Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
514
Einzelbild herunterladen
 

514 Dumouriez

hierauf D. zum Mitgliede einer zur Untersuchung der in den 24 Artikeln enthaltenen Fi»nanzbestimmungen niedecgesehten Commission. Die Art, wie von Holland. Seite seine Aus-einandersetzungen widerlegt wurden, veranlaßte ihn im Oct. 1838 zur Herausgabe derOK-servutious comp.ementaires sur le parts^e des dettes des Aa^s-Lils", in denen er die frü-hem Aufstellungen zu begründen und die Gegner zu widerlegen suchte. Auch ist D. auf demGebiete der Botanik als geistreicher Forscher bekannt. Von cigcnthümlichen Ansichten aus-gehend, stellte er in denOommentstiones dotsnicas" (Tournay 1822) ein neues Pflan- ^

zensystem auf, dem man zwar ansieht, daß es auf gründlichen Vorarbeiten beruht, welches l

aber keine allgemeine Aufnahme erfuhr. Außer vielen in Denkschriften zerstreuten Abhand-lungen gab er auch eineFlorida delgica" (Tournay 1827) und eineKlinge äungermaii-nidsarum Luropae indigen." (Tournay 1831) heraus. Seit 1829 ist er Mitglied der Aka- ^dcmie der Wissenschaften zu Brüssel, deren Reorganisation er nach der Revolution mit gro-ßem Eifer betrieb.

Dumouriez (Charl. Franc.), franz. Eenerallieutenant, gcb. am 25. Jan. 1739,trat 1757 in das Heer, welches der Marschall Estrecs in Deutschland befehligte und wurdeim Gefechte bei Klostercamp als Verwundeter gefangen. Nach seiner Auswechselung im I.1761 erhielt er den Grad eines Hauptmanns. Unruhigen und ehrgeizigen Geistes, nahm erjedoch 1763 den Abschied und bereiste Corsica, wo er ohne Erfolg den streikenden ParteienPlane vorlegte; dann wendete er sich nach Spanien und Portugal und verfaßte daselbst seineSchriftLtat present du kortugsl" (Par. 1769). Als inzwischen 1768 Genua die InselCorsica an Frankreich abgetreten, ward er als Oberst und Stabschef dem kleinen Besatzungs-Heer beigegeben. Unverträglichkeit führte ihn indeß bald zurück, und er übernahm nun eine j

Sendung an die Conföderalion zu Bar und wohnte 1771 dem Feldzuge gegen Rußland bei. !

Im I. 1772 wurde er von Ludwig XV. ohne Zustimmung des Ministers Aiguillon zu Un- )terhandlungen mit Schweden verwendet und deshalb zu Hamburg verhaftet und in die Ba-stille gebracht. Ludwig XVI. ließ ihn bei seinem Regierungsantritte frei und gab ihm 1778das Commando von Cherbourg und zugleich den Grad eines Brigadegenerals. Bei Beru-fung der Eeneralstaaten schrieb D-, um gewählt zu werden, eine Flugschrift, in der er derVolksstimme huldigte; doch mußte er sich zunächst mit dem Commando der Nationalgardevon Cherbourg begnügen. Bald nachher trat er zu Paris als Jakobiner auf, erhielt nun einerevolutionaire Sendung nach Belgien und wurde 1790 Generalmajor und Militaircom-mandant in der Niedernormandie. Im I. 1791 trat er aber mit den Girondisten in Verbin-dung und wurde demzufolge Generallieutenant und 1792 für kurze Zeit Minister der aus-wärtigen Angelegenheiten. In Übereinstimmung mit den Ansichten der Girondisten bestimmteer Ludwig XVI. zur Kriegserklärung gegen Ostreich, begab sich hierauf zur Armee Luckner'san der Nordgrenze und übernahm den Befehl über das von dem auswandernden Lasayette ^verlassene Corps. Um die Deutschen vom Vordringen in der Ebene der Champagne abzu-halten, nahm er seine Stellung bei Grandpre. Als aber der östr. General Clairfait am 14. >

Sept. 1792 den Engpaß von Lacroix-aux-Bois erzwang, mußte er sich, um die Verbindungmit Chalons und Paris nicht aufzugeben, auf St.-Menehould-sur-Aisne zurückziehen. Diesegeschickte Bewegung rettete damals Frankreich und bewirkte den Rückzug der Preußen. ImWinterfeldzuge von 1792 führte D. 80000 M. nach den Niederlanden und schlug am 5.und 6. Nov. die Östreicher unter dem Herzoge von Sachscn-Teschen und Clairfait bei Jc-mappes. Streitigkeiten mit dem Minister Pache über die Hcervcrpflcgung bewogen ihn da-mals zu einer rücksichtslosen Veröffentlichung des Briefwechsels mit diesem. Auch beschäf-tigte er sich zu jener Zeit nach eigener Versicherung mit Planen zur Flucht des angeklagtenKönigs und reiste deshalb zwei mal nach Paris. Den Feldzug von 1793, der die völligeEroberung Belgiens und Hollands bezweckte, eröffnete er mit der Beschießung von Mastricht.

Am 18. März kam cs in der Ebene von Tirlemont bei Neerwinden zwischen ihm und denÖstreichern unter dem Herzoge von Koburg zu einem hartnäckigen Treffen, in welchem sein >aus Nationalgarden gebildeter linker Flügel unter Miranda geschlagen wurde und in wilderFlucht der franz. Grenze zueilte. Dieser Anfall, an dem D. durchaus keine Schuld hatte,verursachte fast die gänzliche Auflösung des franz. Heers, und mit den Trümmern der Ar-mee mußte er über Löwen den Rückzug nach Brüssel antreten. Bei allen Parteien verhaßt