Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
461
Einzelbild herunterladen
 

4L1

Dreißigjähriger Krieg

testantischen Unterthancn wider den Willen ihrer Gutsherren, des Erzbischofs von Prag unddes Abts von Braunau, Kirchen zu bauen anfingen, wurde auf kaiserlichen Befehl die inKlostergrab erbaute niedergerissen und die zu Braunau geschloffen. Auf ein Bittschreiben indieser Sache an den Kaiser erfolgte eine harte Antwort; gleichzeitig aber verbreitete fich dasGerücht, der Kaiser wisse von dieser Antwort nichts, sie sei in Prag abgcfaßt worden. Dem-zufolge drangen, als ani 23. Mai I6IF die kaiserlichen Näkhe auf dem Schlosse zu Pragversammelt waren, Abgeordnete der protestantischen Landstände, unter Anführung desGrafen Thurn, bewaffnet in den Saal und verlangten zu wissen, ob die Räche Antheil ander Abfassung des kaiserlichen Schreibens hätten. Als nun hier im Hin- und Herreden derStreit sich immer mehr erhitzte, warf man zuletzt die beiden den Protestanten ohnehin ver-haßten Räche Martinitz und Slawata nebst dem Secretair Fabricius zum Fenster hinausin einer Höhe von 28 Ellen in den trockenen Schloßgrabcn hinab, ohne daß sie bedeutendbeschädigt worden wären.

Von diesem Ercigniß ab datirt man den Anfang des Dreißigjährigen Kriegs, oder vicl-i mehr zunächst des Böhmischen Kriegs 1618—2t). Die Böhmen ernannten sogleich 3t)! Direktoren, welche die Negierung übernahmen, vertrieben die Jesuiten und gaben dem Gra-j fen Thurn den Oberbefehl über das eilig versammelte Heer. Bereits im Juni verbanden sich

> die Böhmen mit der Union, die ihnen ein Hülfscorps von 4000 M. unter dem tapfern Gra-! fen Ernst von Mansfeld sendete, und nach vergeblichen Unterhandlungen begannen die

> Feindseligkeiten. Zweimal wurden die Östreichcr unter Bouqnoi und Dampierrc geschlagen,

> und den Böhmen auf ihr Andringcn nun auch von Schlesien und Mähren Unterstützung

> zugeführt. Mitten unter diesen Unruhen starb am 20. März 1619 der Kaiser Matthias.

° Die Böhmen erklärten seinen Nachfolger in der östr. Monarchie, den am 28. Aug. l 619t zum röm. Kaiser erwählten Ferdinand 11., weil sie seinen Haß gegen den Protestantismus

. kannten, der böhm. Krone für verlustig und übertrugen dieselbe dem rcformirten Kurfürsten

von der Pfalz, Friedrich V., der sic auch nach einigen Bedenklichkeiten, vorzüglich im Ver-trauen auf die Union und auf die Hülfe seines Schwiegervaters, des KönigsJakob von Eng-land, annahm und am2.Nov. gekrönt wurde. Das Glück begünstigte ihn jedoch nicht lange.Zwar gelang es Thurn, durch die Unterstützung des tapfern Fürsten Bethlen Gaborj (s. d.), der aus Verabredung von Presburg aus vordrang, Bouquoi zurückzutrcibcn Und bisj vor Wien zu kommen, allein schlechte Witterung und Mangel zwangen beide HeerführerI bald zur Umkehr. Ferdinand schloß hierauf einen Waffenstillstand mit Bethlen Gabor, über-trug , nachdem er die Ligue für sich gewonnen, Maximilian den Oberbefehl des Feldzugsund bewilligte ihm Oberöstreich als Unterpfand für dieKriegskosten. Zugleich wußte er auch^ den Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg, gegen unterpfändliche Einräumung der Lau-sitzen, auf seine Seite zu ziehen. Während nun die Union, durch Frankreichs Rücktritt cin-geschüchtert, zu Ulm am 3. Juli 1620 durch einen Friedcnsvertrag mit dem Feinde sich dieHände band, rückte Maximilian ungestört an der Spitze von 30000 M. nach Oberöstrcichvor und zwang die gegen den Kaiser schwierigen Stände zur Huldigung. Mit Bouquoi ver-einigt fiel er dann in Böhmen ein, während der Kurfürst von Sachsen mit 16000 M. sieg-reich in Schlesien vordrang und Spinola mit 20000 M. die Pfalz besetzte. Von zwei Sci-? ten bedrängt, zog sich Friedrich von Pilsen nach Prag zurück, wo am Weißen Berge am 8.

! Nov. 1620 für ihn innerhalb einer Stunde die Schlacht und mit ihr Krone und Kurwürde

^ verloren gingen. Friedrich, vom Kaiser geächtet, floh über Breslau und Berlin nach Hol-land, und Prag und Böhmen mußte sich dem Sieger unterwerfen. Ein strenges Gerichtließ Ferdinand über dieses Land sowie über Mähren ergehen. Die Anführer und Befördererdes Aufruhrs wurden am Leben oder an ihren Gütern gestraft, alle Religionsfreiheiten ver-nichtet, die Jesuiten zurückgesührt, die protestantischen Prediger vertrieben, jeder nicht-katholische Gottesdienst verboten und der Majestätsbrief von Ferdinand eigenhändig zer-- schnitten. Durch diese Maßregeln gezwungen, wanderten mehr als 30000 Familien aus,unter ihnen 185 Geschlechter des Herren- und Ritterstandes. Ganz auf ähnliche Weise ver-I fuhr der Kaiser in Ostreich; auch hier wurde Zeder, der nicht zum katholischen Glauben über-

I trat, Landes verwiesen und seiner Güter beraubt. Die Union aber, die sich zeither so unthätig

> gezeigt hatte, löste sich freiwillig auf..