528 Dupont (Pierre Sam.) Dupuis
karnmer, in der er mit einigen Unterbrechungen seinen Platz bis zur Julirevolution behaup-tete und besonders in den ersten Jahren der Restauration in militairischen Angelegenheitendas Wort ergriff. Alters halber ward er 1835 in Ruhestand verseht und starb 1840 zu Paris.
Dupont (Pierre Sam.), genannt de Nemours, bekannt als Ökonomist und Phi-lanthrop, wurde 1739 zu Paris geboren. Nach gründlichen klassischen Studien wendete ersich, durch die Lage Frankreichs unter Ludwig XV. angeregt, zur Nationalökonomie und wurdeAnhänger der ökonomistisch-philanthropischen Schule, die Quesnay um sich gebildet hatte,und zu der die besten Köpfe gehörten. Der Ansicht des Meisters hingegeben, daß die Acker-bauer allein die wahrhaft producirende Classe im Staate bilden, redigirte er in diesem Sinnedas Blatt „I>es epbemerickes <lu cito^sn". Systematisch setzte er seine Ansichten auseinan-der in der Schrift „kkMvcrntie, ou Constitution naturelle cku gouvernement le plusavanta<;eux au genrs liuwaine, recueil cke traites <Iu tznesna^" (2 Bde., Par. 1768).
Von der Regierung seiner Thätigkeit wegen verfolgt, mußte er auswandern und kehrte erst,alle ehrenvolle Anerbietungen fremder Monarchen ablehnend, nach Frankreich zurück, alssein Freund Turgot unter Ludwig XVI. Finanzminister wurde, den er in einer untergeordne-ten Stellung unterstützte. Der Sturz Turgot's entfernte ihn ebenfalls von den Geschäften,und er lebte nun ganz wieder den Wissenschaften, bis ihm durch Vergennes der Auftragwurde, mit dem engl. Commissar Hutton den Vertrag über die Unabhängigkeitserklärungder nordamerik. Freistaaten vom J. 1783, sowie über einen Handelsvertrag mit Englandzu unterhandeln. Unter Calonne erhielt er das Amt eines Staatsraths. Bei Eröffnung derGeneralstaaten ward er deren Secretair, und für den Amtsbezirk von Nemours trat er dannin die Nationalversammlung, in der er sich ganz besonders der Finanzsache annahm. DieAnsicht, daß das Geld als Waare einen materiellen Werth haben müsse, verwickelte ihn mitDenen, welche für Creirung deS Papiergelds zur Verbesserung der Übeln Staatslage stimm- >ten, in und außer der Versammlung in die heftigsten und drohendsten Streitigkeiten. Nachdem Schluffe der Sitzung kaufte er eine Druckerei und gab ein Blatt heraus, das den brau-senden Strom der Revolution hemmen sollte. Deshalb als royalistischer Reactionair ange- >
sehen, mußte er sich nach den Ereignissen im Aug. 1792 auf dem Lande verbergen, wo er ^
seine „ktlilosopliie cke I'univers" (3. Aust., Par. 1799) schrieb, eine Schrift, in der er das sitt-liche Verhältniß aller Wesen untereinander festzustellen suchte und die Liebe für das Princip desDaseins erklärte. Sein Aufenthalt wurde aber entdeckt, und nur durch den Fall Nobespier-re's entging er dem Schafot. Ein Jahr später trat er in den Rath der Alten und benahmsich daselbst sowie in seinem Blatte „Historien" so heftig gegen die demokratische Partei, daßer nach den Ereignissen des 18. Fructidor mit seiner Familie in den nordamerik. Freistaatenein Asyl suchen mußte. Zu Neuyork beschäftigte er sich nun mit der Landwirthschaft, schriebfür das Nationalinstitut, dessen Mitglied er geblieben, eine Reihe nationalökonomischer undphysikalischer Denkschriften und unterstützte mit Rathschlägen die nordamerik. Regierung,bis ihn die Revolution vom 18. Brumaire noch einmal in sein Vaterland zurückführte.
Jede Staatsanstellung zurückweisend, stellte er sich hier an die Spitze mehrer gemeinnützigenAnstalten, übernahm das Directorium der Bank der Handelskammer und lebte dabei eifrig jeiner wissenschaftlichen Thätigkeit. Im 1.18l 4 wurde er zum Secretair der provisorischen ^Negierung und darauf von Ludwig XVIII. zum Staatsrath ernannt. Bei der RückkehrNapoleon's hielt er es für gerathen, nach Amerika zurückzukehren, wo er sich unausgesetztmit seinen Söhnen der Leitung großer industrieller Unternehmungen widmete, die sie an demDelaware gegründet hatten. Er starb am 6. Aug. 1817 mit dem Ruhme eines thätigcn,tadellosen Lebens, eines ausgezeichneten Talents und wahren Menschenfreundes. SeineDenkschriften und journalistischen Arbeiten sind außerordentlich zahlreich und umfassen alleFragen seiner bewegten Zeit.
Dupuis (Charl. Franc.), ein ausgezeichneter franz. Gelehrter, geb. am 1 6. Oct. 1712zu Trie'-Chateau bei Chaumont, war der Sohn eines armen Schulmeisters. Der Graf La- 7rochefoucauld, der des Knaben seltenes Talent erkannte, verschaffte ihm Eintritt in das Col-lege d'Harcourt. D. erwarb sich so schnell umfassende Kenntnisse, daß er im Alter von 21 !
Jahren Lehrer der Rhetorik am College de Lisieux wurde; dabei hatte er auch den Rechts- !
kursus durchgemacht und sich als Parlamentsadvocat einschreiben lassen. Durch die Be-