Englische Sprache und Literatur 753
Staunten im Chinesischen; Colcbrooke, Carcy, Wilson, Haughton, Morton, Shakspcarr,Michael, Anderson, Campbell, Morris, Kennedy und Callaway im Sanskrit und in denind.Sprachen überhaupt. (S. Orientalische Literatur.) — Die durchaus praktischeRichtung des engl. Nationalcharakters gibt sich am meisten kund in der Bearbeitung der Phi-lo so p h i e, die ihrer Natur nach ohne beharrliche Vertiefung in die Welt der Gedanken zu kei-ner bedeutenden Höhe gelangen kann. Die wissenschaftliche Cultur, welche sich in England undSchottland auch nach dem Untergange der Cultur noch lange hielt, wurde im8.und9.Jahrh.durch König Alfred gefördert, und mehre berühmte Gelehrte am fränkischen Hofe, wieAlcuin(s. d.) und später Erigena (s. d.) Scotus, kamen aus England dahin. Auch in der scholastischenZeit zeichneten sich mehre Engländer als philosophische Theologen aus, so namentlich An-selm von Canterbury (s. d.), Nob. Pulleyn, Joh. von Salisbury, später Alexander»onHales (s. d.), Joh. Duns (s. d.) Scotus, Wilh. von Occam ss. d.), Joh. Buri-dan (s. d.) und der originelle Roger Baco (s. d.). Nach Wiederherstellung der classischcnStudien gabBacon (s. d.) von Verulam der wissenschaftlichen Forschung eine neue Rich-tung; er betrat die Bahn, welche nach ihm die Engländer fort und fort verfolgten. In Ox-ford herrschte noch Scholastik, in Cambridge Neuplatonismus; Thom. Eale verschmolz sie1677 mit Theologie und Henry More, gest. 1687, mit Kabbala; Neuplatoniker war Cud-worth (s. d.); Hobbes (s. d.) wendete sich besonders zu Staatsrecht und Politik und hatteAlgernon Sidney (s. d.) und Jam. Harrington (s. d.) zu Gegnern. Alles strebte nachEmpirismus, als L o ckc (s. d.) auftrat. Er gab den Forschungen über die letzten Gründeder menschlichen Erkenntniß unter seinen Landsleuten eine bestimmte Richtung, die den Sen-sualismus fester begründete und während des 18.Jahrh. dem Materialismus und Skepticis-mus Eingang bereitete, sodaß die von Locke's Schule und selbst von Newton in ihrer wissen-schaftlichen Würde verkannte Metaphysik völlig zurückgeseht wurde. Berkeley's (s. d.)Idealismus war eine vorübergehende Erscheinung. Dagegen suchten engl, und schot. Moral-philosophen und Theologen, z. B. Sam. Clarke (s. d.), Fr. Hutcheson, Ad. Smith, Rich.Price, Ad. Ferguson Religion und Sittenlehre gegen Materialismus und Freigeisterei zuretten. Gegen Hume's Skepticismus traten die Schotten J.Beattie, I. Oswald und Thom.Neid (s. d.) auf, der in seinem Versuche, die Gesetze des erkennenden Geistes zu erforschen,die Seelenthätigkeiten auf wenige, einfache, durch Thatsachen erkannte Gesetze zurückführt,deren Untersuchung in einer allgemeinen Thatsache endigt, die keine weitere Erörterung zu-läßt, als daß es eben unserer Natureinrichtung so gemäß ist, und der daher die letzten Gründeunsers Glaubens an das Dasein einer Außenwelt in einem instinctartigen Gemeinsinne findet.Alle spekulative Philosophen Englands sind zu einer der beiden von Locke und Neid ge-stifteten Schulen zu zählen. Das System des Letztem erhielt unter dem Namen der schot.Metaphysik, namentlich in Schottland, durch Dugald Stewart (s. d.) eine weitere Ver-breitung. Die engl. Metaphysiker folgten meist der Lehre des in Locke's Fußtapfen getrete-nen Ha rtley (s. d.). Kant's Lehre fand in England bis auf die neueste Zeit, wo 1838 die„Kritik der reinen Vernunft" von einem Ungenannten und 1836 die „Metaphysik der Sit-ten" von K. Semple ins Englische überseht worden ist, gar wenig Eingang; noch wenigerhaben die nachfolgenden spekulativen Systeme einen irgendwie bedeutenden Einfluß in Eng-land gewonnen. In der Moralphilosophie ging man in neuern Zeiten nicht auf die höchstenGründe der Sittlichkeit zurück, sondern hielt sich auch hier in dem psychologischen Ersahrungs-kreise, so namentlich Palcy, Gisborne, Abercrombie und Mackintosh. Die philosophischeGeschmackslehrc (pbilosopkz? ok critieism) verließ ebenfalls nicht diesen Kreis psychologischerUntersuchungen, weder bei Knight noch bei Alison und Beattie; nur Dugald Stewart gingauf tiefere Gründe ein. Von den Forschungen der Deutschen über Geschichte der Philosophieist durch die Übersetzungen von Tennemann's „Grundriß" und Nitter's „Geschichte der Phi-losophie" einige Kunde nach England gedrungen. — Noch weniger als in der Philosophiehaben sich engl. Gelehrte durch wissenschaftliche Arbeiten in der Th eologie in Masse aus-gezeichnet. Doch gibt es vortreffliche Predigtsammlungen, „Sermons", und zwar ältere vonTillotson (s. d.), Sherlock, Secker, Jortin, Sterne, White und Blair (s. d.), neuere vonHaverfield, Howel, Evans und Sewell. Bemerkung verdienen auch, schon um des Verfas-Conv.-Lex. Neunte Aufl. IV. 48