquarische Auslegung). Beides zu-sammen nennt man die grammatisch-historische Auslegung. Die wissenschaftlicheDarstellung aber derRegeln und Hülssmittel der Auslegung hat man Hermeneutik(s.d.)genannt. Das wörtliche Wiedergeben einer in fremder Sprache geschriebenen Schrift mitWorten der einheimischen Sprache heißt Übersetzung oder Version. Geschieht dies ohnestrenge Beibehaltung des wörtlichen Ausdrucks und mit erläuternden Einschiebseln, so ent-steht die Paraphrase oder Umschreibung. Erläuterungen nur einzelner schwierig schei-nender Wörter einer Schrift oder ganzer Sätze derselben heißen Scholien; die vollständigeErklärung einer Schrift nach Worten und Sachen und des Zusammenhangs aller Sätze nenntman einen Commentar. Wird blos das Gedankensystem einer Schrift zum Gegenstandder Erörterung und weitern Ausführung gemacht, so ist dies doctrinellc oder dogma-tische Auslegung. Die Aufsuchung aber einer geheimen und auf andere Gegenständeübertragenen Sinns, der hinter der gewöhnlichen Bedeutung der Wörter liegen soll, heißtallegorische Auslegung. Die letztere wurde von den spätern Griechen beim Homer, ^von den Kirchenvätern bei der Bibel, von den Mystikern bei dem Hohenliede, von den Hege-lianern bei dem Athanasianischen Symbolum angcwendet. Nur erst nach der Reformationfingen die Protestanten an, die Regeln und Mittel der Auslegung wissenschaftlich aufzu-stcllen, wozu sie durch ihren Grundsatz, daß die heilige Schrift nur aus sich selbst erklärt wer-den dürfe, genöthigt wurden. Doch war es erst der im I. 1761 erscheinende „Inlerpresvon Joh. Aug. Ernesti, der die Anfoderungen der Wissenschaft befriedigte. DieAuslegung der Bibel ist nicht mit der Kritik derselben zu verwechseln. Jene sucht nur den 1in den Worten liegenden Sinn zu ergründen und darzustellcn, diese aber beurtheilt den Ge-halt und Werth des gefundenen Sinns in theoretischer und praktischer Beziehung.