Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
520
Einzelbild herunterladen
 

520

Dunsis Md Longueville

nahm einen festen Platz nach dem andern. Seinem aus der Gefangenschaft zurückkchrendenHalbbruder, dem Herzoge von Orleans, stellte er großmüthig eine Menge Familiengüter zu-rück und erhielt dafür die Grafschaft Dunois, nach der er sich nun nannte. Nachdem ihn derKönig, wegen seiner Thcilnahme an der sogenannten Pragueric, einer Verschwörung gegen -den mächtigen Connctablc, begnadigt, vertrieb er l-t-12 den gefürchteten Talbot von Dieppe,wofür er mit der Grafschaft Longueville belohnt ward. Im I. >448 übernahm er den Be-fehl in der Normandie und reinigte bis 1450 diese Provinz, sowie bis 1455 auch meistGuyenne durch die Einnahme aller festen Plätze von den Engländern. Ludwig XI. schickte ^ihn nach seiner Thronbesteigung 1462 als Gouverneur nach dem sich an Frankreich er-gebenden Genua, beraubte ihn aber kurz darauf aus Argwohn und Eifersucht aller seinerÄmter. D. stellte sich deshalb an die Spitze des Bundes kour le bien public und erhieltin dem Friedensvertrage zu Maur am 29. Oct. 1465 wenigstens seine consiScirten Güterwieder. Im 1.1466 ward er Präsident einer Commission, welche die tiefgesunkene Rechts-pflege verbessern sollte. Am 24. Nov. 1468 starb er zu Lay unweit Paris. Seine Nach-kommen, mit wenigen Ausnahmen ausgezeichnete Persönlichkeiten, stiegen an Würdenund Reichthümern, und schon sein Enkel Frans. II. wurde von Ludwig XU. 1505 zumHerzoge von Longueville erhoben. Karl IX. und Ludwig XIV. erklärten die D.zu Prinzen des königlichen Hauses, unterließen jedoch die gesetzliche Einregistrirung derWürde. Seit LouisI., gest. 1516, waren die D. auch souveraine Fürsten von Neufchatelund später im Besitze der Grafschaft Valengin. Henri II. Herzog von Longue-ville, Fürst von Neufchatel und Valengin u. s. w., geb. am 27. Apr. 1595, trat, gleichden übrigen Großen über die Herrschaft Richclieu's erbittert, bei der Conferenz zu Fleury,

1626, in die Verschwörung gegen das Leben des Letztem. Im I. 1637 führte er ein Armee- j

corps nach Hochburgund und kämpfte in den folgenden Jahren mit vielem Glücke in Loth- ^

ringen, im Elsaß, am Rhein und in Italien. Mazarin schickte ihn 1645 aus den Kongreßnach Münster; allein gekränkt, daß er hier nicht unterhandeln sondern nur mit seinem Na-men und Thaten glänzen sollte, zog er sich zurück und ließ sich um so leichter für die ehrgeizi-gen Plane seiner Schwäger Conde und Conti gewinnen. Als aber 1649 die Unruhen derFronde begannen, suchte man ihn von der Leitung des Aufstandes zu entfernen, weil manihm nicht Kühnheit genug zutraute. Mit dem Frieden vom 11. März 1649 kehrte er an denHof zurück, wurde zwar 1650 mit seinen Schwägern verhaftet, aber durch die Schritte sei-ner Gemahlin bald freigegeben, worauf er allen politischen Jntriguen entsagte und in edlerWirksamkeit aufseinen Gütern am 11. Mai 1663 starb. Seine Gemahlin zweiter Ehewar die aus den Händeln der Fronde berühmte Anna Genovefa von Bourbon-Conde, vermählt am 2. Jan. 1642. Schön, geistreich und kühn, führte sie ihr Bruder,der Prinz Conde, zum Kongresse nach Münster, wo sie eine wichtige Rolle spielte und in die !

politische Jntrigue eingeweiht wurde. Nach dem pariser Aufstande am 5. Jan. 1649 trat !

sie an die Spitze der Misvergnügten und suchte, nachdem sie ihren Anbeter, den Prinzen !

Marsillac, und Conti gewonnen, auch ihren Bruder zum Beitritt zu bewegen. In dieserRolle war das Stadthaus ihre Residenz, und hier war es auch, wo sie am 29. Jan. 1649 ^

von dem Prinzen Charl. Paris entbunden wurde. Während der dreimonatlichen Blockade ^

der Hauptstadt übte die Herzogin den größten Einfluß über die Gegner des Hofs; auf ih-rem Zimmer wechselten die galanten Gesellschaften mit Kriegs- und Fricdensangelegenhci-ten und die Bedingungen des am I t. März 1649 Unterzeichneten Vertrags wurden bei ihrentworfen. Als 1650 ihre nächsten Verwandten, die Häupter der Verschwörung, zu Parisverhaftet wurden, entkam sie in die Normandie und gelangte nach vielfachen Abenteuernnach Rotterdam, von wo sie nach Stenay, dem Hauptquartier des großen Turenne, ging,den sie für die Partei der Fronde gewonnen hatte. Hierauf erließ sie ein Manifest gegen denHof, verhandelte mit Spanien und andern auswärtigen Höfen um Hülfstruppen zur Be-freiung ihres Bruders, Gemahls und der andern Häupter, kehrte aber, als der Hof 1651 fdie Gefangenen freigab, nach Paris zurück und unterhandelte den Frieden mit Spanien.

Als zwischen ihrem Bruder, dem Prinzen Conde, und der Königin neue Zerwürfnisse aus-brachen, floh sie mit demselben nach dem unruhigen Bordeaux, unterwarf sich aber hier vordem Erscheine» der königlichen Armee mit den Übrigen am 31. Juli 1653. Durch den Ab»