Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
746
Einzelbild herunterladen
 

7-16 Englische Landwirthschaft

und Erbsen. Wicken werden nur zu Heu und Linsen in geringer Ausdehnung eingebaut.Unter den Futtergewächsen nimmt die Turnips die erste Stelle ein. In der Regel werdendie Lurnipsselder von den Schafen abgcwcidct. Von Kohlgewächscn baut man den yorkcr,den großen schottischen, den ochscnköpsigen und den Trommclkohl. Kartoffeln werden in zahl-losen Varietäten cuitivirt. Unter den Futterkräutern findet man vom Klee hauptsächlich zweiArten, den weißen und rothen. In neuerer Zeit ist dazu noch der Inkarnatklee gekommen.Unter den vielen Varietäten des Naigrases, dessen Anbau im Wechsel mit andern Früchtengeschieht, cultivirt man das jährige und das italienische. Esparsette wird vorzüglich in denKreidegegenden Englands angebaut, Luzerne ist erst in neuerer Zeit bekannt geworden. VonHandelsgcwächsen zieht man hauptsächlich Raps auf weichem Boden, namentlich in denMarschgcgenden von Essex, Cambridge, Huntingdon und Lincoln; Senf, Lein besonders imNorden Irlands; Hanf in den Niederungen von Cambridge, Huntingdon und Lincoln;Koriander, Kümmel und Weberkarden in Essex, Kcnt, Uork und Somerset; Canarien-samcn, Kamillen, Süßholz, Pfcffermünzc, Lavendel, Rhabarber, Angelika, Wermuth,Krapp, Waid namentlich in Aork, Lincoln und Somerset. Den berühmtesten Hopfen ziehtman in dem Wald von Kent und Sussex (goldspitzigcn Hopfen) und bei Surney (Farnham-hopfen). Außerdem'wird noch viel Hopfen in den Grafschaften Hereford und Worccster gebaut.Obstbau zur Cidcrbercitung wird nur in den südlichen und westlichen Grafschaften betrieben.

Die Viehzucht erstreckt sich auf Pferdezucht (s. Englische Pferde), Rind-, Schaf-,Schweine - und Geflügelzucht. Das Rindvieh wird im Sommer entweder auf der Weideoder mit Grünfutter auf dem Hofe und im Winter in Ställen oder in Schuppen undStrohhöfcn mit Heu, Stroh, Ölkuchen und Wurzelgewächsen erhalten. Landwirthe,welche natürliche Graswcidc minderer Güte besitzen, geben sich blos mit der Aufzucht desViehs ab. Andere, die gute Weideplätze und viele Wiesen haben, betreiben blos die Mä-stung des Rindviehs. Die Melkwirthschaft wird von Seiten der Grundbesitzer allgemein alsdie sicherste Bürgschaft für die pünktliche Abtragung der Pachtrente angesehen, was um sonatürlicher ist, da die Milchprodukte während der letzter« 50Jahre im Preise mehr gestiegensind als jeder andere Artikel. Zur Milchgewinnung ist am meisten geschätzt die alte yorkshirerNace, oder eine Kreuzung der Tccswater- mit der Holdcrneßrace. Die langhörnigen Na-cen sind mehr in Lancaster, Chester und den benachbarten Gegenden heimisch, desgleichenauch die ungchörnten Suffolks, die Devonshirer und die Glamorgangs, die sämmtlich fürgute Milchner gelten. Auf mäßiger Weide scheinen diese Race noch zu übertreffcn die Ayr-shirer. Die feinste Milch liefert die hochländische Kuh, während der aus einer Kreuzung derGloucestcr- und Alderneyrace mit einem Durhambullen hcrvorgegangene Schlag Milchliefert, die sich besonders zur Käsebereitung eignet. Die Kerrykuh gibt besonders butterreicheMilch. Ziemlich ausgedehnt wird das Mästen der Kälber betrieben. Noch wichtiger als dieNindvichzucht ist die Schafzucht. Die Anzahl sämmtlicher Schafe in Großbritannien be-läuft sich auf 32 Will. Die verschiedenen Landcsracen zerfallen in zwei Hauptabtheilungen,das Höhe- oder kurzwollige und das Niederungs- oder langwollige Schaf. Ehemals, wodie Wolle der Hauptzweck der Schafzucht war, wurden die Schafe selten vor ihrem fünf-ten Jahre geschlachtet, gegenwärtig aber, wo durch die sehr vermehrte Bevölkerung derBegehr nach gutem Hammelfleisch weit stärker geworden ist und man durch Verbesse-rung mancher Nace und durch die reichliche Turnipsfütterung die Thiere eher zur völli-gen Ausbildung bringen kann, gelangen sie schon mit dem zweiten Jahre auf den Markt.Die Schafwolle wird eingctheilt in Kamm- und Krempelwollc. Die kurze, vorzüglichzu gewalkten Fabrikaten taugliche Wolle hat in England in neuerer Zeit, seitdem vomContinent so viele vorzügliche Krempelwolle eingebracht wird, ungemein an Feinheit abge-nommen, während sich ihr Gewicht vermehrt hat. Bakewell (s.d.) war der Erste, derbei den Schafen eine zur Fleisch- und Fetterzeugung geeignete Gestalt herzustellen suchte,dabei aber die Beschaffenheit der Vließe fast gänzlich vernachlässigte. Vordem wurde dieWolle zu den feinsten Tüchern nur aus Spanien nach England gebracht, und dieser zunächstkam die von mehren engl, kurzwelligen Racen, besonders die Ryeland-, Dean-, Forest-,Mendir-, ILiltshirc-, Southdvwn- und Shetland-Vließe. Durch die verständige Kreuzungzwischen Merinostahren mit ausgewähltcn Müttern der genannten Racen, besonders mit