Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

442

Dossi

Dotatiou

plumpen Angriffe Charpentier's, cines Nachbeters von Aristoteles, vertheidigte. Hieraufstudirtc er zu Bourges epntcr Cujas die Rechte und betrat mit besonderer Protection desberühmten Paul de Foix die juristische Laufbahn. Derselbe verschaffte ihm den Posten einesRaths zu Melun. Diese Stelle scheint indessen eine Sinecure gewesen zu sein, wenigstensbegleitete er kurze Zeit nach seiner Bestallung seinen Gönner nach Italien. In Rom machteihn derselbe zu seinem Gesandtschaftssecrrtair, eine Stelle, die er auch unter dem Cardinalvon Este und dem Cardinal von Joyeusc bekleidete. Nach dem Sturze Villeroi's schlug erden Platz desselben, den man ihm anbot, aus, um den Schein der Undankbarkeit zu ver>meiden. Von der Witwe Heinrich's lll. beauftragt, die Leichenfeierlichkcit dieses unglück-lichen Fürsten beim Papste durchzusctzen, leitete er dieses schwierige Geschäft mit so großerGeschicklichkeit, daß er, selbst nachdem er sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogenhatte, bei den wichtiger» diplomatischen Unterhandlungen in Italien immer noch bcthei-ligt blieb. Sully ließ cs D. hart entgelten, daß derselbe der Günstling Villeroi's war, sodaß ihm seine letzten Lebensjahre verbittert wurden. Er starb am >3. März >604. Vgl. derMad. Darconville „Vio <I» csreliiml II." (2 Bde., Par. >771). Die Briefe D.'s an Villeroi(herausgcg. von La Houssaye, 2 Bde., Par. >697, 4.; und zu Amsterd., 5 Bde., >732)können als Muster des diplomatischen Stils gelten. Wol nicht mit Unrecht hat man die unterdem Namen des Cardinals von Joyeusc herausgegcbenc Korrespondenz D. zugeschrieben.

Dossi (Dosso), ein berühmter ital. Maler, geb. >479 in der Nähe von Ferrara, hattevorzüglich den Herzog Alfons zum Gönner und ward von Ariosto, dessen Bild er meister-haft malte, in seinem „Orlsmlo furioso" verewigt. Er starb zu Ferrara >560. Dic älternEigenthümlichkeitcn der serraresischen Schule wußte er zu einer höhern Vollendung zu ent-wickeln, indem er sich den Kunstrichtungen seiner großen Zeitgenossen anschloß. So näherteer sich in gewissem Betracht der Behandlungsweise Tizian's, mit welchem er auch gemein-schaftlich und in Einem Sinne einige Gemächer des Alfonsinischen Schlosses malte. Seinedortigen Bilder stellen Bacchanale mit verschiedenen Spielen von Faunen, Satyrn undNymphen vor. In andern Bildern ahmte er den Rafael nach. Unter den acht in Dresdenbefindlichen Gemälden D.'s zeichnet sich der Disput der vier Kirchenlehrer durch genaueZeichnung, mit eigener Kraft des Colorits und ganz im Tizian'schcn Stile, als ein Meister-werk aus.— Sein Bruder, G iovanni Bap tista D., ist zwar weniger berühmt, waraber ein guter Landschaft-, - und Historienmaler.

Dost Mohammed, s. Afghanistan.

Dotation bezeichnet ursprünglich im Civilrechte die Aussteuer bei Eheverhältnissenund zwar sowol den Act wie den Gegenstand der Handlung. Der rüm. Klerus, der dieFiction von Familienverhältnissen gern auf die Kirche übertrug und diesem Gleichnisse dieausgedehnteste, oft ungehörigste Anwendung gab, foderte von dem Gründer oder geistlichenVater einer kirchlichen Anstalt, daß derselbe sein Kind, d. h. die Stiftung, mit den gehörigenMitteln ausstatte, dotire. In diesem Sinne spricht man noch gegenwärtig von kirchlichenDotationen, von Kirchen - und Pfarrdotalen u. s. w. Diese bildliche Bezeichnung ging abernicht nur in die gewöhnlichen Lebcnsverhältnisse über, sodaß man jede Ausstattung irgendeiner Anstalt, Stiftung oder eines Ordens, Dotation in dem zweifachen Verständniß desWortes nannte, sondern auch in die Politik, namentlich ins Lehnwesen. So hießen bei de»Langobarden die von dem Könige den Vasallen überlassenen Grundstücke eroberter LänderDotationen. Etwas Ähnliches begründete in neuerer Zeit der Kaiser Napoleon. Er verliehseinen ausgezeichnetsten Dienern und Generalen die durch Eroberung ihm selbst oder demsranz. Reiche vorbehaltenen Güter fremder Staaten und nannte diese Verleihungen Dota-tionen. Dieselben hatten sämmtlich den Charakter von Lehen, und zwar von Majoraten;mit ihnen waren theilweise Hoheitsrechte verbunden, theilwcise bestandest sie aus einem Adcls-titel mit einer entsprechenden Dotation an Renten oder Gütern. Unter die ersteren gehörtendie förmlichen Vasallenstaaten in Italien, die Herzogthümer Dalmatien, Istrien, Friaul,Belluno, Bassano, Cadore, Treviso, Feltre, Vicenza, Concgliano, Padua und Novigo.In dieser Art wurde zuerst >806 dem Marschall Berthicr das von Preußen abgetreteneFürstenkhum Neufchatcl verliehen, Talleyrand zum Herzoge von Benevent, Bernadottezum Herzoge von Pontccorvo erhoben. Dieselben waren souveraine Fürsten, aber zugleich