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4 (1845) D bis Entern
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Englisches Theater

ihr Charakter war Unnatur, mochte es Schaugepränge oder schwarze Kunst, Geziertheit oderBlutgier sein. WaS ihm den Sieg gewann, war der unfehlbare Triumph der Natürlichkeit,deren Dichter er war. Ununterstützt von Interesse oder Leidenschaft haben seine Werke durchJahrhunderte alle Schattirungen des Geschmacks und alle Veränderungen der Sitten über-lebt; ein Geschlecht hat sie dem andern behändigt, jedes sie von dem andern empfangen, umihnen neue Kränze zu flechten, weil er die kühnste Phantasie hinübergetragen in das Reichder Natur und die Natur in die jenseit des Wirklichen liegenden Regionen der Phantasie,weil deshalb jedes seiner Dramen ein treuer Spiegel des Lebens, jede seiner Gestalten einzum Leben organisirtes Individuum und statt einer Einzelheit der Repräsentant einer Gat-tung,eine Uhr mit krystallenem Zifferblatt und Gehäuse ist, welche die Stunden richtigweist und zugleich das innere Getriebe wahrnehmen läßt, wodurch cs bewirkt wird". Wic-wol daher Shakspeare's Theaterstücke nach der üblichen Eintheilung Komödien, Historienund Tragödien heißen, so ist doch eigentlich kcins das Eine oder das Andere, und kann esnicht sein, weil jedes geformt und gemodelt ist nach den wirklichen Zuständen des Lebens undder Welt, wo Gutes und Böses, Freude und Leid sich in endlosen Abstufungen mischen.Demgemäß sind alle seine Stücke zwischen ernsten und heitern Charakteren gethcilt und jewie die Jntrigue sich abrollt, Ernst und Kummer, Frohsinn und Gelächter das Product.

Wie Shakspeare's Zeitgenossen, so blieb auch seinen Nachfolgern die Höhe, zu welcherer sich erhoben, unerreichbar. George Chapman, 1557 1634 , schrieb 17 Dramen, dar-unter nur eins, welches die andern überdauert hat, das LustspielDie Thränen der Witwe".Quantitativ günstiger steht das Verhältniß für Thom. Heywood, der unter Elisabeth gebo-ren, unter Karl I. starb. Von 220 seiner Stücke gibt eS noch 24 . Aber die Qualität ist Mit-telmäßigkeit, und der leichte Versbau ein geringer Ersatz für die schwache Erfindung. Schondaß Ben Johnson, 1574 1637 , von Shakspeare geschätzt war und daß sein erstes Lust-spiel,kvei-)' man in dis linmonr", und sein erstes Trauerspiel8tzjan»s" (deutsch von An-dreä, Erf. 1797 ) durch Shakspeare auf die Bühne gebracht wurden, ist ein herrliches Zcug-niß für ihn. Auch verdient außerdem sein<7atilina" Erwähnung. Dennoch war er keinDichter aus des Herzens reicher Fülle. Was seine Gelehrsamkeit ihm an die Hand gab, ver-arbeitete der berechnende Verstand, mit glücklicher», Erfolg im Lust- als im Trauerspiele;nur verwechselte er oft Satire mit Witz, ließ von seinem Wissen sich zur Breite verführenand beging in der Anlage Rcchnungsfehler, die der Verstand ohne die Phantasie nicht zu be-richtigen vermag. Reicher an dramatischem Talente und wirksamer im Effect waren Fran-cis Beaumont (s.d.), 1586 1615 , und John Fletcher, 1576 1625 . Jenererfand, Die-ser führte aus und wählte sich nach Jenes Tode Shirley zum Genossen. Die aus solcherVcr-bindung hervorgegangenen 50 Dramen, Lust-, Trauer- und Schauspiele, erwarben sich beider Masse des Volks eine Gunst, zu welcher Shakspeare's Dichtungen lange nicht hinan-reichten ; denn sie waren flacher und darum leichter zu fassen, und sinnlicher und deshalb mehrim Volksgeschmacke; doch ist der ihnen häufig gemachte Vorwurf frecher Schamlosigkeit wolzu hart. Daß sie wirklichen Werth haben, läßt sich schon deshalb nicht leugnen, weil mehrederselben, unwesentlich verändert, in der neuesten Zeit aufs neue Gunst gefunden haben.Bisher hat sich dies aber auf Lustspiele beschränkt, die allerdings, in einzelnen Partien vollHumor und Witz, gegen die Tragödien den Vorrang verdienen. Nicht so bei Phil. Mas-sing er (s. d.), der meist allein, doch auch in Verbindung mit Dekker, Rowley, Middletonzwar alle drei Arten Dramen schuf und mit Beifall auf die Bühne brachte, sich aber beson-ders im Trauerspiel auszeichnete. SeinDuke okMsn" hat schöne kräftige Stellen undvereint, was den vor ihm Genannten nur theilweise bald mehr bald weniger eigen ist, raschen,natürlichen Dialog mit einem im Ganzen gebildeten Stil, treffenden Bildern und ebensozierlicher als treuherziger Ausdrucksweise. So beneidenswerth reich war die engl. Bühne,als Stürme, stärker als menschliche Kraft und mächtiger als Menschenwitz, an EnglandsHorizonte heraufzogen und, sich entladend, auch die bretcrnen Gerüste der dramatischen Kunstzertrümmerten. Der im Frühling 1636 ausgebrochenen Pest folgten durch Karl's Unklug-hcit die Greuel des Bürgerkriegs. Unterm 2 . Scpt. 1642 gebot das Parlament, daß für dieDauer dieser trübsalvollcn Zeit alles Bühncnspicl im ganze» Königreiche aufhörcn solle,und schwerlich wird man im Hinblick auf die Geschichte jener trübsalvollen Zeit und die puri-