548 Dyk
Ölberge und die Gemahlin des Rubens für seinen Lehrer, wofür ihm dieser ein herrlichesweißes Roß schenkte. Wenig Meilen von Brüssel, in dem Dorfe Savelthem, ließ sich D.durch die Liebe für ein Bauermädchen so fesseln, daß er geraume Zeit daselbst verweilte undzwei Altargemälde für die Dorfkirche ausführte, auf deren einem seine Geliebte als Madonnadargestellt ist, und auf dem andern er selber als heil. Martin auf dem Rosse des Rubens.Als Rubens sein Verweilen daselbst erfuhr, bot er Alles auf, um durch einen kunsterfahrcnenItaliener, den Ritter Nanni, Ruhmsucht und Kunsteifcr wieder in des Jünglings Seele zuentflammen. Endlich gelang auch dieses und von Nanni begleitet, eilte nun D. nach Vene-dig. Hier bildete er sich besonders nach Tizian und Paul Veronese und eignete sich die Glutund den Schmelz ihres Colorits an. Als sein Reisegeld ziemlich aufgegangcn war, ging ernach Genua, wo er viele Portraits zu malen bekam und sich große Summen erwarb. So-dann unternahm er die Reise nach Rom, wo der Cardinal Guido Bentivoglio sein Beschützerwurde, dessen Portrait er ausgezeichnet schön malte. Dies und die Portraits des dort leben-den Engländers Robert Sherley und seiner Gattin machten bald so großes Aufsehen, daß derandern Künstler Neid ihn bewog, nach Genua zurückzukehren, wo er wieder viele Portraitsund historische Gemälde ausführte und sich Tizian's großen Stil immer mehr aneignete.Hierauf besuchte er Florenz, Turin und Sicilien, wo er ebenfalls Vieles arbeitete. Als diePest ihn vertrieb, ging er wieder nach Genua, wo er das berühmte Altarblatt für Palermobeendete. Nachdem so sein Ruf durch ganz Italien verbreitet war, kehrte er in sein Vaterlandzurück. Hier führte er viele große historische Gemälde und Altarblätter aus, unter welchenletztem besonders der heil. Augustin in Antwerpen und die Kreuzigung in Courtray berühmtsind. Man erzählt, daß Rubens ihm seine älteste Tochter zur Gattin angeboren habe, daß aberD. sie ausschlug, weil seine frühere Liebe für deren Mutter, Helena, die zweite Gemahlin Ru-bens', noch nicht ganz erloschen war. Um seinen Neidern zu entgehen, folgte er den Einladun-gen des Prinzen von Oranien, Friedrich's von Nassau, an seinen Hof nach dem Haag zukommen. Hier malte er den Prinzen, dessen Gemahlin und Kinder, und diese Bildnisse wurdenso bewundert, daß bald fast alle Fürsten und Reichen von D. gemalt sein wollten. Späterreiste er nach London und Paris, doch kehrte er bald nach Antwerpen zurück. Ein Crucifirund eine Geburt Christi, die er für Dendermonde malte, gehören zu seinen schönsten Werken.Sein Ruhm wuchs inzwischen so, daß man in England cs sehr bereute, ihn nicht mit mehrAchtung ausgenommen zu haben. Daher ließ König Karl l. ihn entladen; doch D. würdenie dahin zurückgckehrt sein, wenn nicht sein Freund Digby ihn dazu überredet hätte. Dieserstellte ihn bei seiner Ankunft dem Könige vor, der ihm eine goldene Kette nebst seinem reichmit Diamanten eingefaßten Bilde umhing, ihm den Bathorden ertheilte, ein ansehnlichesJahrgehalt aussetzte und eine Sommer- und eine Winterwohnung einräumte. D. vergaltdiese Güte durch rastlosen Fleiß; er bereicherte England mit seinen Meisterwerken und führteaußer einer Menge Portraits viele mythologische und historische Gemälde aus. Seine Pracht-liebe zeigte sich in dem überaus glänzenden Hause, welches er machte; seine Feste, an denenFürsten und Damen ersten Ranges Theil nahmen, übertrafen alle andere an Glanz undSin-nigkeit, und die ersten Tonkünstler und Mimen wetteiferten, sie durch ihre Talente zu ver-schönern. Überdies hielt er sich eine Anzahl schöner Mädchen, von denen er die Modelle zuseinen historischen Gemälden entnahm. So verschwendete er sein Vermögen, seine Kräfte undfeine Gesundheit; doch würde sein reicher Kunsterwerb ihm das erstere ersetzt haben, wenn ersich nicht in das Studium der Alchemie vertieft hätte. Der Herzog von Buckingham suchteihn auf andere Wege zu bringen und ihm neuen Lebensmuth zu geben, indem er ihn mit derwunderschönen Maria Ruthven, der Tochter des schott. Grafen von Gore, vermählte. D.besuchte mit ihr seine Vaterstadt und ging von da nach Paris, wo er die Galerie des Louvrezu malen wünschte. Da aber Poussin diesen Auftrag schon hatte, kehrte er sofort nach Eng-land zurück. Bereits krank und erschöpft schlug er dem Könige den Plan zu einer Tapeten-malerei vor, wo die merkwürdigsten engl. Feste und Prachtzüge abgebildet werden sollten,und erbot sich, die Cartons dazu zu fertigen. Doch ehe solches zur Ausführung kam, ereilteihn 1641 der Tod. Er wurde feierlich in der St.-Paulskirche begraben; seine Grabschriftverfaßte der Dichter Cowley. Die vorzüglichsten Galerien besitzen Gemälde von ihm; seinePortraits zeichnen sich durch ungemeine Wahrheit und Natur, leichte treffliche Behandlung