Dupuytren 529
kanntschaft mit Lalandc, der ihn seiner Lieblingswiffenschaft, der Mathematik und Astrono-mie, wieder zuführte, kam er auf den Gedanken, die alten Mythen durch die Astronomie zuerklären, und dieses Verfahren wandte er allmälig auf die ganze Theologie der Alten an. Erbegann zuerst mit dem Thierkreise von D e n d e r a h (s. d.) und wies nach, daß derselbe einstder astronomische und landwirthschastliche Kalender der Völker Oberägyptcns gewesen sei.Nach mehren Mittheilungen im „äouriml <los savsnts" erschien von ihm die ,Memoire snrI'origins 6es constellutions et sur I'expücstion eis laksble psr Gastronomie" (Par. I78l).Hierauf wurde er Professor der Bercdtsamkeit am College de France, 1786 Mitglied derAkademie der Inschriften und bald darauf Mitglied der Commisston für den öffentlichen Un-terricht. Wiewol er den Stürmen der Revolution auswich, mußte ek doch in den Convent,dann in den Rath der Fünfhundert und nach dem 18. Brumaire in den Gesetzgebenden Kör-per eintreten. Er gewann in dieser öffentlichen Laufbahn die allgemeine Achtung mehr durchseine rechtschaffene und gemäßigte Gesinnung als durch politische Thätigkeit. Als ausgezeich-neter Gelehrter ward er in das Nationalinstitut berufen. Sein großes Werk, in welchem ernach sechzehnjähriger Arbeit der Welt seine wissenschaftlichen Forschungen milthcilen wollte,wagte er längere Zeit nicht erscheinen zu lassen, weil er namentlich die Angriffe frommerEiferer fürchtete. Endlich ward es auf Veranlassung des Clubs der Cordeliers gedruckt underschien unter dem Titel „Ori^iae <is tous les cultes on religion universelle" (12 Bde.,Par. 1794, mit Atlas). Auf solche Weise wurde das rein wissenschaftliche Buch zur Par-teisache; man übersah in der leidenschaftlichen Kritik, in die sich das ganze gelehrte Europaergoß, wie viel der Verfasser, ungeachtet seines einseitigen astronomischen Standpunkts, durchScharfsinn und Gelehrsamkeit für die Aufklärung des alten Mythus gethan hatte. Nichtminder Aufsehen erregten seine Denkschriften über den Ursprung und Verbreitung der Pe-lasger und den Thierkreis von Denderah. In seinem letzten Werke ,Memoire explicatikeinrolimque clironoloFitjiie et mMiologicpie" (Par. 1806) suchte er die Einheit.der astrono-mischen und religiösen Mythen aller alten Völker zu beweisen. Auch hat D. das Verdienst,daß er 1788 die Telegraphen erfand, dieChappe dann verbesserte. Er starb auf seinem Land-gute bei Dijon am 29. Sept. 1809.
Dupuytren (Guillaume, Baron), der berühmteste Wundarzt und Anatom seinerZeit, geb. am 3. Oct. 1777 zu Pierre-Buffiere in Haute-Vienne, studirtc von 1789 an inParis und wurde schon 1795 durch Vermittelung des Arztes Thurot, an dem er einen gro-ßen Gönner hatte, Prosector bei der medicinischen Facultät zu Montpellier. Im I. 1801erhielt er die Stelle als Oberaufseher der anatomischen Arbeiten in Paris, wurde 1803 zwei-ter Wundarzt am Hötel-Dieu und 1815 erster Wundarzt an diesem Institute. Im Ji 1813hatte er die Professur der Chirurgie an der medicinischen Facultät erhalten, die 1818 in einklinisches Lehramt am Hötel-Dieu verwandelt wurde. Gleichzeitig nahm ihn die Akademieals Mitglied auf. Bei Gelegenheit der Ermordung des Herzogs von Bern lernte ihn derKönig kennen und ernannte ihn 1823 zu seinem ersten Leibchirurgus, was er auch unterKarl X. blieb. Seine Wirksamkeit wurde 1833 durch einen Schlagfluß mit zurückbleibenderGesichtslähmung unterbrochen. Zur Wiederherstellung seiner Gesundheit reiste er im folgen-den Jahre nach Italien. Er starb zu Paris am 8. Febr. 1835. D. besaß einen außeror-dentlichen Scharfsinn in Stellung der Diagnosen, welche durch seine kühnen und mit über-aus großer Gewandtheit ausgeführten Operationen gerechtfertigt wurden, und eine uner-schütterliche Ruhe, die auch den gefährlichsten und drohendsten Zufällen bei Operationen wi-derstand: Er ist der Erfinder mehrer Operationsmcthoden und Instrumente; auch machteer einige Entdeckungen in der pathologischen Anatomie. Durch' seine äußerliche Persönlich-keit sowol als durch sein geistiges Übergewicht übte er eine unumschränkte Herrschaft überseine Kranken und seine Schüler aus, obgleich er als Mensch von Schwächen nicht frei war,die oft seinen Charakter in einem zweideutigen Lichte erscheinen ließen. Obschon durch allemögliche Ehrenbezeigungen ausgezeichnet, war sein Leben doch vielfach unangenehm be-wegt. Seiner einzigen Tochter, die mit dem Pair, Grafen von Beaumonk, vermählt ist, hin-terließ er ein Vermögen von 8 Mill. Francs. Als Schriftsteller war D. zwar fruchtbar,doch hat er kein umfassendes Werk hinterlassen. Seine Schriften betreffen einzelne Gegen-Conv.-Lex. Neunte Aufl. IV. 34