488 Drusen
Unwissende, Uneingeweihte, wozu noch Nawi oder Novizen von Einigen gefügt werden.Die Mal, zu denen die meisten Emirs und Schechß gehören, bilden einen geheimen Ordenin verschiedenen Graden, der allein im Besitze der Geheimlehre», sowie der heiligen Bücher,die aufs ängstlichste bewahrt werden, ist, und der in geheimen Versammlungen, zu denen ingewissen Abstufungen die Weiber Zutritt erhalten, zum Gottesdienst sich versammelt. Dasübrige Volk, dieDsiahhcls, ist in der Religion ganz unwissend und daher auch höchst indif-ferent dagegen. Daher kommt es auch, daß sic in dem Verkehre mit den andern Völkern ihresLandes Mit der größten Leichtigkeit äußerlich die Gebräuche von deren Religionen, besondersder mohammedanischen, annehmen, zu ihrer aber nieProselytcn machen. So kennen sic auchweder Beschneidung noch Fasten, trinken Wein und essen Schweinefleisch und legen über-haupt wenig Werth auf äußere Gebräuche.
Die Drusen stammen wahrscheinlich von den alten, in derselben Gegend wohnhaft ge-wesenen Jturäern , die immer eine gewisse Unabhängigkeit sich zu erhalten wußten, ab, vondenen auch ihr Name (el Dursi) wol abzuleiten ist, der schon im l 2. Jahrh. vorkommt.Ganz falsch ist die Annahme, daß sie Nachkommen der Kreuzfahrer seien, die unter einemGrafen Dreur sich im Libanon niedergelassen hätten. Sowol unter den Eroberungen derarab. Khalifen, wie unter denen der Kreuzfahrer und der türk. Sultane scheinen sie ihre alteBcrgfreiheit unter Stammeshäuptlingen bewahrt zu haben. Erst um > 588 gelang cs Amu-rad !ll. durch Ibrahim, Pascha von Said, die Drusen zu bändigen, indem er ihre Häupt-linge Vertrieb und ihnen einen einzigen obersten Anführer oder Großemir dafür gab, dadurchaber, ganz gegen seine Absicht, die Einheit und Macht des Volks beförderte. Hierdurch ge-lang es am Anfänge des 17. Jahrh. dem Drusensürstcn Fakr-ed-din, das Gebiet und dieMacht der Drusen auf Kosten der Türken bedeutend zu vergrößern ; allein Parteiungen un-ter den Drusen selbst brachen seine Macht und brachten ihn in die Hände des Sultans Amu-rad iV., der ihn 1631 in Konstantinopel erdrosseln ließ. Zwar blieb das Großcmirat beider Faniilie des Fakr-ed-din, doch gelangte die Macht derselben, trotz der häufigen Aufständeder Drusen gegen die Türken, nicht wieder zu ihrem früher» Glanze. Erst als nach Aus-sterbcn dieser Familie die Familie Schehab zum Großcmirat gelangte, erhob sich die Machtder Drusen wieder, besonders unter Mclhem (1740—59). Unter dem in neuester Zeit be-kannt gewordenen Emir Beschir (geb. 1763), der 1799 zum Großemir erhoben wurde undbald der Gegner, bald der Bundesgenosse Djezzar Paschas von St.-Jean-d'Acre war, erlittsie die mannichfachstcn Wechsclfälle, besonders seit der Eroberung Syriens durch Mehc-med Ali von Ägypten. Anfänglich auf Seiten der Ägypter, lehnten sic sich später häufig ge-gen diese, deren tyrannisches Policciregimcnt ihnen zuwider war, auf, besonders 1834; dochgelang es Ibrahim Pascha, sie zu unterwerfen und zu entwaffnen. Emir Beschir hielt csnun bis 1840 mit den Ägyptern, wo er, da er sich nicht zeitig genug von denselben lossagte,seiner Würde von der Pforte entsetzt wurde und den Emir Beschir-cl-Kassim zum Nachfol-ger erhielt, worauf er Syrien verließ und sich nach Malta, später nach Italien und Konstan-tinopel begab, ohne dort seine Wiedereinsetzung erlangen zu können. Die Drusen erhobensich aber sammt den Maronitcn, von den Engländern aufgereizt und mit Waffen versehen,gegen die Ägypter und waren es vorzüglich, deren Abfall die Sache Mchemed sAli's inSyrien stürzte. Statt aber ihre alte Freiheit wiederzuerhalten, trat das Gegentheil ein.Kaum war Syrien wieder der Herrschaft der Pforte zurückgcgeben, so erregten die gegensei-tigen Jntriguen der Franzosen und Engländer einen Kampf zwischen Drusen und Marvni-ten, den die Pforte in ihrem Vortheile nur noch mehr anfachte und benutzte, um die Selbstän-digkeit beider Völkerschaften, die zeither unter der.Hcrrschaft des Emir Beschir verbundenund daher der Pforte um so gefährlicher gewesen waren, zu brechen. Fast zwei Jahre dauerteder innere Kampf, in Folge dessen die Pforte auch den Emir el Kassim des Grvßemirats ent-setzte und, angeblich um den Libanon zu beruhigen, einen türk. Administrator, chen berüchtig-ten Renegaten Omar Pascha, zur unmittelbaren Regierung der Drusen und Maroniten ab-sendete. Das tyrannische Verfahren dieses Pascha brachte jedoch die Drusen aufs äußersteund bewirkte, daß sic ihre inncrn Streitigkeiten mit den Maronitcn bei Seite ließen und sichnun wieder gegen die Türken erhoben, mit dem Verlangen nach einem mit den Maronitengemeinsamen Großemir. Diese- immerwährenden Unruhen veranlaßten dann das Einschrei-