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4 (1845) D bis Entern
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Englische Kunst

ginnen die Gelcnkenden der Knochen anzuschwellen, besonders die des Vorderarms, des Un-terschenkels und der Nippen; allmälig werden dann die übrigen Theile der Knochen weichund von den Muskeln, denen sie in diesem Zustande keinen Stützpunkt mehr bieten können,krumm gezogen. Gleichzeitig erkranken die Zähne, fallen aus und ersetzen sich nur langsamwieder. Im weitern Verlaufe steigern sich diese Symptome; die Knochen werden endlich,wenn weder die Natur noch die Kunst helfend einschreitcn, entzündet, geschwürig rmd bran-dig, und in Folge der durchgehenden Erschütterung und Erschöpfung des Organismus erfolgtder Tod durch Entkräftung, wenn nicht schon die durch die Knochcnverkrümmung bedingteBeeinträchtigung edlerer Organe, z. B. der Lungen, dem Leben früher cinEnde macht. DasEntstehen der Krankheit wird durch Erblichkeit, durch anhaltende Einwirkung einer naßkal-ten, feuchten, nebeligen Wirkerung und durch unzweckmäßige Lebensart begünstigt. Man fin-det sie hauptsächlich in nördlichen Ländern mit feuchter Atmosphäre, z. B. in England, Hol-land und Nordfrankrcich; gegen den Süden zu wird sie seltener, in den Tropenländern ver-schwindet sie ganz. Die Heilung ist vorzüglich von einer zweckmäßigem Lebensart, die Ver-dauung verbessernden Mitteln, denen sich einige Specifica anschließen, -stärkenden Bädernund dem fortschreitenden Alter zu erwarten, gelingt jedoch selten und nur, wenn die Krank-heit in ihren ersten Anfängen bekämpft wird, sodaß keine Spuren derselben Zurückbleiben.

Englische Kunst, Das in so mancher Hinsicht reich begabte England ist in Hinsichtauf die Kunst arm, und der göttliche Funke, der allein den höhern Künstler macht, scheintin dem feuchten brit. Klima verloschen zu sein. Kein engl. Bildhauer, Stein- oder Stempel-schneider, kein engl. Componist hat sich einen europ. Namen erworben. Vielleicht die bedeu-tendste unabhängigere Kunstlcistung Englands ist seine eigenthümliche Gestaltung der mit-telalterlichen Architektur, welche, obwol nicht zu ikrem Vortheile, von den in Deutsch-land und Frankreich üblichen Formen beträchtlich abweicht. Schon zur angelsächs. Zeit scheintin den Ornamenten, den Capitälen und Basen ein wunderlich verschlungenes, phantastischesGemisch von Schnörkeln und Thiergestalten geherrscht zu haben, wie sich aus Miniaturbil-dern jener Epoche schließen läßt. Ähnliches, doch gemäßigt und oft zur höchsten Schönheitdurchgearbeitet, findet sich allerdings später auch in Deutschland. Die normann. Invasionbrachte auch normann. Kunstübung über den Kanal. Aber fast möchte man glauben, dieEroberer seien auf dem neuen Boden einer gewissen Ausartung anheimgefallen; währenddie Bauten im Mutterlande meist einen grandiosen, freien, klaren Charakter tragen, sind diein England ausgeführten schwer und im Detail zu bunt und willkürlich. Noch deutlicherwird die Inferiorität Englands in der goth. Periode sichtbar, wo es sich klar beweisen läßt,daß dem damaligen Engländer wenigstens gewisse Seiten des Formgefühls völlig abgin-gen. In den Kirchen ist von dem reichen Polygonen Chorabschluß und Kapellenkranz derKathedralen des Continents nichts zu finde»; eine Hintere Kapelle mit einer geraden Hin-terwand und in dieser ein kolossales Fenster, das ist Alles. Das Eurtenwerk der Gewölbewird schon früh manierirt und wächst auf unbegreifliche Weise in heruntcrhängende Schluß-steine abwärts. Ornamente aller Ärt laufen filetartig über die Gewölbe, spitzenartig denBogen entlang, endlich in eintönig reicher Wiederholung um Portale und Fenster. Dennmit Ornamenten will es der Brite zwingen, um nur der Figurcnsculptur, in welcher er nichtsBedeutendes zu leisten vermag, zu entgehen. Betrachtet man einen solchen Dom von außen,so liegt die Vergleichung mit einer schön verzierten Bastei nicht fern. Dje engl. Kirchen sindniedrig, aber lang gestreckt, und haben drei oder wenigstens zwei Querschiffc. Über einemderselben steht der hohe Mittelthurm, meist gleich der Kirche selbst mit einem Zinnenkränzeversehen, was das castellartige Äussehen bewirkt. Neben ihm spielen die Thürme der Vor-derseite, wo solche vorhanden sind, eine unbedeutende Nolle. Sämmtlichen engl. Thürmenfehlt die Verwandlung des Vierecks ins Achteck, welche an guten deutschen Kirchthürmen sobedeutsam wirkt. Wo dann noch ein Helm folgt, könnte er ebenso gut auch wegblciben.Doch haben die engl. Kirchen den großen Vorzug vor den deutschen, daß sie vollendet zu seinpflegen; denn so mäßige, meist niedrige Gebäude ließen sich schon vollenden, zumal da dieBorderthürme nicht Geld und Kräfte zum voraus aufsogen, wie dies in Deutschland mehr-fach geschah. Wahrhaft vollkommen in ihrer Art ist dagegen die engl. Schloßbaukunst, die