542 Duttlinger
welche den fcingebildeten Weltmann beurkunden, berühmter Franzose, geb. zu Tours in einerprotestantischen Familie am l 5. Jan. 173», schrieb noch als Jüngling das Trauerspiel „I.aretour tl'Olzsse ü Itl>u»ine", welches ihn zur Überzeugung brachte, daß er nicht zum Dichtergeboren war. Als eine seiner Schwestern auf Befehl des Erzbischofs von Tours in ein Klo-ster gebracht worden war, verließ er Frankreich und ging nach England. Hier empfahl ihnBetty Pitt an ihren Bruder, den großen Chatham, allein es fand sich keine Beschäftigungfür ihn, sodaß er nach Frankreich zurückkehren mußte. Neue Aussichten vcranlaßten ihn je-doch, wieder nach London zu gehen, wo er Lehrer im Hause eines reichen und wissenschaftlichgebildeten Engländers wurde, der, als er merkte, daß D. gründliche Kenntnisse vermissen ließ,dessen Lehrer ward. Schnell hintereinander lernte nun D. mehre lebende und todte Spra-chen. Nach dem Tode seines Zöglings übernahm er den Unterricht der taubstummen Schwe-ster desselben, verließ jedoch, als das Mädchen sich in ihn verliebte, aus Pflichtgefühl dasHaus ihres Vaters. Bald nachher begleitete er den brit. Gesandten Lord Mackenzie als Se-cretair nach Turin, wo er nach des Lords Abreise bis >762 als Geschäftsträger blieb. NachEngland zurückgekchrt, erhielt er durch des Lords Vermittelung eine ansehnliche Pension.Später übernahm er wieder die gesandtschaftlichcn Geschäfte in Turin, bis eine reiche Pfründe,die ihm der Herzog von Northumberland verschaffte, ihn nach England zurückführte. Seit-dem machte er mehre Reisen durch den größten Theil von Europa und auf diesen Bekannt-schaft mit den meisten europ. Gelehrten. Er starb als brit. Historiograph und als Mitgliedder Akademie der Wissenschaften zu London und der der Jnscriptionen zu Paris am 23. Mai1812 zu London. Die von ihm hinterlassencn Werke beweisen feiste Vielseitigkeit. Er un-ternahm die erste und bis jetzt immer noch umfassendste, wenn auch bciwcitcm nicht vollstän-dige Ausgabe von Leibnitz's Werken (6 Bde., Genf 1769, a.). In seinen „Uecker cbes s»rI'origine »es rlecouvertes sttrikuees ,-rux moclerires" (2 Bde., >766 und öfter) stellte er dasWissen und Erfinden der Alten beiweitem zu hoch. Sein ,,'l'ocsin" (Rom 1769), der dannunter dem Titel „^ppel su Kon svns" (Lond. >777) erschien, enthält scharfe Ausfälle gegenVoltaire und Rousseau, wie er überhaupt ein Gegner der reformirenden Philosophie warHistorisches Interesse hat seine „blistoire <Ie ce «zur s'est passe pnnr leretaklissementrl'uneregence en ^.ngleterro" (Lond. >789). Auch schrieb ec mehre sehr tüchtige AbhandlungenÜber Numismatik U. s. W. In seinen „doiisiclerations tlieologikpres s»r les mozens clsrennir toirtes les eglises ckretiennes" (2. Aust., Par. >798) schlug er vor, ein Cvnciliumsollte eine allgemeine Concordicnformel nach den Beschlüssen der Kicchenversammlungender ersten sechs Jahrhunderte aussprechen, und dieser die gesamnUe Christenheit als Glau-bcnsformel ihre Zustimmung ertheilen. Seine Belesenheit in den Romanen beweist seine,,'Uskle genektloAnpre ctes keros sie romcrn". Allgemeinen Beifall fanden die „i>leinoiresü'nn vozageur cprr se repose" (3 Bde., Par. >866 ; deutsch, 2 Bde., Amst. >868). Einfrüheres ähnliches Werk war interessanter für die skandalöse Chronik bedeutender Männerseiner Zeit; er fand aber für gut, die ganze Auflage, ehe sie sich verbreitete, vernichten zulassen, und erreichte seinen Zweck.
Duttlinger (Joh. Georg), bekannt insbesondere durch seine Wirksamkeit in der bad.Ständeversammlung, geb. am >3. Apr. >788 zu Lembach bei Stichlingen aufdcm Schwarz-walde, wurde zuerst in dem ehemaligen Rcichsstiste Sanct-Blasicn, dann auf den Universi-täten zu Freiburg und Heidelberg gebildet. Nach einer Reise ins Innere Frankreichs, um dieVerfassung und Praxis der franz. Gerichte durch eigene Anschauung kennen zu lernen, trater in die praktische Laufbahn ein, zuerst als Praktikant beim Criminalamte zu Emmerdin-gen und hernach > 815 als Advocat bei dem Hofgerichte zu Mörsburg. Im I. >817 wurdeer Privatdoccnt an der Universität zu Freiburg und im folgenden Jahre außerordentlicherund > 820 ordentlicher Professor. Seit Einführung der Constitution in Baden war er fort-während Abgeordneter. In der ersten Ständeversammlung von >819 sowie in der von >82»versah er, als jüngstes Mitglied der Kammer, die Stelle des ersten Sccrctairs und nahm alsRedner thätigen Antheil an jenen die ersten Spuren einer beginnenden constitutionellen Ent-wickelung in Deutschland bezeichnenden Verhandlungen. Unter den Deputieren, welche inFolge ihres bei dieser Gelegenheit erlangten politischen Nuss auch die Negierung auszuzeich-nen suchte, wax D., der > 82 > mit dem Chaxaktex eines Hofraths bekleidet wurde. Den Ruf