496
Dubois (Paul Frans.)
tragen, wie durch Witz und Anstelligkeit, selbst bei der Herzogin sehr beliebt zu machen underhielt auch das unumschränkte Vertrauen seines Zöglings, theils indem er demselben Liebezu den Wissenschaften einflößtc, theils durch weniger ehrenvolle Dienste. Damit, daß er dieVerhcirathung seines Zöglings mit einer natürlichen, aber legitimirten Tochter Ludwig's XIV.,einem Fräulein de Blois, nach dem Wunsche des Königs und gegen den Willen der in ihremStolze gekränkten Herzogin Mutter zu Stande brachte, betrat er die erste Stufe seiner unge-mefscnen Laufbahn. Ludwig XIV. gab ihm dafür zunächst die Abtei St.-Just in der Pi-cardic, um ihm Gelegenheit zur Ausbildung seiner diplomatischen Schlauheit zu geben, er-laubte er ihm, nach London zur franz. Gesandtschaft zu gehen. D. knüpfte hier durch seinesrühern Bekanntschaften mit vornehmen Engländern wichtige Verbindungen an, insbeson-dere mit dem Lord Stanhope, der ihm später förderlich wurde. Nach seiner Rückkehr nachFrankreich versah er unter dem Titel eines Secretairs die Stelle des geheimen Raths undAgenten des Herzogs von Orleans, und als dieser 15 l 7 die Regentschaft übernahm, wurdeer von ihm gegen die Abmahnungen der einflußreichsten Personen, die den Günstling fürch-teten, zum Staatsrath erhoben. Als die Politik des span. Hofs, die der Cardinal Alberonileitete, den Regenten in Verlegenheit setzte, wies D. auf die Verbindung mit England hinund erbot sich zum Unterhändler. Hierauf nach London gesendet, brachte er schon 1718,nachdem er sich durch Lord Stanhope am Hofe Georg's I. Einfluß zu verschaffen und dieAbneigung desselben gegen den Regenten zu überwinden gewußt hatte, das Bündniß zwi-schen England, Frankreich und Holland zu Stande. Die Beschuldigung, daß er sich vonEngland habe erkaufen lassen, war wol weniger begründet, als daß er sich selbst den Wezdurch Bestechung zu bahnen suchte. Zur Belohnung erhielt er vom Regenten das Mini-sterium des Auswärtigen und auf Verwendung des Königs Georg sogar das Erzbisthumvon Cambray. Mit Schlauheit wußte er sich dann auch den Cardinalshut zu verschaffen.Zm I. 1722 zum Premierminister erhoben, fing nun sein Einfluß wie sein Ehrgeiz an sichschrankenlos zu äußern. Eine außerordentlicheGeschäftsthätigkcit und daneben die wildestenAusschweifungen jeder Art führten ihn jedoch zeitig dem Grabe zu. Er starb am 10. Aug.1723 und hinterließ große Reichthümer. Der strenge Saint-Simon schildert ihn in seinenMemoiren als einen verworfenen, wollüstigen, eiteln, falschen und lügnerischen Mann; dochvergißt er, daß D. einen scharfen und thätigen Geist besaß, nie gewaltsam und grausam warund unter den verderbtesten Menschen und Verhältnissen emporwuchs; unter seinem Na-men erschienen „Llemoires" (4 Bde., Par. 1829), ein zusammengelesenes Machwerk. Vgl.Lemontey, „üistoire <Ie >a regellos" (2 Bde., Par. 1832).
Dubois (Paul Franc.), Director der Normalschule zu Paris und Deputirter, geb.1791 in Rennes, besuchte das College seiner Vaterstadt und studirte dann unter Cousin inder Normalschule. Von 1818—21 war er nacheinander Professor an den Colleges zu Fa-laise, Limoges und Besancon. Im I. 1821 seiner Stelle entsetzt, ging er nach Paris, wodie meisten ehemaligen Schüler Cousin's sich sammelten. In Paris traf er mit seinemFreunde Jouffroy zusammen, der ihn in die Philosophie einweihte, und mit ihm trat er dann,von Cousin angeregt, in einen Carbonariclub. In dieser Zeit übersetzte er für Guizot's großeSammlung die Chronik von Flodoard. Mit seinem Landsmanne P. Leroux gründete er so-dann > 82-1 den „Links", dessen Hauptredacteur er fünf Jahre lang war. Er war vom An-fänge an die Seele dieses Journals, für das er damals kritische Artikel schrieb; doch erst als«s unter Martignac's Ministerium ein politisches Blatt wurde, sah sich D. in seinem wahrenElemente. Von ihm sind die meisten leitenden Artikel, von 1828 bis zu Anfang des I.1830, wo er sich von CH. de Remusat mußte ablösen lassen, weil er eine mehrmonatlicheGesängnißstrafe zu bestehen hatte. In der That war D. dem politischen RadicaliSmus näherals Duvergier de Hauranne, Duchatel, Re'musat und die andern Redactoren des „Llake";seine Opposition war schärfer und zuletzt auch maßloser als die von Thiers, Mignet undCarrel im „National". In literarischer Hinsicht werden seine glänzend geschriebenen Artikelimmer einen hohen Werth behalten, besonders zeichnen sie sich durch eine scharfe, gewandteDialektik und die eindringliche, bezwingende Kraft der Sprache aus, wogegen freilich diefesten Grundgedanken nur zu häufig halb oder ganz falsche liberale Redensarten sind. Alsdie Julircvolution die liberale und doctrinaire Jugend an die Geschäfte brachte, wurde D. zu