Drastisch Drebbrl 455
ger an, Dom zu Magdeburg, zum Generalsuperintcndcnten der Provinz Sachsen und zugleichzum evangelischen Bischof ernannt, welche Stelle er bis in die neueste Zeit bekleidete, woer zum Theil in Folge eines pseudonymen Angriffs auf seine amtliche Wirksamkeit und wegeneiner Differenz mit dem Magdeburger Magistrate in der Sache des Pastors Sintenis wieder-holt um seine Entlassung cinkam, die ihm 18-13 mit dem vollen Gehalte bewilligt wurde.Seitdem lebt er in Potsdam, wo er von Zeit zu Zeit vor der königlichen Familie predigt.Unter seinen Schriften, deren er einige, belletristischen Inhalts, in früherer Zeit auch anonymerscheinen ließ, finden sich namentlich bis auf die'neueste Zeit herab viele einzelne Predigtenund Gelcgcnheitsreden, zum Theil unter sehr pikanten Titeln. Seinen Geist und seine Be-redtsamkeit charaktcrifircn vorzüglich seine „Predigten für denkende Verehrer Jesu" (5 Bde.,Lüneb. 1804 — 12; 4.Aufl., 1818); „Glaube, Liebe undHoffnung" (Lüneb. 1813; 6.Aufl.,1834), ein Handbuch für junge Freunde und Freundinnen Jesu; „Deutschlands Wieder-geburt, eine Reihe evangelischer Reden" (3 Bde., Lüb. 1814; 2. Aust., 2 Bde., Lüneb.1818); „Predigtentwürse über freie Texte" (2Bde.,Brem. 1815); „Predigten über die letz-ten Schicksale unserS Herrn" (2 Bde., Lüneb. 1816; 2. Aust., 1818), denen er die „Blickein die letzten Lebenstage Jesu, ein Erbauungsbuch" (Lüneb. 1821) als dritten Band hin-zufügtc; „Predigten über frcigcwähltc Abschnitte der heiligen Schrift" (4 Bde., Lüneb.1817—18); „Christus an das Geschlecht dieser Zeit" (Lüneb. 1819; 3. Aust., 1826, mitdrei „Zugaben", Lüneb. 1826); „Gemälde aus der heiligen Schrift" (4 Sammlungen,Lüneb. 1821—28); „Vom Reich Gottes; Betrachtungen nach der heiligen Schrift" (3 Bde.,Brem. 1836) und „Predigten für denkende Verehrer Jesu" (2 Bde., Lüneb. 1836). Inallen diesen Schriften weht warme, begeisternde, aus Überzeugung hervorgcgangene Liebe zuChristus, als dem Stifter und Mittelpunkte des Gottesreichs, das alle menschliche Verhält-nisse heiligen und erklären soll. Wenn man D. den Jean Paul unter den geistlichen Red-nern nannte, so ist dies insofern wahr, als sich bei ihm Fülle der Gedanken und Gefühle,treffender Witz und Wärme, mit wunderbarer Herrschaft über die Sprache vereinigt findet.Daß hin und wieder etwas Gesuchtes und Spielendes vorkommt, ist nicht zu leugnen. SeineSprache ist sententiös, sodaß sie selbst die Worte dem Gedächtniß willkommen, geläufig undunvergeßlich macht. Die Sucht, D.'s Eigcnthümlichkeiten, selbst die einem geläuterten Ge-schmackc zuwidcrlaufcndcn, sich anzueignen, hat unter den jüngern Predigern manche Ca-ricatur erzeugt. Der erwähnte Angriff auf D. erfolgte in der Schrift „Der Bischof D. undseine amtliche Wirksamkeit in der Provinz Sachsen von G. von C." (Bergen 1840), die wolvieles Wahre enthalten mag, aber in Hinsicht ihrer Pseudonymität sich nicht verthcidigen läßt.
Drastisch bezeichnet überhaupt Alles, was stark und schnell wirkt. Drastische Arz-ncien oder Drastica nennt man besonders die stärker» Abführmittel, z. B. Aloe, Ko-loquinthen, Gummigutt, Skammonium, manche Metallsalze u.s. w. Als Mittel, die denganzen Organismus heftig angreifen und leicht Darmentzündung herbeiführen können, sindsie stets mit großer Vorsicht zu gebrauchen.
Drau oder Drave, einer der bedeutendem Nebenflüsse der Donau im südlichenDeutschland und Ungarn, welches letztere durch ihn von Kroatien und Slawonien getrenntwird, entspringt im östlichen Tirol auf der Nordseitc der cadorischen Alpen und ergießt sichals ein breiter und wasserreicher Strom, nach einem Laufe von etwa 80 M. bei Almas unter-halb Esseg än die Donau. Sie nimmt eine große Zahl Nebenflüsse auf, unter denen die Istund die Mur die wichtigsten sind, und ist von Villach an schiffbar; nur stromaufwärts vonVillach bis Välkcrmarkl ist die Schiffahrt durch starkes Gefälle gehindert.
Drebdel (Cornelius), ein bekannter Physiker und Mechaniker, ursprünglich ein Bauer,gcb. zu Alkmaar in Nordholland 15 72, erlangte bei viel Beobachtungsgeist durch seine mecha-nischen und optischen Versuche in kurzem einen solchen Ruf der Gelehrsamkeit, daß ihmKaiser Ferdinand II. den Unterricht seiner Söhne übertrug und ihn zum Rache ernannte.Im I. 1620 wurde er von den Truppen des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz gefan-gen genommen und seines ganzen Vermögens beraubt; auf Fürsprache des Königs Jakob's 1.von England, des Schwiegervaters Fricdrich's von der Pfalz, aber frcigegebcn. Seit dieserZeit lebte er in steter Beschäftigung mit seiner Wissenschaft zu London, wo er 1634 starb.Die Nachrichten, welche seine Zeitgenossen von seinen Versuchen geben, grenzen zum Theil