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4 (1845) D bis Entern
Entstehung
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Dux 545

in seinen 10. Jahre verwaist und noch nicht 14 Jahre alt Dienstlostgkeit halber aus seinenGeburtsorte getrieben. Hungernd, bald auch von den Blattern befallen, irrte er in demschrecklichen Winter von 1709 auf offenem Felde umher, bis der Bewohner einer Einsiedelei,in die er kam, ihn aufnahm. Er theilte dessen Lebensweise und Geschäfte, ward durch ihnfromm, ohne abergläubisch zu sein, und lernte von ihm lesen. Hierauf trat er zu St.-Annebei Luneville in den Dienst von vier unwissenden Eremiten, die ihm ihre sechs Kühe zur Hutübergaben. Einige Bände derBlauen Bibliothek" waren seine Lecture, zugleich lernte erhier ohne alle Anweisung schreiben, und ein Abriß der Arithmetik, der in seine Hände fiel,leitete ihn zuerst auf ernstere Studien. In der Stille eines Waldes erhielt er die ersten Ideenvon Astronomie und Geographie; einige Karten, ein Stück Rohr als Tubus, auf einer Eichebefestigt, war das ganze Lehrgeräth des wißbegierigen Knaben. Um sich Geld zu Büchernzu verschaffen, machte er Jagd auf die Thierc des Waldes, und der Verkauf seiner Beuteverschaffte ihm nach einigen Monaten ein kleines Vermögen von 40 Thalern. Er fand eingoldenes gestochenes Petschaft und ließ den Fund durch den Prediger bekannt machen. EinEngländer, Namens Förster, meldete sich als Eigenthümer, erhielt dasselbe jedoch nur unterder Bedingung zurück, daß er D. das Wappen genau erklärte. Erstaunt belohnte Försterihn so reichlich, daß seine nach und nach aus seinem Jagdgewinn angeschaffte Bibliothek bisauf 200 Bände sich vermehrte, indem er auf sein Außeres auch nicht das Mindeste verwen-dete. Die Studien entfremdeten ihn freilich seiner Heerde, worüber die Eremiten unwilligwurden. Ja einer derselben drohte ihm sogar mit dem Verbrennen seiner Bücher. Dies em-pörte D.'s Gemüth. Er ergriff eine Feuerschaufel, trieb damit den Bruder aus seiner eigenenWohnung und schloß sich in dieselbe ein. Auch den andern Brüdern öffnete er nicht eherdie Thür, als bis sie mit ihm eine förmliche Capitulation gerichtlich abgeschlossen hatten,worin sie ihm völliges Vergessen alles Vorgefallenen geloben und täglich zwei Stunden zumStudiren zugestchen mußten, er selbst aber für Kleidung und Kost ihnen noch zehn Jahre zudienen versprach. Eifriger als je setzte er nun seinen Selbstunterricht in dem Schatten desWaldes fort, wo seine Kühe weideten. So von seinen Landkarten umgeben fanden ihn einstdie jungen Prinzen von Lothringen. Man machte ihm den Vorschlag, seine Studien bei denJesuiten zu Pont-ä-Mousson fortzusetzen; aber er nahm das Anerbieten nur unter der Be-dingung an, daß seine Freiheit dadurch nicht beschränkt würde. In kurzer Zeit machte er soreißende Fortschritte, daß der Herzog Leopold 1718 ihn mit sich nach Paris nahm, neugierigauf den Eindruck, den diese neue Welt auf ihn machen würde. Doch D. äußerte mit Frei-müthigkeit, daß alle Pracht der Hauptstadt, selbst der Glanz ihrer Opern, weit hinter derMajestät des Auf- und Untergangs der Sonne zurückblicbe. Nach seiner Rückkehr ernannteihn Leopold zu seinem Bibliothekar und zum Professor der Geschichte auf der Ritter-Akade-mie zu Luneville. Diese Stelle und der Unterricht, den er dort studirenden Engländern, unterwelchen sich auch der später so berühmte Lord Chatham befand, ertheilte, verschaffte ihm dieMittel, seine alte Einsiedelei von St.-Anne neu aufbauen zu lassen. Als Lothringen anFrankreich abgetreten worden war, ging er mit der dorthin geschafften herzoglichen Bibliotheknach Florenz, wo er zehn Jahre wohnte. Kaiser Franz rief ihn als Vorsteher der Münz -und Medaillensammlung nach Wien, wo er am 13 . Sept. 1775 starb. Bei aller Gelehrsam-keit war D. äußerst bescheiden. SeineOeuvres" mit einer Biographie wurden von Koch(2 Bde-, Petersb. und Strasb. 1784 , 4 .) herausgegeben. Vgl. Kaiser,Leben D.'s" (2Aust., Nürnb. 1788 ), zum Theil aus D.'s eigener Handschrift bearbeitet.

Dux, eine herrschaftliche Stadt im lcitmcritzer Kreise des Königreichs Böhmen mitetwa 1200 E-, in einer fruchtbaren und schönen Ebene eine Stunde von Teplitz, ist besondersberühmt wegen des dasigen, dem Grafen von Waldstein gehörigen Schlosses, das mit einemweitläufigen englischen Park und reizenden Anlagen geschmückt ist. Dasselbe enthält eineansehnliche Bibliothek, bei welcher der bekannte Casanova deSeingalt (s. d.)in seinenletzten Jahren angestcllt war, eine Gemäldegalerie und Waffensammlung, ein Kunst- undNaturaliencabinet. In einem der Höfe befindet sich ein schönes Bassin, welches Albrechtvon Waldstcin, Herzog von Friedland, aus Kanonen gießen ließ, die er 1632 den Schwedenbei Nürnberg abgenommen hatte. Auch erinnern an diesen manche andere Sehenswürdig-keiten des Schlosses. Namentlich wird D. von Teplitz auS sehr häufig besucht.

Conv.-Lex, Neunte Ausl. IV.

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