Dresden (Schlacht) 477
von Neapel, diesen Flügel völlig zu umgehen, indem er mit dem Armeecorps Victor's unddcrRciterei unter Latour-Maubourg gegen Mittag aus dem Engpässe von Cotta und demAscho-ncngrunde bei Pennerich hervorbrach. Nach lebhafter Gegenwehr unter fortdauerndem hef-tigen Regen auf den Höhen am Rande des Wciscritzthals wurden die Östreicher von derfeindlichen Reiterei überwältigt und von ihrer Nückzugsstraße weggedrängt. Da sie denrichtigen Weg in den Plauischen Grund hinab, um auf der entgegengesetzten Seite die Höhewieder zu gewinnen, verfehlten, so wurde der größte Thcil, über 10000 M., nebst dem Ge-neral Mezko gefangen. Unterdeß hatte bereits der Heerführer der Verbündeten, aufdie Nach-richt, daß Vandamme, der am 2 b. bei Königstein über die Elbe gegangen war, gegen Pirnavordringe und die Verbindung mit Böhmen bedrohe, den Rückzug beschlossen. Dieser wurdenun in der Nacht vom 27. auf den 28. angctrcten. Die Verbündeten hatten an Tobten,Verwundeten und Gefangenen gegen 30000 M. verloren. Die Gefangenen- über 13000M.,meist Östreicher, die man in die Kirchen eingesperrt hatte, wurden von den Bewohnern derStadt so gut als möglich verpflegt; doch kamen viele vor Erschöpfung um. Die Zahl der ver-wundeten Franzosen belief sich auf mehr als 10000 M.; auch die Zahl ihrer Tobten warsehr beträchtlich.
Napoleon's Glücksstern ging mit dem 27. Aug. unter. Die Boten von den Niederla-gen Oudinot's bei Groß beeren (s. d.), Macdonald's an der Katzbachss. d.) und Van-damme's bei Kulm (s. d.) zerstörten den stolzen Entwurf, in Berlin, Breslau und Pragseine Triumphe zu feiern. Von jetzt an begannen die unaufhörlichen Hin- und Herzügc derfranz. Kriegsmacht, die immer schwerer auf D., ihren Stützpunkt, drückten und die Umge-gend gänzlich verheerten. Vor der Altstadt wurden drei neue Schanzen angelegt; Meißensollte ein Außenwcrk von D. bilden, und das franz. Heer schien in diesem verschanzten Lagerden andringenden Strcitkräften der Verbündeten hinter mächtigen Bollwerken zu trotzen.Unterdeß rückte das Heer der Verbündeten aus Böhmen aufs neue vor, und russ. und preuß.Scharen streiften auf den lausitzer Straßen bis in die Nähe von D. und Großenhain. Napo-leon trieb jene zwar zurück; allein Ncy's Niederlage bei D enncwitz (s. d.) am 6. Sept.und Blücher's Vordringen am >0. gegen Herrnhut nöthigten Napoleon, von der böhm.Grenze nach D. zurückzugehcn und auf das rechte Elbufer sich zu wenden. Am 11. brachzwar Napoleon wieder gegen die böhm. Grenze auf und drang am 15. bis Kulm vor; alleinseine Garden wurden bei Nollcndorfam 16. von Collorcdo mit Verlust zurückgeworfen, undam 21. mußte er nach D. zurückkehrcn. Jetzt ließ er, gegen seine frühere Zusage, den Son-nenstein befestigen, wo die Irren in der daselbst befindlichen Heilanstalt schonungslos ver-trieben wurden. Die Östreicher besetzten dagegen am 17. Freiberg. Streifscharen von demHeere des Kronprinzen von Schweden drangen bis nach Leipzig vor, und Blücher vereinigtesich mit Bubna. Noch einmal drängte Napoleon die Preußen nach Bautzen zurück, dochschon am 23. war er wieder in D., worauf er das rechte Elbufer gänzlich räumen ließ undseine Truppen auf das linke zog. Am 28. und 29. griffen die Verbündeten den Brücken-kopf bei Meißen an, doch ohne Erfolg. Hierauf zogen Napoleon's Scharen über Freiberggegen Chemnitz und über Nossen gegen Leipzig, wohin auch die verbündeten Heere ihre Rich-tung nahmen. Blücher's unerwarteter Übergang am 3. Oct. bei Wartenburg über die Elbeentschied endlich auch Napoleon's Abzug aus D. Er verließ die Stadt am 7. Oct. früh, ummit dem größten Theile seiner Streitkräfte dem Kronprinzen von Schweden und Blücherentgegenzugehen, die sich Leipzig (s. d.) näherten; ihm folgte der König von Sachsen.
In und um D. blieb bei Napoleon's Abzüge eine Heeresmachl von etwa 36000 M.zurück unter Saint-Cyr und dem Grafen Lobau. An demselben Tage mußten die Franzo-sen Pirna verlassen; dem Königstein bewilligten die Verbündeten die Neutralität. Hieraufersiürmte Bubna am 8. Oct. den Brückenkopf bei Pirna; auch wurden die Außenwcrkeder Neustadt von der bautzener Straße her angegriffen. Zugleich näherten sich die Russen,20000 M. stark, unter Tolstoi, Iwanow und Markow der Stadt, damit sich hinter ihnenBenningscn's Heer unbemerkt über Nossen nach Leipzig ziehen könne. Saint-Cyr griff am17. Oct. den General Tolstoi auf den Höhen von Räcknitz und Zschernitz an. In Gefahr,umgangen zu werden, zogen sich die Russen auf Dohna zurück; aber schon am 20. drängtensie Saint-Cyr wieder nach D. hin, das nunmehr an beiden Ufern eingcschlosscn war, da dir