748 Englischer Schweiß Englische Sprache und Literatur ^
ncr, auch gewöhnlich als Reitpferde für Frauen und Kinder. Die meisten engl. Pferde wer- 'den verhältnißmäßig nach Frankreich ausgeführt; doch ist der Handel keineswegs bedeutend.
Englischer Schweiß nannte man eine Krankheit, die zuerst im I. 1485 in Eng-land nach der Schlacht bei Bosworth ausbrach und neben andern sehr bösartigen Sympto-men mit einem starken, die Kräfte raubenden Schweiße begann. Sie entschied sich meist ineinem bis zwei Tagen und ergriff hauptsächlich junge, starke Individuen aus den höhern Stän-den. Obschon sie an einem Orte nur sehr kurze Zeit, etwa eine biß zwei Wochen, austrat, ststürzte sie doch überall eine große Zahl Menschen, in einigen Städten die Hälfte, in andern 'ein Drittheil der Bewohner, ins Grab. Gelinde Beförderung des Schweißes und Erhebungder Kräfte schienen die einzigen Mittel zu sein, von denen sich ein guter Erfolg erwartenließ. Im I. 1506 und 1517 kehrte diese Epidemie wieder, blieb aber beide Male aus dieGrenzen Englands beschränkt, indem sie nicht einmal Irland und Schottland ergriff. Miterneuter Heftigkeit trat sie in England im I. 1528 auf und ging dann im folgenden Jahrenach Deutschland, Holland, Skandinavien und Polen über, wo sie ebenfalls überall vieleMenschen hinraffte. Zum letzten Male erschien sie 1551 in England. Die Ursachen, denendiese mörderische Krankheit ihre Entstehung verdankte, waren atmosphärischer und klimati-scher Natur. Vgl. Hecker, „Der englische Schweiß" sBerl. 183-1).
Englische Sprache und Literatur. Ehe die engl. Sprache wurde, was sieist, hatte sie Phasen zu durchlaufen, deren keine spurlos geblieben. Urbestandthcile des Alt-britannischen, Keltischen oder Galischen bilden noch gegenwärtig die unwesentlich unterschiede-nen Idiome, die von den Bewohnern des Fürstenthums.Wales und der Grafschaft Corn-wall, in den schot. Hochlanden und in einigen Theilcn Irlands geredet werden. Durch dieInvasion der Römer wurde die Ursprache nur insofern beeinträchtigt, als jene in die Ge-richtsverhandlungen wie ihr Recht, so ihre Sprache einführten. Dieses änderte sich mit derEinwanderung der Angelsachsen (s. d.) um -150, denn was das Englische vom Römi-schen noch hat, ist ihm später aus Frankreich angeflogen, das Alphabet und die Buchstabenabgerechnet, welche aus röm. Zeit datiren. Aber die Angelsachsen drängten Volk und Sprachein die Hochgebirge und machten ihre Sprache zum Landesgebrauch, die am durch Augu-stinus (s. d.) seit Ende des 6. Jahrh. eingeführten Christenthum eine Stühe fand. DasAngelsächsische wurde nun Kirchensprache, in ihr die Bibel übersetzt und nach dieser in denSchulen zu Westminstcr, Worcesier und Jork gelehrt. Die Einfälle der Dänen um 780brachten keine neue Sprache, nur neue, dem Angelsächsischen überdies verwandte Worte.Dann kamen im Z. 1066 Normannen und erhoben durch die Gewalt des Schwerts diefranz. Sprache zur Hof-, Gerichts - und Geschäftssprache; im Munde dcsVolks aberherrschtedas Angelsächsische fort. Nachdem während der folgenden drei Jahrhunderte beide Spra-chen zu der heutigen englischen verschmolzen waren und Eduard III., 1327—77, die letztere !zur Hof- und Landessprache erklärt hatte, zeigte sich der Triumph des Volks in der Über- !lcgenheit des angelsächs. Elements. Die Ausbildung der Sprache schritt rasch vorwärts; sie '
nahm, was sie brauchte und wo sie es fand. Für den Ausdruck neuer Ideen bereicherte sie >
sich aus Frankreich und Italien, in Kunst und Wissenschaft aus Griechenland, für Handelund Gewerbe aus allen Weltteilen. So wurde sie eine der reichsten Sprachen und durch ^Dichter und Redner, durch Schriftsteller und Künstler zugleich eine der gebildetsten unddurch die Kraft des engl. Nationalsinns eine der kräftigsten. Fast ebenso biegsam, obschonweniger universell als die griech. und deutsche, aber beiweitem einfacher in der Wortfügung,die leichteste im grammatischen Bau und wol die schwierigste in der Aussprache, hat sie zwarkein Anrecht auf besonder« Wohlklang, klingt jedoch gut, wenn sie richtig und mit Wahl gespro-chen wird. Das Richtige ist zugleich die Schriftsprache, und die reinste Mundart spricht manin London und Dublin. Von dieser gibt es indeß beinahe ebenso viele Abweichungen als engl,und irische Grafschaften, und überall ein Volkspatois. Außer eigenen, mitunter ganz angcl- isachs. Worten sprechen die Schotten breit; die Hauptvcrschiedenhcit aber zwischen dem nord-amerik. Englisch und dem des Mutterlandes beruht nicht allein in der minder zierlichen Aus-sprache, sondern in geradezu wider den Geist des Idioms verstoßenden Ausdrucksformen.
Nur in den wenigsten Fällen an die Entscheidung fester Regeln gebunden, schwankt die Aus-sprache sogar in London und Dublin und wechselt oft wie eine Mode. Es mag dann un-