504 Dnguay-Trouill
1673 zu St.-Malo, verließ als ein Taugenichts >689 die Schule zu Cacn, wo er sich zumgeistlichen Stande vorbereiten sollte, und machte sodann auf einer von seiner Familie ausge-rüsteten Fregatte seine erste Seereise. Im folgenden Jahre diente er als Cadet auf einemSchiffe von 28 Kanonen. Durch dringendes Bitten bewog er den Capitain desselben zumAngriffe auf eine 15 Segel starke engl. Handelsflotte, wobei drei Fahrzeuge genommenwurden. Hierauf vertraute ihm seine Familie eine Fregatte von 13 Kanonen an, mit derer 169 l, zufällig an die irländ. Küste getrieben, zwei Fahrzeuge zerstörte. Zur Belohnungfür diese That erhielt er vom Hofe ein Schiff von 18 Kanonen. Mit diesem nahm er, wäh-rend der großen Seeschlacht am Cap Lahoguc, an der engl. Küste zwei Fregatten und sechsKauffahrer, und 1693 im Kanäle nach schwerem Kampfe zwei Linienschiffe, jedes von 28Kanonen. Im I. 1693 kreuzte er mit einem Linienschiffe von 39 Kanonen an der holländ.Küste; im Kampfe mit einem engl. Geschwader von 6 Schiffen wurde er verwundet undgefangen. Die Liebe einer jungen Engländerin befreite ihn aus dem Kerker. Nach der Rück-kehr nach Frankreich erhielt er sogleich wieder den Befehl über ein königliches Schiff undnahm an der engl. Küste sechs Kauffahrcr und zwei Fregatten. Im I. 1695, vereinigte ersich mit Beaubriant zu einem Zuge an die irische Küste, wo sie drei schwerbcladeue Schiffeder Ostindischen Compagnie, die zusammen 135 Kanonen am Bord trugen, erbeuteten.Ludwig XIV. empfing hierauf den einundzwanzigjährigen Helden bei Hofe und sagte ihmjene Schmeicheleien, womit er das Talent zu belohnen und zu entflammen pflegte. Nach kur-zer Rast in der Hauptstadt eilte er auf einem von ihm erbeuteten Schiffe in die span. Ge-wässer, wo er zwei holländ. Fahrzeuge nahm. Mit dieser Beute segelte er, ohne erkannt zuwerden, an der großen engl. Flotte vorüber; als sich ihm aber eine Fregatte näherte, über-wältigte er dieselbe und kehrte damit in den Hafen von St.-Louis zurück. Im 1.1696 über-fiel er, nachdem er sieben Monate über den Tod eines Bruders in düsterer Schwermuth ge-brütet, mit drei Schiffen die Flotte von Bilbao und machte unermeßliche Beute, die er aberin der folgenden Nacht durch einen Sturm wieder verlor. Im folgenden Jahre ward er da-für zum Frcgattcncapitain der königlichen Flotte ernannt. Im I. 1793 gericth er bei einemdichten Nebel mit zwei Linienschiffen und drei Fregatten in eine holländ. Kriegsflotte von 13großen Schiffen; er begann sogleich einen Kampf, um seinen Fahrzeugen die Zeit zur Fluchtzu verschaffen, und flog dann mit vollen Segeln aus dem Bereiche der Feinde, welche Thater selbst für sein Meisterstück erklärte. Von jetzt an war er das Schrecken der Holländer undEngländer in allen curop. Meeren; bald zerstörte er im hohen Norden die Geschwader derWalsischfahrer, bald bedrohte er die engl. Küsten, bald lauerte er den über den Ocean rück-kehrenden Handelsflotten auf. Im I. 1797 erhielt er von der franz. Negierung den Befehl,mit einem mäßigen Geschwader im Vereine mit dem Grafen Frobin die engl. Flotte, welchedem Erzherzoge von Ostreich, dem Nebenbuhler Philipp's V. von Spanien, Waffen undLebensmittelzuführte, anzugrcifen, und es gelang den beiden Helden, nichtallein die 69 Trans-portschiffe sondern auch die viek großen Kriegsschiffe, welche dieBedeckung bildeten, theils zunehmen, theils zu zerstören. Die Festungswerke von Rio de Janeiro galten damals für unüber-windlich, und erst1719 war ein Angriff der Franzosen unter Duclerc auf diese Stadt kläglichgescheitert. D. faßte den Plan, diesen Flecken auszulöschen, brachte mit Hülfe mehrer Kauf-leute eine kleine Flotte zu Stande, erschien im Sept. 1711 in der Bai von Rio deJanciro undhatte nach elf Tagen das unerhörte Unternehmen vollbracht. Sechzig Kauffahrer und fünfKriegsschiffe sielen in seine Hände oder wurden zerstört, und eine Contribution von 619999Crusados vermehrte die zahllose Beute. Ludwig XIV. erhob hierauf den Sieger, dessen Tha-ten ans Wunderbare streiften, in den Adelsstand. Unerklärlich ist es bei alle dem, daß D. inder königlichen Flotte nie ein ansehnliches Commanbo, und bei seinen ausgezeichneten Fähig-keiten nie eine angemessene öffentliche Stellung, erhielt. Erst der Herzog vonDrleanS beriefihn in den Staatsrath, und Ludwig XV. Mcktc ihn, als der kurze Glanz der franz. Marineschon im Untergange begriffen, mit einer Flotte in die Gewässer der Levante, uni dort daSAnsehen Frankreichs aufrecht zu erhalten. D. starb am 27. Sept. 1736 im Schoose seinerFamilie. Im Privatleben war er äußerst still und einfach; doch hinterließ er ein nur gerin-ges Vermögen. Seine „Nemoires" wurden von Beauchamps (3 Bdc., Par. >739, 3.)hcrausgcgebe». Vgl. Richer, „Vios <j« cslebres mini»»" (Par. 1783).