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454 Dramaturgie Dräseke

Haupthandlung vor dem Anfänge des Stückes liegt und nicht mehr ungeschehen zu machen 'ist und die Charaktere wie bereits vollständig ausgcführte Gemälde aus dem Rahmen derGanzen fertig hervorspringen. Zum Unterschiede betrachte man dagegen Shakspeare'r„Macbeth" oder Schiller's „Wallenstein" oder Goethe's „Taste", welcher letztere beweist,daß ein Gedicht dramatisch sein kann, selbst wenn die äußern Zustände sich kaum zu verän-dern scheinen, und der Kampf, um den es sich bei dem Drama handelt, auf daß Gcmüthr-leben allein beschränkt ist und rein innerlich und psychisch bleibt. Man hat auch im Dramaepische Begebenheiten; diese aber entwickeln sich in einer Reihe lyrischer Zustände, werden;dadurch zu subjektiven Handlungen, treten hervor und schreiten fort in dialogischer Form und jcrfodern in letzter Instanz, um vollständig gegenwärtig, d. h. als dramatische Handlungen,zu erscheinen und zu wirken, die Vorführung auf der Bühne, die theatralische Darstellung.Daß man jetzt gezwungen ist, ein dramatisches und ein theatralisches Gedicht zu unterschei-den, liegt nur an den Mißverhältnissen zwischen der modernen Bühne und der Poesie, in-dem jene hinter dieser zurückgeblieben ist und beide sich nicht an - und durcheinander Harms-irisch entwickelt haben.

Dramaturgie heißt die Kcnntniß der Regeln der Kunst, ein Drama zu dichten undauf der Bühne darzustellcn, welche die Drama tu rgik lehrt und sie umfaßt, demnach dieganze Poetik des Drama und die Theorie der Schauspielkunst, die Schauspicllehre. Les-sin g (s. d.) war der Erste, der in seiner „Dramaturgie" (> 768) die Bahn zur kiefern dra-matischen Kritik brach und in diesem Werke einen Schah der reichhaltigsten Bemerkungenüber theatralische Kunst nicderlegte. Das „Dramaturgische Etwas" von Bode und Clau-dius (Hamb. >774) reicht zwar ebenso wenig als Schink's „Dramaturgische Blätter" anLes-sing's Werk; doch verdienen beide Arbeiten genannt zu werden. A.W. von Schlegel'sss.d.j .meisterhafte „Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur" (1809) berühren nur ei« tSeite der Dramaturgie. Nächstdcm ist zu erwähnen Schmidt's „Dramaturgische Aphsrii-men", Zimmermann's und insbesondere Ticck's „Dramaturgische Blätter". Dramalm-gische Andeutungen finden sich überall zerstreut, so besonders beachtenswcrthc bei Goethe, i»Schiller's „Horen" und „Thalia", in den ästhetischen Lehrbüchern von Boutcrwek, Eber-hard, Jean Paul Richter u. s. w.; in Engcl's „Ideen zur Mimik", in Snlzcr's „Theorieder schönen Künste" mit Blankenburg's'Zusähcn, in Eschenburg's, A. Schreiber s, Scckerdorsis, Thürnagel's, Hcbenstreit's u. A. hierher gehörenden Schriften; in den dramatischenAlmanachcn von Jffland, Klingcmann, Schmidt, Müllncr und Reichard, in Lcwald's „All^gemeiner Thcatcrrevue", Jeittclles' „Ästhetischem Lexikon" und im „Allgemeinen Theaterlcxikon". Was die gegenwärtigen sogenannten Theaterzcitungen und die dramaturgische»Aufsätze und,Thcatcrberichte in den belletristischen Journalen betrifft, so bilden diese im Gan-zen eine so chaotische undramaturgische Masse, daß selbst das wenige Gute und Brauchbare,besonders bei der Indifferenz des Schauspielers, unbeachtet und nngchörk verklingt.

Draperie, vom sranz. d. i. Tuch, in technologischer Hinsicht, sowie als Tueb-manufactur, Tuchhandel, nennt man bei den bildenden Künsten im weitern Sinne jede j»rVerzierung dienende und vorzugsweise auf dem leichten und reichen Faltenwürfe beruhend!,Anordnung und Darstellung von Gewändern, Stoffen und Zeugen. Im cngern Sinnt ^versteht man darunter, besonders in der Malerei und Bildhauerei, die Bekleidung einer 8>gur mit einem Gewand (s. d.).

Dräseke (Joh. Heim. Beruh.), evangelischer Bischof, geb. am >8. Jan. >774 zujBraunschweig, erhielt seine Bildung im Carolinum düselbst und seit >792 auf der Universität zu Helmstedt. Nachdem er eine kurze Zeit Hauslehrer zu Ratzcburg und seit >795 D'»konus zu Möllen im Hcrzogthum Laucnbnrg gewesen war, erhielt er >798 die mit dein^Scholarchat verbundene Hauptpredigerstelle daselbst, worauf er >804 Pastor zu St.-Ecorgin Ratzeburg wurde. Im Nov. >814 folgte er dem Rufe als Pastor an die St.-Ansgariikirche zu Bremen. Hier empfing er am Reformationsjubiläum > 8 > 7 von der Univer-lsität zu Jena den Grad eines Licewtiaten der Theologie und >819 von der zu Rostock, bnGelegenheit ihrer 409jährigen Stiftungsfeier, die theologische Doctorwürde. Die ihm l82>wiederholt angctragene Generalsuperintendentrer zu Koburg lehnte er ab, und >828 erhielter den Titel eines sachsen-koburgischen Kirchenraths. Im I. >832 wurde er zum ersten Predi«