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Erfindungen und Entdeckungen
such durch fremde Erfahrungen selten klug. Absichtliche Erfahrung führt zur Beobach,tung (s. d.) und zum Experimente. Das Vcrhältniß zwischen Erfahrungen und Gedankenund Begriffen bezeichnet Kant sehr treffend durch den Sah: Anschauungen ohne Begriffesind blind, Begriffe ohne Anschauungen sind leer. (S. Empirismu s.)
Erfindungen und Entdeckungen. Erfindung ist diejenige Thätigkeit des mensch-lichen Geistes, mittels deren er aus eine eigenthümliche Weise etwas bis dahin noch nichtVorhandenes hervorbringt. (S. Heuristik.) Sie zeigt sich in der Wissenschaft und in derKunst im weitern Sinne des Worts und unterscheidet sich von der Entdeckung wesentlichdarin, daß letztere nur das Auffindcn irgend eines Gegenstandes ist, welcher bereits in dersel-ben Gestalt längst vorhanden, aber noch unbekannt war. Erfindungen und Entdeckungensind oft Ergebnisse des Zufalls, ebenso oft aber auch die Frucht angestrengter Forschungenund geistreicher Beobachtungen. Das dem Menschen angeborene Schamgefühl lenkte ihnbald auf die Erfindung der Bekleidung; wenngleich anfangs nur aus Thierfellcn bestehend,wurden sie doch immer mehr durch das dem Menschen innewohnende Schönheitsgefühl ge-schmückt, und das Thierfcll machte bald, je mehr die Bevölkerung wuchs und die Wildnisse,der Aufenthalt der Thierc, gelichtet wurden, den wollenen und leinenen Geweben Platz.Nächst der Bekleidung war das Obdach eine Hanptsorgc der Menschen. Anfangs Höhlen,bewohner wurden sie später Nomaden und mußten sich bewegliche Höhlen bilden; so entstanddas Zelt und in Folge der Annahme fester Wohnsitze das Haus und der Tempel zur Ver-ehrung der Gottheit. Die Erde brachte nicht allenthalben freiwillig ihre Früchte den Menschendar, er sollte sie ihr abgcwinncn; so entstand der Ackerbau, cs mußten Werkzeuge erfundenwerden, um die Erde zu bearbeiten; Holz, zugehaucn und geschnitzt mit scharfen Steinen,bot nur kurze Dauer, man suchte ein festeres Material und fand das Eisen, und die Anwen-dung desselben brachte eine Epoche in der menschlichen Industrie hervor. Der Klang des Ei-sens, der Gesang der Vögel, der Wunsch, die menschliche Stimme auch noch mit andern Tö-nen zu begleiten, ließ die Musik erfinden, und schon früh entstanden Saiten - und Blase-instrumente. Aber auch Hader und Zwietracht schlichen sich unter die Menschen, und nichtblos auf die Beschäftigungen des Friedens sollte sich der menschliche Ersindungsgeist erstre-cken, es galt auch den heimischen Herd gegen Gewalt und Raub zu sichern, und man erfanddie Waffen zu Schuh und Trutz. So kettet sich Erfindung an Erfindung, Entdeckung anEntdeckung, hervorgcrufcn durch steigende Cultur, durch wachsende Bedürfnisse. An di«Stelle des Tauschhandels trat das Geld; die Schrift beförderte die Mittheilung, und wiedereine neue Epoche führte die Entdeckung des Magnets herbei, welche die Küsten- und Strom-schiffahrt in eine überseeische verwandelte und eine Menge von Entdeckungen herbeiführte.(S. W eltumsegler.) Die frühem Jahrhunderte liegen uns so fern, daß wir die hundertund aber hundert Erfindungen und Entdeckungen derselben, deren Nutzen wir thcilweise heutenoch genießen, während ein anderer Thcil in Folge der großen Wcltereigniffe untcrging, nichteinzeln erkennen können, sondern daß nur die epochemachenden, die Buchdruckerkunst(s. d.) und das Schießpulver (s. d.), wie Meteore oder Sonnen zu uns herüber leuchten.Vorzüglich reich aber waren an Erfindungen und Entdeckungen die letzte Hälfte des vergan-genen und das gegenwärtige Jahrhundert, und zum größten Theil sind diese von so unbe-rechenbarem Einflüsse auf t>as wissenschaftliche und technische Leben, daß wir jedenfalls anden Grenzen einer neuen Ära desselben stehen. Die Reihe eröffnen billig die Dampf-maschinen (s. d.), mit deren Vervollkommnung nicht allein eine gänzliche Umwandlungdes Fabrikenbetriebs und des Bergbaus, sondern auch die Anwendung der Eisenbahnen(s. d.) für den allgemeinen Gebrauch und die Dampfschiffahrt (s. d.) zusammenhängen,wie überhaupt die Entdeckungen der Naturwissenschaft über das Wesen und die Kraft derDämpfe auf fast alle technische Zweige mächtig eingcwirkt haben. (S. Damp f.) Im Ge-folge der großem Anwendung der Dampfkraft fanden sich viele Erfindungen, um sich gegenunregelmäßige Wirkungen des Dampfs zu sichern. Die Entdeckungen im Gebiete der Gaseführten auf die Erfindung der Gasbeleuchtung (s, d.), welche immer allgemeiner in Auf-nahme kommt, und unzählige ähnliche Erfindungen, z. B. daS Astral-, Sidcral- und Drum-mond'sche Licht, das tragbare Gaslicht und in neuerer Zeit die noch nicht ganz ausgebildeteAnwendung des elektromagnetischen Lichts ins Leben rief. Die neuem Entdeckungen in dee