Dupont (Pierre, Graf) 527
Criminalgerichte des Eurcdepartcments, Mitglied des Naths der Fünfhundert, Präsidentdes Criminalgcrichts zu Evreux und seit 1811 Kammerpräsident des kaiserlichen Gerichts-hofs zu Rouen. Seine eigentliche politische Rolle begann indeß erst während der HundertTage, wo er als Vicepcäsident der Nepräsentantenkammer alle Versuche Napolcon's, seinenfrüher» Despotismus zu erneuern, kräftig bekämpfte. Nach der Schlacht bei Waterlooentwarf er die Protestation der Kammer wider Alles, was die verbündeten Mächte ge-gen die Unabhängigkeit Frankreichs unternehmen könnten. Das Ministerium bestrafteihn dadurch, daß es ihn seiner Stelle als Mitglied des obersten Raths des EuredepartementSentsetzte. Dafür erwählte ihn dieses Departement, in welchem er das höchste Ansehen genoß,1817 zum Deputirtcn, und von nun an saß D. stets auf der äußersten Linken. Am entschie-densten trat er auf, als nach dem Tode des Herzogs von Bern das Ministerium die Gele-genheit günstig glaubte, um einige Einschränkungen der öffentlichen Freiheit durchzusehen.Im Z. 182<t wurde er Deputirter eines der Bezirke der Stadt Paris. Als drei Jahre dar-auf der Minister Peyronnet einen Gesetzvorschlag machte, welcher die Preßfreiheit gründensollte, sie aber im Grunde beschränkte, fand D., der in der letzten Zeit nur selten an den Ver-handlungen Theil genommen hatte, seine ganze Kraft wieder und widersetzte sich in einerdenkwürdigen Rede diesem Vorhaben. Im I. 1830 Unterzeichnete er die Protestation derDeputirtcn. Nach der Thronbesteigung des Herzogs von Orleans wurde er zum Justizmi-nister und Großsiegelbewahrcr ernannt. Als aber, kaum ein halbes Jahr darauf, der frei-sinnigere Theil des Ministeriums ausschied, nahm auch D. seine Entlassung. Seitdem ister stets der früher verfolgten Linie treu geblieben. Er hat niemals nach Ansehen, Einflußoder Reichthum gestrebt und für die dem Staate geleisteten Dienste keine andere Belohnungangenommen als das Ordenszeichen als Offizier der Ehrenlegion.
Dupont (Pierre, Graf), genannt de l'Etang, franz. Generallieutenant, geb. am14. Juli 1765 zu Chabanais, trat, für die Artillerie gebildet, zunächst in die franz. Legionin holländ. Diensten und 17 9 l in die franz. Armee, wo er als Hauptmann und Adjutantdes Generals Dillon bei der Nordarmce angestellt wurde. Als Dillon im Apr. 1792 aufdem von Dumouriez befohlenen, von den Truppen fälschlich als Verrath angesehenen Rück-züge von Tournay ermordet wurde, vertheidigte D. seinen General und wurde dabei eben-falls schwer verwundet. Geheilt, ging er dann zur Armee nach Belgien zurück. Hier retteteer durch seine klugen Anordnungen als Offizier des Stabs Dünkirchen vor dem ÜberfalleAork's und erhielt in Folge der Gefangennahme eines feindlichen Bataillons den Grad einesBrigadegenerals. Jm J. 1793 verließ er das Heer, um sich den revolutionairen Stürmenzu entziehen, und erschien erst als Vorsteher des topographischen Cabinets unter dem Di-reetsrium wieder, das ihn auch zum Director des Kriegsdepots beförderte. Nach dem 18.Fructidor verlor er seine Ämter auf kurze Zeit. Nach dem 18. Brumaire, an dem er mit-wirkte, zeichnete er sich in Italien in der Schlacht bei Marcngo aus. Als Gouverneur vonPiemont drang er im Oct. 1800 in Toscana ein, wo er eine provisorische Negierung errich-tete, und schlug dann die östr. Übermacht nach dem Übergange über den Mincio bei Pozzolo.Nachdem er 1804 vom Kaiser in den Grafenstand erhoben worden, ging er 1805 zur Armeenach Deutschland, wo er bei Ulm viele Östreicher gefangen nahm und den Marschall Mor-tier, den nach der Niederlage bei Dürnstein ein russ. Truppencorps blockirte, befreite. ImFeldzüge von 1806 gegen die Preußen war er ebenfalls sehr thätig, und im Juni 1807 truger durch eine kühne Bewegung zum Siege bei Friedland bei. JmJ. 1808 erhielt er dasCommando einer Division in Spanien; er war siegend bis Cordova vorgedrungen, als erin schwieriger Lage und von Feinden umringt am 18. Juli dem span. JnsurgentengeneralCastanos einen Waffenstillstand antrug, der nur unter Bedingung gänzlicher Unterwerfungangenommen wurde, worauf am 23. bei Baylen (s. d.) die Capitulation des ganzen franz.Heers erfolgte. Napoleon, der diesen Schlag sehr übel empfand, unterwarf ihn einer Ünter-suchung und hielt ihn bis 1813 gefangen. Erst bei der Rückkehr der Bourbons trat D.wieder in Thätigkcit und übernahm 1814 das Kriegsministerium, das er jedoch besonders inFolge der Klagen des Heers nach kurzer Zeit wieder niederlegen mußte. Er erhielt hierausdas Commando der 22. Militairdivision, das er auch nach dem zweiten Sturze Napoleon'swieder antrat. Im 1.1815 wählte ihn das Departement der Charente in die Deputaten-