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Essex (Graf von)
geboren. Sein Vater, WalterDevereux, erster GrafvonE., starb während der Aus-führung großartiger Colonisationsplane in Irland und hinterließ den zehnjährigen Knabenund die Witwe Lätitia, die alsbald Leicester, den Feind ihres Gemahls und Günstling derKönigin Elisabeth, heimlich heirathcte. Lord Burleigh, der nach dem Willen des Vaters dieErziehung des Sohns leitete, brachte den schönen, hochbegabten Jüngling l 58-1 an den Hof,wo er viele Freunde fand und auch auf die Königin großen Eindruck machte. E. mußte des-halb dem eifersüchtigen Stiefvater 1585 in den Krieg nach Holland folgen. Die Schlachtvon Zütphen, in der er sich auszcichnete, gab der Königin um so mehr Gelegenheit, ihm ihre lGunst zu bezeigen; sie erhob ihn zum Cavaleriegeneral und gab ihm den Orden des Hosen- ,Landes. Als Leicester 1588 starb, wußte sich die Königin bald durch den jungen Stiefsohnzu trösten, der ihr erklärter Günstling ward. Sie überhäufte den Jüngling mit Ehren ,und Zärtlichkeit, während dieser Volksgunst, Kriegsthaten, überhaupt die Befriedigungeines männlichen Ehrgeizes der Liebe einer alternden Frau vorzuziehcn schien. Gegen ihrenWillen schloß er sich >589 dem Kriegszuge an, durch den Norris und Drake Don Anto-nio wieder aus den portug. Thron sehen wollten; doch zog dieser Ungehorsam ihm nur zärtlicheVorwürfe zu. Im I. l 591 mußte sie ihm den Oberbefehl über ein Truppencorps verleihen, !das sie zur Unterstützung Heinrich's I V. nach Frankreich sandte. Nach Kriegsruhm begierig, >unternahm E. zum Theil auf eigene Kosten mit dem Admiral Howard 1596 den kühnen jHandstreich auf Cadiz, wodurch England in den Besitz unermeßlicher Beute, besonders des >reichen Arsenals gelangte. Das Volk, das ihn seiner Ritterlichkeit und des Edclmuths wegen,mit dem er sich der verfolgten Katholiken und Puritaner annahm, längst als Liebling be-trachtete, zollte dieser Heldenthat den lautesten Beifall. Auch die Königin ergoß sich in Lob lund Gnaden, empfand es indeß doch übel, daß er den öffentlichen Beifall dem ihrigen vor- jzog. Tiefer fühlte sie sich gekränkt durch seine heimliche Vermählung mit der TochterWalsingham's, durch das Duell, das er angeblich aus Eifersucht mit dem Ritter Blount ,bestand, endlich durch häufige Misachtung ihrer Persönlichkeit dem Hofe gegenüber. Nachseinem Wunsche beförderte sie ihn 1597 zum Großmeister der Artillerie. Er unternahmhierauf einen Kriegszug gegen Spanien, der aber misglückte. Als er zurückkehrte, kalt em-pfangen wurde und seine Feinde befördert und in der Gunst der Königin fand, erwachte aufeinmal der ganze Stolz seines hochfahrenden und durch Glück verzogenen Charakters. Seinungestümes Betragen, seine Reden, sein Spott, den die Hofleute hinterbrachten, mußtenjedes Weib, am meisten aber die oft bis zur Lächerlichkeit eitle Königin verletzen. Überdieswar Burleigh, sein Freund und Beschützer, gestorben, und alle seine Neider und Nebenbuhlerhatten freies Spiel. Dessenungeachtet vermochte Elisabeth nicht, ihre Neigung für den Ge-liebten zu unterdrücken; sie verzieh ihm oft und gern und überhäufte ihn dann mit neuenGunstbezeigungen. Nach einer heftigen Scene im Staatsrath (s. Elisabeth) ernannte sieihn ungeachtet seiner Weigerung zum Gouverneur in dem unruhigen Irland. Er wurdemit ausgedehnten Vollmachten versehen und verließ den Hof gereizt und unter Verwün-schungen. Um sich seiner Sendung, die er für Verbannung hielt, so schnell als möglich zuentledigen, schloß er nach einigen unbedeutenden Unternehmungen mit den Aufrührern einenWaffenstillstand, der bei Hofe als Staatsverrath angesehen ward. Um seinen Gegnern zubegegnen, eilte er hierauf gegen ausdrücklichen Befehl nach London zurück und drang rück-sichtslos in das Cabinet der Königin. Zeitgenossen behaupten, daß er sogleich völlige Ver- .zeihung würde erhalten haben, wenn er mehr Geduld gezeigt und die Königin nicht im Nacht- ,anzug überrascht hätte. Nur um den Schein zu wahren, sagt man, entkleidete ihn Elisabethseiner Würden bis auf den Titel eines Generals; auch befahl sie, ihn zur Rechenschaft zuziehen. Die lange Zeit, die man geflissentlich verstreichen ließ, verwandte der tollkühne undungestüme Mann, um mit dem schot. Hofe in Verbindung zu treten und in London einenAufstand zu veranlassen, der freilich zunächst gegen seine Feinde und die Minister gerichtetwar. Nach seiner Gefangennehmung machte ihm nun der Kanzler Bacon, dem er sonst große 1Gunst erzeigt, in aller Form den Proceß. Lange zögerte Elisabeth, das Todesurtheil zu be-stätigen, indem sie hoffte, er werde ihre Gnade anflehen. Endlich ward er am 25. Febr.1691 enthauptet; erstarb, nachdem er sich stolz und edel vertheidigt, mit großem Muthe.
Die Erzählung von dem Ringe, mit dem er sein Schicksal bei der Königin habe aushalten