Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
456
Einzelbild herunterladen
 

456 Drechseln Drechsler

ans Fabelhafte; so soll er unter Anderm ein Schiff, auf welchem er unter dem Wasser zweiMeilen weit, von Westminster bis Greenwich, fuhr, verfertigt und Maschinen erfunden ha-ben, durch welche er eine Kalte, die der des Winters gleich gewesen sei, hervorgebracht habe.Gewiß ist es aber, daß er in der Mechanik und Optik für die damalige Zeit große Kenntnisse ibesaß und mehre Instrumente erfunden hat, z. B. das zusammengesetzte Mikroskop, einMittelding zwischen Teleskop und Mikroskop, und gegen 1630 ein ungleich wichtigeres, dasThermometer, welches nach ihm Halley, Fahrenheit und Neaumur vervollkommneten. DieErfindung des Teleskops wird ihm von Einigen mit Unrecht zugeschrieben. — Nik. D., >ein sonst wenig bekannter Niederländer, der gegen Ende des 17. Jahrh. lebte, entdeckte beiGelegenheit chemischer Versuche, die Kunst, scharlachroth zu färben, welches Geheimnis erseiner Tochter vertraute, deren Ehemann, Cuffler, zuerst in Leyden davon Gebrauch machte.

Drechseln oder Drehen nennt man die Kunst, denKörpern, welchen, in der Dreh-bank cingespannt, eine rundlaufende Bewegung mitgetheilt wird, durch Anwendung ver-schiedener Werkzeuge eine bestimmte Form zu geben. Man dreht Eisen, Stahl, kurz alleMetalle, Holz, Schildkrot, Elfenbein, Bernstein, Marmor, Alabaster u. dgl. Auch die jetztso häufig gebrauchten gedrückten Blechwaarcn werden ebenfalls zumeist auf der Drehbankgemacht, und das sogenannte Nänderircn, wo auf cylindrischen oder ovalen Körpern mitdessinirten Rädchen Verzierungen aufgcdrückt werden, gehört auch hierher. Die Drehbänke ,können verschiedener Art sein; die frühem sogenannten Wippenbänke sind gegenwärtig durchdie unten mit einem Schwungrade versehenen Drehbänke verdrängt. Auf den gewöhnlichen !einfachen Drehbänken werden indeß blos Formen zuwegcgebracht, welche sich aus dem Cy< :linder entwickeln lassen, d. h. nur Eine Achse haben; zur Hervorbringung anderer Formen :dienen die sogenannten Passig- oder Kunstdrehbänke. An diesen ist nämlich eine Vorrichtung !angebracht, mittels deren der zu drechselnde Körper allerhand excentrische und hin - und her- /gehende Bewegungen annehmen kann. Auf diese Weise kann man elliptische, ja sogar vier- 'eckige Körper drehen, Spiralen machen und Verzierungen der verschiedensten Art hervor-bringen. Selbst Portraits, Gruppen und freistehende Figuren werden gedrechselt. All! idiese Arbeiten der Drechslerkunst begreift man unter dem Namen G uillochiren (s.d.), !und die dazu gehörige Drehbank ist die Euillochirmaschine. Die Erfindung der Drehbank sschreibt Diodorus Siculus dem Dädalus oder dem Theodorus von Samos zu, und scheu 'Phidias soll die Drechslerkunst auf Holz und Elfenbein angewendet haben. Alexander der §Große, Artaxerxcs von Persien und Kaiser Rudolf kl. trieben die Drechslcrkunst zu ihrem lVergnügen. Ebenso war auch Luther ein fleißiger Drechsler. Als Gewerbe wird das Drech- .sein gegenwärtig vorzugsweise in Berchtesgaden, Fürth, Geislingen, Gröden in Tirol, Kö- !nigsberg, Neustadt an der Haide, Nürnberg, St.-Georgen bei Baireuth, Seifen im sächs. >Erzgebirge, Sonnenberg im Meiningenschcn, Zöblitz in Sachsen und an andern Orten be-trieben. In der neuern Zeit hat die Dreh- oder Drechselkunst, namentlich durch Voigt-länder in Wien, Maudsley, Shuttleworth und Holzapffel in London vielfältige Verbesse-rungen erfahren. Vgl. Geister, „Der Drechsler" (3 Bdc., Lpz. 1795 —1801), Bohnen-berger, „Beitrag zur höhern Drehkunst" (Nürnb. 1799), GutsMuths, „Praktische An- ,Weisung zur Kunst des Drehens" (Lpz. 1817) und Desormeau, „Die Drehkunst in ihrem -ganzen Umfange" (deutsch von Thon, Jlmen. 1825). »

Drechsler (Jos.), Professor der Harmonielehre an der St.-Annenschule zu Wien,bekannt als Componist und Musiktheoretikcr, geb. 1782 zu Wällischbärchen in Böhmen,widmete sich anfangs in Prag der Theologie, wendete sich aber später in Wien ausschließcndder Musik zu. Nachdem er mehre musikalische Stellen bekleidet, ward er Organist zu St.-Anna und Kapellmeister an der Universttäts- und an der Hofpfarrkirche. Er begründete dieProfessur der Musiktheorie und des Orgelspicls für Schulamtscandidaten, auch bekleideteer eine Zeit lang die Kapellmeisterstelle an der josephstädter, dann an der leopoldstädter Bühne. -Er hat eine ziemliche Anzahl Opern und komischer Singspiele componirt, unter denen sich --namentlich „Der Diamant des Geisterkönigs" und „Das Mädchen aus der Fecnwelt" Ein-gang beim größer» Publicum erworben haben. Von seiner tüchtigen theoretischen Bildung jgeben übrigens mehre Lehrbücher und methodische Schriften, sowie eine nicht geringe Zahl lMessen, Offertorien und andere ernste Compositionen genügendes Zeugniß. >