762 Englisches Theater
scheinen Tragödie, Historie und Komödie personificirt, jede den Vorrang und den Besitz derBühne fodernd. Aber die Kräfte Derer, die ihre Sache führten, waren sich ziemlich gleich;daher kein Sieg und keine Niederlage. Der Trotz des Lordmayor, Leicester's Schauspielernicht in der City spielen zu lassen und sein strenges Verbot alles Schauspielens überhaupthatte 1576—80 an der Grenze der City drei Theater ins Dasein gerufen, die ersten in Lon-don für dramatische Vorstellungen eigens eingerichteten Gebäude. Wie noch jetzt, so war Lon-don vom Anfänge an der Brennpunkt der theatralischen Kunst in England, und cs ist mit-hin die Geschichte der londoner Bühne die Geschichte der engl. Bühne. Die Königin Elisa-beth nahm 1583 zwölf Schauspieler ausschließend in ihre Dienste, als tke eineen's pla^ers,und cs wurde dadurch das Ansehen der Künstler und der Kunst gehoben. Wie nicht an gutenMimen, fehlte es nun auch nicht an guten Dramatikern. Christopher Marlow (s.d.)war derErste, welcher in seinen Dramen die reimloseJambe anwcndete, während bis dahin Prosa oderReime an der Tagesordnung gewesen. Er schrieb 1587 — 93 namentlich „Tsmkurlsine tke6rest", TrsgicsI kistor)' oktke like snd destk ot doctor ksustus", „Nsssscre st ksris",„äevv okNslts" und „stelle trnublegome reixn und Ismentskle destk okLdwsrd II". Vie-les darin war gut, aber auch viel Bombast und Possenreißer», weder Einheit des Orts nochEinheit der Zeit. Von Rob. Greene, der im Sept. 1592 starb, haben sich erhalten: „Tkebi-tor)' ok Orlsndo Ikurio8n, one ok tke 12 keers okKrsnce", „klonourskle kistor^ nsk°risr Lscon snd L'risr Longs^", „8cottisk kistor^ ok äsmes IV", „6eorge-s-6reen, tkekinner os W skssteld" und „Tke comicsl kistorx ns^si>kon5iis, King ok^rsgon". Er hatteim Allgemeinen lebhafte und graziöse Einfälle, aber die Erfindung ist arm, die Spracheleicht, die Jamben sind fließend, nur oft geschmacklos und pedantisch. Gleichzeitig lebte JohnLyly, 155-1 — 98, der Verfasser des „^lexsnder snd <7smpsspe", eines historischen, der„8sppko sndkkso", eines idyllischen, des „Lnd)-inion", eines mythologischen, und des„Notker vomkic", eines komischen Stücks. Er war geistreicher Gelehrter, aber Verstands-dichter; Gedanken und Sprache sind bei ihm gekünstelt; dennoch verdient er Beachtung,weil er der Erfinder eines bei aller Gemachtheit verfeinerten Stils war, weil seine zu Hofbe-lustigungen geschriebenen Dramen zur Bcurtheilung des damaligen Hofgeschmacks diene»,und weil er als fashionabler Dichter von bessern Köpfen nachgeahmt wurde. Ihn aus Eli-sabeth's Gunst zu verdrängen, dichtete George Peele, gest. 1598, „Tke srrsigninent ok?s-ris", und als ihm dieses nicht gelang, unter Anderm für die öffentliche Bühne „Tke Ksttleok^Icsrsr" und „Tsinous ckronicle ok k'dnsrd I", letzteres die erste ckronicle kistorv inreimlosen Jamben. Er bekundete darin elegante Phantasie, geschmackvollen Ausdruck undmelodischen Versbau; aber es fehlt ihm an originellem Talent und an den höher« Eigen-schaften der Erfindung. An Geschmack ihm nachstehend, an Kraft ihm überlegen war Thom.Kyd, der Verfasser des „deronime" und „lim gpsnisk trsged^", letztere unstreitig derzweiteTheil der erster« und beträchtlich besser. Auch er war nicht frei von Lächerlichkeiten und Wi-dersinn, doch zeigt er im Allgemeinen Gefühl und Interesse, Kraft und Kern. Mehr Dich-ter ist Thom. Lodge, >556—>616, dessen Schäferlieder und lyrische Gedichte >819 einerneuen Auflage gewürdigt wurden. Zu seinen besten Dramen gehört das historische „Tkevvonnds ok civil wsr, livel^ set kortk in tke tr»e trsgedies vkNsriussnd 8xI1s". Alle seinevorgenannten Zeitgenossen überragte Thom. Nash an Witz und Satire, nicht als Dichter.Sein spöttisches Stück „Tke isle ok dogs" brachte ihn ins Gefängniß ; sein vorzüglichstes,„Dido, gueen ok Osrtksgo", schrieb er mit Bcihülfe Marlow's. Endlich ist noch zu er-wähnen Henry Chettle, angeblich Verfasser von 38 Dramen, von welchen indeß nur vier sicherhalten haben und von denen überdies nur eins, „Hostinsn, or s revenge kor s kstker",ein Trauerspiel voll Blut und Mord, als echt sich Nachweisen läßt.
Dies die Bedeutendsten unter den unmittelbaren Vorgängern und Zeitgenossen Shak-speare's (s. d.), der zwar >586 oder >587 von Stratford am Avon nach London kam,aber nicht vor 1593 Originaldramen schrieb, sondern bis dahin neben seiner Schauspielcr-profession sich mit Umarbciten älterer dramatischer Dichtungen beschäftigte. Seine Stärkebewies er, daß er von der Flut, die ihn umwogte, sich nicht fortreißen ließ, und sein Verdienstum die engl. Bühne ist es, daß 'er sie von den Schlacken reinigte und den Läuterungsproceßdes Volksgeschmacks aus die rechte Bahn leitete Er fand eine Bühne und ein Drama, aber