Ä92 Dschilolo Dschingis-Khan
richtete er das Volk in den Lehren der Tugend und des Glaubens und wußte es durch seinemilde Bcrcdtsamkcit zu gewinnen. Als er 1492 starb, war die ganze Stadt in Trauer.
Der Sultan ließ ihm auf öffentliche Küsten ein glänzendes Leichcnbegängniß ausrichken,und die Erde öffnete sich, sagen die pcrs. Dichter, wie eine Muschel, um diese unschätzbarePerle aufzunchmen. Er war einer der fruchtbarsten Schriftsteller Persiens und hintcrlicßüber 4V Werke theologischen, mystischen und dichterischen Inhalts. Sieben seiner anziehend-sten Gedichte vereinigte er unter dem Titel „^ic sieben Sterne des Bars", dazu gehören„Zusuf und Znlcicha", eins der poetisch tiefsten Werke in der pers. Sprache, welches Rosen-zwcig imOriginalc mit deutscher Übersetzung (Wien 1824) herausgab ; ferner die anmuthigc iDichtung „Medschnun und Lcila" (franz. von Chezy, Par. l 805, und darnach deutsch vonHartmann, 2Bdc.,Amst. 1807) und „8»bIn»t»I^0r->r", d.i. der Rosenkranz der Gerechten,ein moralisch-didaktisches Gedicht (Kalkutta 1811, 4.). Sein „Bcharistan" ist eine Samm-lung von Anekdoten, Sittcnsprüchcn, Biographien u. s. w. in Prosa und Versen. Bruch-stücke daraus ließen Zcnisch in der „Xntlwlnjstu ;,orsioa" (Wien 1778) und Wilken in der„eilrestomsrb'm persica" (Lpz. 1805) abdrncken. Von seinen prosaischen Werken ist dasberühmteste seine Geschichte des Mysticismus „lblasabLt „I ins", d.i. der Hauch der Mensch-heit, das nebst einer systematischen Darstellung der Lehren des Sufismus, das Leben vonmehren hundert berühmten Susis enthält. Auszüge daraus gab Sylsestre de Sacy in den„idivtices et extrsit," (Bd. >2). Sehr geschätzt sind auch seine Briefe (Kalkutta 1809).
Dschilölo, die größte Insel unter der Gruppe der Gewürzinscln (s. d.). ^
Dschingis-Khan, eigentlich Temudschin, der berühmte mongol. Eroberer, geb.ilder Zeit von 1>83—04, war der Sohn des mongol. Hordcnanführcrs Aesonkai, der un-mittelbar nur über 30 — 40 Familien gebot und den Tatarkhans der östlichen Tatarci ,zinsbar war. Die kriegerischen Talente des Jünglings waren von seinem Lehrer, Karakhrr, tso gut ausgebildct, daß er nach dem Tode seines Vaters im 13. Jahre schon im Stande war,die Zügel der Herrschaft zu ergreifen. Die Oberhäupter der ihm unterworfenen Stämme !versuchten zwar, sich seiner Herrschaft zu entziehen, wurden jedoch von ihm vollständig unter-worfen und 70 von ihnen, die in seine Hände gefallen waren, auf seinen Befehl in Kessel jmit siedendem Wasser geworfen. Eine große Anzahl von Stämmen vereinigte sich nun widerihn, und obgleich häufig siegreich, sah er doch, daß er ihnen auf die Länge nicht werde wider-stehen können. Er begab sich daher in den Schuh des Großkhans der karaitischen Mongolen,Namens Ung, der ihn bald sehr lieb gewann und ihm seine Tochter zur Ehe gab, wodurchein Krieg mit einem zurückgcsetzten Nebenbuhler veranlaßt wurde, aus dem jedoch Ung-Khanmit Hülfe Temudschin's siegreich hcrvorging. Einflüsterungen und Ränke der Neider undNebenbuhler des letztem erregten aber bald Zwietracht zwischen ihm und seinem Schwieger-vater. Es kam zum offenen Kriege zwischen Beiden, und in einer Schlacht im I. l202verlor Ung-Khan mehr als 40000 M. und auf der Flucht das Leben. Einen neuen furcht-baren Gegner fand hierauf der Sieger an Tayan, dem Khan der naimanschen Tataren. Anden Ufern des Altaiflusses traf man 1203 zusammen, Tayan wurde geschlagen und starbauf der Flucht, nachdem er alle seine Soldaten bis auf den letzten Mann hatte nicderhaucnsehen. Dieses Gefecht sicherte dem Sieger die Oberherrschaft über einen großen Theil derMongolei und den Besitz der Hauptstadt Kara-Korum. Im Frühling des folgenden Jahreshielt Temudschin eine Art von Reichstag in Blun-Aulduk, seinem Geburtslande, wo sichAbgeordnete von allen ihm unterworfenen Horden einfanden; diese setzten ihm die Kroneauf und riefen ihn zum Dschakan oder Großkhan im Angesichte des Heers aus. Zugleichprophezeite ihm ein für heilig gehaltener Dschaman, daß er über die ganze Erde herrschenwerde, und befahl ihm, sich fortan nicht mehr Temudschin, sondern Dschingis-Khan zu nen-nen. Eine bürgerliche und militairischc Gesetzgebung wurde nun von ihm veranstaltet, unddas daraus hervorgegangcne Gesetzbuch ist noch jetzt in Asien unter dem Namen Aza Dschm-gis-Khany bekannt. D. sprach sich persönlich zwar für den Glauben an Einen Gott aus,bekannte sich aber zu keiner bestimmten Religion; er gestattete vielmehr Allen freie Ausübung,und an seinem Hofe waren alle Männer von Verdienst, ohne Unterschied deS Glaubens,willkommen. Auch ließ er viele oigurische, tibctan., pers. und arab. Bücher ins Mongolischeübersetzen. Durch die Prophezeiung bei seiner Krönung war der Geist der Truppen so an--