Englische Laudwirthschaft 745
schot. Wirthschaftssystem nach England zu verpflanzen, und es haben sich selbst schot. Pach-ter durch die nominell geringen Pachtgelder engl. Pachtungen verführen lassen, solche zuübernehmen; doch fanden sich dieselben, als ihnen die Zehnten, die Armen-, Kirchen- undGrafschaftssteuern abgesodert wurden und sic daneben erfahren mußten, wie viel höher Tage-lobn, Gcsindelohn und fast alle nothwendige Ausgaben in England seien als in Schott-land, sehr getäuscht. Außerdem verträgt sich das schot. System mit den so ganz verschiede-nen Gebräuchen und Einrichtungen Englands ebenso wenig, als sich schot. Pächter in dieArt und Weise der engl. Arbeiter finden können.
Die landwirthschaftlichen Gebäude sind in E. gewöhnlich an der östlichen, westlichenund nördlichen Seite eines länglichen Vierecks errichtet und letzteres ist in zwei umzäunteHöfe für das Vieh getheilt. Die Südseite hat in ihrer Fronte das Wohnhaus sammt denkleinern Wirthschastsgebäuden vor sich. Hinsichtlich des Düngerwescns herrschten unterden gewöhnlichen Farmern noch sehr falsche Ansichten. Unter sämmtlichen Düngerarrcn stehtder vegetabilisch-animalische oben an; als mineralisches Düngmittel benutzte man frühernamentlich die Kreide; gegenwärtig sehr häufig gebrannten Kalk, Muschelschalen, Mu-schelsand und den Mergel. Sehr gebräuchlich ist das Rascnbrennen und das Röstendes Thons. In großer Ausdehnung werden Knochenmehl, Ölkuchen,- Malzkeime, Torf,Seetang und wollene Lumpen zur Düngung angewendet. In der Entwässerung sinddie Briten Meister. Es kommt dazu ein eigenes, von Ellington erfundenes Systemin Anwendung, das sich auf richtige und vollkommene Anlage der Wasserabzüge, na-mentlich der läntlerckrains stützt. Bei Anfertigung derselben bedient man sich manches er-leichternden Instruments, z. B. des sogenannten Maulwurfspflugs. Ürbarmachun-gen sind im Laufe der Zeit sehr viel vorgekommen, und man beschäftigt sich noch fortwährenddamit. Sie erstrecken sich hauptsächlich auf die Cultivirung der Sümpfe und der Torf- undGrünlandsmoore. Immerwährendes Grasland kommt als Weide und Wiese vor. DieWeiden haben gewöhnlich einen minder kräftigen Boden und eine mehr hügelige Lage alsdie Wiesen; dennoch sind viele Weiden zum Viehmästen geeignet. Die Wiesen werdenhauptsächlich zum Heumachen benutzt und haben entweder eine so niedrige Lage und so kaltenfeuchten Boden, daß sie nicht zu Ackerland taugen, oder sie liegen in der Nähe großer Städte,wo das Heu innner ein sehr gesuchter Artikel ist, oder an Flüssen, die ihre Bewässerung ge-statten. Was die Ackerwerkzeuge anlangt, so stehen unter den verbesserten Pflügen dieSchwingpflüge obenan. Vorzugsweise in Gebrauch sind der Small'sche, der Imperial-, derDoppclfurchen-, der Schnitt-, Rajolpflug und der Rasenschneidcr. Von Eggen hat mangrößere und kleinere. Zur gründlichen Lockerung und Reinigung des Bodens hat man au-ßerdem noch Cultivatoren, Schnittpflüge, Schaufelpflüge, Exstirpatoren, Scarificatorcn,Tormentatoren und Grubbers. Unter den neuern Erfindungen dieser Art zeichnen sichbesonders aus die sich selbst reinigende Egge (seltclvaninj; barron). Die Walze wird in jederWirthschaft angetroffen. Meist ist sic ausHolz, zuweilen auch aus Granit gefertigt, auch be-steht sie in neuerer Zeit häufig in einem hohlen eisernen Cylinder. Säemaschinen von verschie-dener Construction, für die verschiedenen Samen eingerichtet, sind fast überall in Gebrauch.Die Ackerbestellung weicht in den verschiedenen Gegenden sehr voneinander ab. Jenachdem der Boden leichter abtrocknet oder länger Feuchtigkeit hält, wird er in schmale Beete(bitsnAon) oder in breite Beete gepflügt. Die Aussaat geschieht entweder breikwürfig oderin Reihen (Drillcultur). Letztere Methode hat im Süden Englands nur noch wenigEingang gefunden, während im Norden und in Schottland nur gedrillt wird. DasDibbeln oder Stecken der Körner findet besonders in Suffolk, Norfolk und einigenTheilen von Essex in leichtem Boden statt. Mit zwei nebeneinandergehendcn Pferden pflügtman nur aus leichtem Boden, wo ein leichter Pflug angewendet werden kann. Auf allenschweren Bodenarten dagegen ist noch immer der alte hartfordshirer Radpflug mit derCtr.schweren Pflugschar in Gebrauch. Mit Ochsen allein oder mit Ochsen und einem Pferdevoran wird nur in den Bergtheilen Westenglands gepflügt. Von den Halmfrüchten werdenbesonders angebaut Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Mais, Buchweizen und Hirsedienen fast nur als Hühnerfutter. Unter allen zu Brotkorn angebauten Halmfrüchten nimmtder Weizen den ersten Rang ein. Von den Hülsenfrüchten cultivirt man besonders Bohnen