Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
508
Einzelbild herunterladen
 

ü 08 Duloii Dumas (Alex.)

Dulon (Ludw.), der blinde Flötenspieler, geb. zu Oranienburg an der Havel am I >1.

Aug. 1769, verlor in der ersten Woche seines Lebens durch einen ungeschickten Augenarztsein Gesicht. Nichtsdestoweniger entwickelte sich sein musikalisches Talent so schnell, daß erschon im 13. Jahre mit seinem Vater auf Reisen ging und an den vorzüglichsten OrtenDeutschlands mit außerordentlichem Beifall auf der Flöte gehört wurde. Auch auf demClaviere und in der Compvsition leistete er Bedeutendes. In den letzten Jahren seines Lebensstellte er feine Kunstreisen ein, lebte in Würzburg und starb daselbst am 7.Juli 1826. Seinevon ihm selbst verfaßte Lebensbeschreibung gab Wieland heraus (2 Bde., Zür. 18078). .

Dumarsais (Ce'sar Chesneau), franz. Sprachforscher, geb. am 17. Juli 1676 zu I

Marseille, verlor früh seinen Vater und dann auch sein Vermögen durch eine verschwenderischeMutter. Nachher trat er in die Gesellschaft der Väter des Oratoriums, verließ sie aber im25.Jahre, verheirathete sich in Paris und ward dann Advocat. Trügerische Aussichten ver-leiteten ihn indcß, auch diese Laufbahn bald wieder zu verlassen. Mit vielen Kindern ge-segnet und von seiner Frau gequält, überließ er letzterer seine geringe Habe, widmete sichdemHofmcisterlcben und ervffnete eine Erziehungsanstalt, die ihm kaum seinen Lebensunter-halt gab. Auch die Hoffnung, einen reichen, auf San-Domingo verstorbenen Sohn zu be-erben, ward ihm vereitelt. Von Armuth und Leiden gebeugt, starb er am l 1 Juli 1756.

Seine Verdienste wurden von seinen Zeitgenossen übersehen, und sein bestes Werk blieb lange ^ungckannt. Erst Degerando hat in einer vom Institut 1805 gekrönten Preisschrift die Ver-dienste dieses gründlichen Forschers gewürdigt. Scharfsinn und feine Beurtheilungskraft,ein reines Gemülh, einfache Sitten und Standhaftigkeit im Unglück erwarben ihm indeßdie Achtung Aller, die ihn kannten. D'Alembert nannte ihn treffend den Lafontaine derPhilosophen. Unter seinen Werken (7 Bde., Par. 1797) sind dieLxporition rsisonnöopoiiropprenckre ls lang»« lstine" (Par. 1722), worin er eine Lehrart darstellt, die Ähnlichkeit -mit Hamilton's und Jacotot's Methode hat, derDrsite »ler tropes" (Par. 1750) und dieUrincipes ,Ie ßrsmmsire" (Par. 1769), eine scharfsinnige Darstellung der allgemeinenSprachlehre, die vorzüglichsten.

Dumas (Alex.), einer der fruchtbarsten franz. Schriftsteller der Gegenwart, geb.zu Villers-Cotterets im Departement des Aisne am 23. Juni 1803, ist der Sohn desfranz.Divisionsgenerals Alex. Davy Dumas. Nach demTode des Vaters im I. >807 lebteseine Mutter in großer Dürftigkeit, sodaß sie ihm nur eine sehr mangelhafte Erziehung gebenkonnte. In Paris, wo er 1823 ein Unterkommen suchte, verschaffte ihm, da er eine schöneHand schrieb, der General Foy, ein Freund seines verstorbenen Vaters, eine Stelle auf demSccretariat des Herzogs von Orleans. Nachdem er hier einige Jahre lang Bücher aller Artverschlungen hatte, fing er an selber zu producircn. Sein DramaHenri III et so cor" (Par.

1828) machte seiner energischen und glühenden Sprache wegen Aufsehen. Darauf wurde ervom Herzog von Orleans bei dessen Bibliothek angestcllt, eine Stellung, die er jedock bald auf-gab. Von seine» Dramen, die er in rascher Folge erscheinen ließ, erwähnen wir nurOkri-stine IN 8tockkol,li, Vontsinebiesu et Home" (1830),Vnton)'" (1831), ,,'I'eres»"(1832),Angele" (183-1),Iva tour »je Poesie", das er in Gemeinschaft mit Gaillardctarbeitete,Osttierine IloMsrck",OsÜAnls" undl-es cleinoiseiles els 8sint-0)r" (1833).

Von seinen Komödien fandOn msrisge so ns Oouis XV" (1831) vielen Beifall, und ^neuerdings ist er auch inUslitax" und im ,Msrisge su tsmbour" als Vaudevillist aufge-treten ; indessen sollen diese letzter», sowie viele andere Stücke, gar nicht von ihm herrühren.

Aus der in Paris immer weiter um sich greifenden Sitte, daß ein beliebter Schriftsteller de»Productionen jüngerer Dichter seinen Namen leiht, läßt sich die ungeheure Fruchtbarkeit alleinerklären, die D. auf allen Gebieten entwickelt hat. Seine Dramen sind zum Theil gesam-melt in dem ,,'Vlisstre »Io I)." (3 Bde., Par. 1831). Am ansprechendsten sind seine>»»-ziressinns «le vo^sge 1833" undNonveiles impressivas", die er von seinen Wanderungenin Italien, den Inseln des Mittelmeers, Syrien u. s. w. hcimgebracht hat, obgleich man indiesen Darstellungen weder allzu große Genauigkeit noch tiefere Auffassung suchen muß.Hervorzuheben sind auch seine ,,8^eronm »" (3 Bde., Par. 1831) undOnrricolo" (2 Bde.,

Par. 1832), die beide sehr lebendige Bilder aus dem ital. Leben geben. In einzelnen seinerRomane zeigt sich dieselbe Glut der Phantasie, die unS in seinen dramatischen Productionen ,