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Dreißigjähriger Krieg

Jndeß war der Krieg hiermit noch nicht geendigt; es begann nun der PfälzischeKrieg 1620 — 2, und Graf Mansfeld (s. d.), der glücklich aus Böhmen entron-neu war, hatte im Elsaß sein Heer bis auf 20000 M. verstärkt und focht gemeinschaft-lich mit Markgraf Friedrich Georg von Baden und Herzog Christian von Äraunschweigfür Friedrich'S Sache. Während er selbst den liguistischen Feldherr» Tilly bei Wis-loch am 29. Äpr. 1622 schlug, besiegte dieser den Markgraf von Baden, der sich unklugcr-weise von Mansfeld getrennt, bei Wimpfen am 6. Mai und den Herzog von Braunschweigbei Höchst am 20. Juni. Da sank Friedrich'S V. Muth, und im verzwciflungsvollcn Ver- >trauen, durch Unterhandlungen den Kaiser zu versöhnen, entließ er Mansfeld und Christian,und gab seine Erblande bloß, in welche Tilly eindrang! mit seinen Soldaten schonungslos >wüthete und Manheim und Heidelberg erstürmte. Damals wandcrte die herrliche heidel-berger Bibliothek nach Rom. Hierauf ward Maximilian von Baicrn, gegen Rückgabe desverpfändeten Obcröstreichs, auf dem Reichstage zu Negensburg, trotz Brandenburgs und -Sachsens Einspruch, am 6. März 1623 mit der pfälzischen Kur belehnt. Jndeß hatte sichTilly nach Niedersachsen gewendet, wo er protestantische Kirchen wegnahm, die lutherischenGeistlichen verjagte und andere Gewaltthätigkciten verübte. Dies veranlaßte die nicder-sächs. Fürsten und Stände, an ihre Rettung zu denken und zu den Waffen zu greifen. Man !übertrug 1625 dem Könige Christian IV. von Dänemark die oberste Leitung des Kriegs, zudem England Subsidicngelder und Holland Truppen sendete; und auch Mansfeld schloßsich an den König an. Während dieser Vorbereitungen hatte der Kaiser, darauf bedacht, sichein eigenes, von der Ligue und Maximilian unabhängiges Heer zu schaffen, Wallen-stein (s. d.) zu seinem Feldherrn ernannt, der mit einem Heere von beinahe -10000 M-, dasfortdauernd wuchs, von Böhmen aus nach Norden sich bewegte. Mansfeld versuchte sichihm cntgegenzustellen; aber bei Dessau am 25. Apr. 1626 von Wallcnstcin's Übermacht ge- ^schlagen, wendete er sich, in der Absicht, den Krieg wieder in die östr. Erblande zu spielen,mit dem Herzoge Johann Ernst von Sachsen-Weimar verbunden, nach Schlesien, Mährenund Ungarn, wohin ihm zu folgen Wollenstem sich gezwungen sah, ohne ihn jedoch zu er-reichen. Erst nach Mansfeld's (am 30. Nov.) und Johann Ernst's (am -1. Dcc.) Todeund mit großem Verluste an Mannschaft kehrte Wollenstem durch Schlesien nach Nord-dcutschland zurück, wo indeß Tilly den König Christian I V. bei Lutter am Barenberge am27. A»g. 1626 völlig geschlagen und hierauf des ganzen niedersächs. Kreises sich bemächtigt ,hatte. Als Tilly bald hernach auch den Markgraf Georg Friedrich von Baden, der sich ihm imit einen Haufen tapferer Protestanten cntgcgcnwarf, besiegt hatte, einigten sich die beidenFeldherren dahin, daß Tilly westwärts abzog, da die Holländer Braunschweig bedrohten, !Wallenstein dagegen Mecklenburg eroberte und in Jütland cindrang. Zum Herzog von 'Mecklenburg vom Kaiser erhoben, unternahm hierauf Wallenstein die Belagerung vonStralsund, vom Mai bis Juli 1628, das jedoch, von Dänemark und Schweden kräftig i

unterstützt, alle Angriffe muthig abschlug, und schloß am 12. Mai 1629 zu Lübeck den Frie- !

den mit Dänemark ab. Der Religionsverhältniffe und der verbündeten Fürsten wurde in s>demselben nicht gedacht; Christian erhielt die verlorenen Provinzen zurück, wogegen er ver- !>sprach, ferner in die deutschen Angelegenheiten sich nicht zu mischen. Nach diesem neuen ,Siege hielt cs Ferdinand II. an der Zeit, die längst beabsichtigte Gegenreformation durch;»- Isetzen. Demgemäß Unterzeichnete er auf Anrathen des jesuitischen Paters Lamormain am ^6. Mär; >629 das verhängnißvolle Restitutionsedict, nach welchem alle seit dempaffauer Vertrage von den Protestanten eingezogenc mittelbare Stifte und Kirchengütcr Iden Katholiken zurückgegeben, die Neformirten vom Religivnsfrieden ausgeschlossen und dieprotestantischen Unterthanen katholischer Fürsten zum Katholicismus zurückgeführt werdensollten. Mit Gewalt der Waffen ward dieses Restitutionsedict zunächst in allen Reichsstädten,in Augsburg, Ulm, Rcgensburg, Kaufbcuern und anderwärts vollzogen, während nurMagdeburg tapfer» Widerstand zu leisten vermochte, und bereits begann man dasselbe auch ^auf die Länder protestantischer Fürsten anzuwcnden. Der Unwille über diese Schritte desKaisers einerseits sowie über Wallcnstcin's Erpressungen und Verwüstungen andererseitszeigte sich unverhohlen auf dem Reichstage zu Negensburg im I. 1 630, wo die Kurfürstenund ihre Gesandten mit heftigen Beschwerden auftraten, und es namentlich Maximilian in