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Englische Kunst
Bilder von Claude Lorrain und von Poussin so nachzuahmen, wie sie gegenwärtig, d.h. nach-dem sie 200 Jahre lang nachgedunkelt, aussehen, sodaß scineBildcr mit der Zeit ganz schwarzaussehen werden. Reynolds' Nachfolger als Präsident der Akademie war der nordamerik.Quäker Benj. West (s. d.), 1738 — 1820 , der zuerst als Historienmaler eigentliche Anerken-nung fand, obgleich ihm das höhere schöpferische Talent fehlte. Mehr noch als durch seineWerke nutzte er der engl. Kunst durch seine Fürsorge für das Gedeihen der Akademie undseine Thcilnahme an der Gründung der Lritisk Institution ; beide Anstalten haben durchihre Ausstellungen die Kunstliebe des engl. Publikums und den Wetteifer der Künstler aufausgezeichnete Weise gefördert. Seine Zeitgenossen Barry (s.d.), Opie, H. Fucßly, North-cote, Romney, Wright, Copley u. A. waren ihm weder an äußerm Glück noch an Studium,aber zum Theil an Wärme und Phantasie überlegen; die^gemcinsame Eigenschaft aller zu-letzt genannten Künstler ist Schwäche der Zeichnung und Übertreibung des Heroischen wiedes Sentimentalen; einen durchgehenden Schulcharakter aber tragen ihre Werke nicht.Fueßly war unstreitig der bedeutendste unter ihnen und hat durch seine Gespenstersccnen,darunter das berühmte „Alpdrücken", nicht wenig auf seine Zeitgenossen eingewirkt. Alsvorzüglicher Marinemaler zeichnete sich in dieser Zeit der in England ansässige PH. I. Lou -therbourg (s.d.), und als der Erste, welcher Scenen des niedern Lebens in der Art Te-niers' und Ostade's behandelte, G. Morland aus. Die Theilnahme des Publicums für dieHistorienmalerei wurde hauptsächlich durch die von John Boydell (s. d.) unternommeneShakspeare-Galerie und durch den Aufschwung der engl. Kupferstechkunst gefördert, da außerN. Strange, welcher nach ältern Meistern arbeitete, die vorzüglichsten engl. Künstler, wieBartolozzi (s. d.), Woollett, Sharp, Sherwin, Middiman, I. und C. Heath, Earlom,Fittler nach Gemälden engl. Maler arbeiteten. Freilich wurde durch die von Bartolozzi inEngland eingeführten punktirten Kupferstiche auch eine große Menge der schlechtesten Mach-werke verbreitet und der Geschmack des Publicums an die faden Darstellungen häuslicherund sentimentaler Scenen gewöhnt, welche leider auch nach Deutschland überfluteten. Bonder Mitte des 18. Jahrh. an nahm auch die Glasmalerei einen großen Aufschwung in Eng-land durch Jarvis und Eginton, ohne jedoch die vortrefflichen Farben der ältern Glasgemäldczu erreichen, welche man in mehren Kathedralen Englands bewundert. Auch die Panora-menmalerei wurde durch R. Barker, gcst. 1806 , cultivirt. Die David'sche Schule, welchevon Frankreich aus ihren Einfluß über fast ganz Europa verbreitete, hatte auf England denwenigsten Einfluß. Nur einzelne Künstler, wie Westall, fröhnten der Eleganz und dem Thea-tereffecte im historischen Fache; andere Neuere, wie Hilton Etty, Briggs, gingen einen freier»Weg, ohne jedoch Ausgezeichnetes zu leisten. Von lebendigerer und fruchtbarerer Phantasiewar Stothard. Haydon entsprach den großen Erwartungen nicht, die er erregte. Seit 1830erregte besonders John Martin Aufsehen durch seine kolossalen Compositionen,;. B. die Er-öffnung des siebenten Siegels, der Sturz Babels, die Sündflut, Belsazar's Fest, der letzteTag Pompejis u. s. w., welche insgesammt durch seltsame Großartigkeit und unerhörte Licht-cffecte vielös Aussehen erregten; dochhat sich diese Richtung mit ihren riesenhaften Architektur-massen, die sich überall wiederholen, und den unzähligen, um ihres kleinen Maßstabes willendes Ausdrucks unfähigen Figürchcn schon vollständig wieder überlebt. Martin's NachtreterDanby ist wenig bedeutend. Es fehlte der Historienmalerei fortdauernd fast gänzlich an Er-munterung durch öffentliche Werke; sie mußte sich nach den Bedürfnissen hauslicherBequcm-lichkeit oder nach den Launen der Besteller begrenzen. Die Kirche, welche einer erwachendenHistorienmalerei sonst die großartigste Beschäftigung zu geben berufen ist, lehnte in Englandseit der Reformation jegliche Verbindung mit der Kunst ab; vergebens hatten seit 1773mehre ausgezeichnete Künstler zur Ausschmückung der kahlen Paulskirche sich erboten. DieGeistlichkeit verbat sich Solches ausdrücklich.. Den Preis trug immer die Portraitmalereidavon, die in Sir Thom. Lawrence (s.d.), 1769 — 1830 , der nach West's Tode Prä-sident der Akademie war, einen geistreichen Vertreter fand. Zwar besaß er in noch höhermGrade als Reynolds das Talent naiver und geistreicher Auffassung; aber er übertrieb dasPrincip der Vernachlässigung aller Beiwerke bis zur äußersten Jncorrectheit und haschte meistzu sehr nach willkürlichem Effect ; seine nur anscheinend mühelose Manier erweckte eine Mengegeringerer Nachahmer. Nebenbuhler von ihm waren John Jackson und George Dawc.