Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
474
Einzelbild herunterladen
 

Ml c

474 Dresden (Se-.acht)

Albert im Z. 1485 kam es an die Albertinische Linie und blieb seitdem fast ununterbrocheneResidenz derselben. Nach einem großen Brande im I. 1481 wurde es fast von Grund auswieder neu aufgebaut. Georg derBärtige, der auch 1534 das Schloß erbaute, ließ es152V—28befestigen, worauf Kurfürst Moritz die Festungswerke weiter ausdehnte. Im I. 1539 wen-dete sich D. der Reformation zu. Wie Moritz, so that auch sein Nachfolger August ungemeinviel für die Verschönerung und Erweiterung der Stadt. Unter Johann Georg I. litt D. un-gemein durch Krieg, Pest und Theurung. Der prachtliebende Johann Georg II. that sehr viel,seiner Residenz einen größcrn Glanz zu verschaffen; allein ihre glänzendste Periode feiertedie Stadt unter den beiden August, welche zugleich Könige von Polen waren. Immerneue Paläste stiegen in der Altstadt empor; die jetzige Neustadt, welche 1686 abbrannte,wurde unter August I. >724 gleichsam von neuem begründet und Friedrichstadt >728 nacheinem weitaussehenden Plane angelegt. D.s Blüte brach der Siebenjährige Krieg; nachdemschon 1758 durch die Preußen die Pirnaische und Wilsdruffer Vorstadt abgebrannt wordenwaren, wurde es durch das Bombardement vom 14.—30. Juli 1760 ungemein beschädigt.Unter der Regierung Friedrich August's wurde die Stadt nicht nur wicderhergestellt, sondernauch durch einzelne öffentliche Gebäude verschönert und sehr bedeutend erweitert. Währenddes Kriegs mit Ostreich im I. 1809 war D.'eine Zeit lang von den Ostreichcrn besetzt. ImI. 1810 begann die Abtragung der Festungswerke, womit jedoch beim Ausbruche des russ-franz. Kriegs inne gehalten wurde. Vom 16 —28. Mai >812 fand in D. eine glänzendeZusammenkunft Napoleon's, des Kaisers von Ostreich und des Königs von Preußen statt.Das Jahr 1813 dagegen brachte der Stadt harte Prüfungstage. (S. weiter unten.) Unterdem russ. Gouvernement im1.1814 geschah Mehres zur Verschönerung der Stadt; nament-lich wurde die schöne Treppe nach der Brühl'schen Terrasse angelegt. Nach dem Frieden undder Rückkehr des Königs Friedrich August gewann D. ein immer freundlicheres Ansehen,insbesondere in Folge der Abtragung der Festungswerke, die seit 1817 wieder begann. UnterKönig Anton, der mehre bereits unter seinem Vorgänger begonnene große Bauten rasch been-den ließ und andere unternahm, hatte die Stadt auf der neustädter Seite sich dermaßen er-weitert, daß man diesen sogenannten Neuen Anbau 1835 zu einem vierten Stadttheile unterdem Namen Antonstadt vereinigte. Der in D. durch das Zurückbleiben hinter den Anfo-dcrungen der Zeit und mehrfache Misbräuche veranlaßt«?, durch die laue Theilnahme deröffentlichen Behörden an der Feier des augsburger Confessionsjubelfestcs im 1.1830 be-schleunigte Aufstand, welcher nach dem Vorgänge Leipzigs am 9. Sept. desselben Jahresstattfand, hatte für die Stadt die Umgestaltung der Police!, die Einführung der Städteord-nung und die Abschaffung der offen gerügten Misbräuche, für das ganze Land aber die Er-theilung einer zeitgemäßen Constitution am 4. Sept. 1831 zur Folge. Auch unter der Ne-gierung des jetzigen Königs ist die Stadt nicht nur im Allgemeinen in fortwährendem Auf-schwünge begriffen und in Folge davon erweitert und verschönert worden; insbesondere hatsie neben manchen andern öffentlichen Bauten einen Hauptschmuck durch das neue Theater er-halten. Vgl. Ant. Weck, „Beschreibung von D." (Nürnb. 1680, Fol.), Hasche, „Diploma-tische Geschichte D.s" (4 Bde., Dresd. 1816—19), Lindau, „Neues Gemälde von D."(2 Bde.; 3. Aust., von Lehmann, Dresd. 1824) und Klemm, „Chronik der Stadt D."(2 Bde., Dresd. 1833—37, fortgesetzt von Hilschcr, Bd. 3, Dresd. 1837 — 38).

Im I. >813 war D. der Mittelpunkt der Operationen Napoleon's, der sich hier anbeiden. Ufern des schon durch die Festungen Torgau, Wittenberg und Magdeburg behaupte-ten Elbstroms mit seinem ganzen Heere ausgestellt und meisterhaft Pirna, den Lilienstein,den Königstein und Stolpen in seine Berechnungen gezogen hatte, sodaß die Gegend einemgroßen verschanzten Heerlager glich, von wo aus er bequem gegen Prag, Berlin und Bres-lau operiren konnte. Der König von Sachsen hatte D. am 25. Febr. >813 verlassen, alsam 7. März eine aus Franzosen und Sachsen bestehende, höchstens 3500 M. starke Heercs-abtheilung, auf dem Rückmärsche aus Polen, von russ. Truppen gedrängt, in D- einzog.Bald darauf, am 12., rückte der Marschall Davoust mit 12000 M. und 20 Kanonen vonMeißen, wo er die Brücke hatte abbrcnnen lassen, nach D. vor und übernahm daselbst denOberbefehl. Vor der Neustadt hatten bereits kleine Scharmützel mit Kosacken stattgefun-den. Der Marschall ließ daher am 19. März einen Pfeiler und zwei Bogen der Elbbrücke