Druckschrift 
4 (1845) D bis Entern
Entstehung
Seite
440
Einzelbild herunterladen
 

440 Dorset (Familie) Dortmund

bau, Schafzucht und Fischfang; Wollen-, Hanf- und Leinweberei und Handel mit den La»,descrzeugnissen. Die Hauptstadt ist Dorchester (s. d.).

Dorset war früher der Name der Familie Beaufort (s. d.); später aber wurde erder Familie Sackville, die von Hildebrand Sackvillc, einem der normannischen Häuptlinge,die mit Wilhelm dem Eroberer nach England kamen, abstammt, als Grafentitel verliehen.Der erste Graf von D. war Thom. Sackville, geb. 1536, der l557 ins Unterhaus ge-wählt wurde und später als Lord Buckhurst ins Oberhaus trat. An dem Processe des Her-zcgs von Norfolk wie an dem der unglücklichen Maria Stuart nahm er blutigen Antheil.Lord Leicester brachte ihn zwar nachher bei der Königin in Ungnade; doch nach Leicesm'sTode wendete sich Elisabeth, die mit ihm verwandt war, nur um so mehr zu, machte ihn zumKanzler der Universität Oxford und 1598 zum Großschahmeister. Nach dem Tode der Kö-nigin bemühte er sich in seiner hohen Stellung für König Jakob 1., der ihn dafür zum Gra-fen von D. erhob. D. starb 1606 und ist der Verfasser des bekannten „Mirroue »f um-gßstratos" (1559), eines erzählenden Gedichts, sowie der ersten regelrechten engl. Tragödie„Kerrex sini korrsx", die seit 1565 öfter und seit 1590 unter dem Titel ge-

druckt erschien. — Eduard Sackville, Graf von D., der Enkel des Vorigen, geb.1590, wurde unter Jakob >. zu den wichtigsten Staatsgeschäften gebraucht. Bekannt ist erinsbesondere als Vertheidiger des der Fälschung angeklagtcn Kanzlers Bacon de Verulam imUnterhause. Als Karl I., bei dem D. wegen seiner Rechtschaffenheit in großem Ansehenstand, 16-10 nach Schottland reiste, ward er zum Reichsverweser ernannt. In dem Streiledes Königs mit der Nation stand er demselben erst vermittelnd, dann kämpfend zur Seite.Die Hinrichtung des Königs erschütterte ihn so, daß er bald darauf, 1652, starb. — Charl.Sackvillc, Graf von D-, bekannt als Dichter und Staatsmann, geb. am2i. Jan.3637, stand, ohne ein Amt zu bekleiden, am Hofe Karl's II. in großem Ansehen. Im I.>'665 begleitete er den Herzog von Aork in den Krieg gegen die Holländer; hier dichtete ervor dem großen Seetreffen das auf der engl. Flotte beliebte Lied „ck'o all ^o» lackies nonul IrunI". Unter Jakob II. war er mit Eifer den Staatsangelegenheiten zugethan; am HofeWilhelm's II. aber glänzte er als Schöngeist. Er starb 1705 zu Bach. Seine Gedichtesind gesammelt in Johnson's Ausgabe brik. Dichter (Land. 1791). — Lionel Chom-ficld, des Vorigen Sohn, wurde >720 von Georg I. zum Herzog von D. erhoben.— John George Frederic, Herzog von D., gest. 1815, vererbte seine Besitz-thümer und Würden auf seinen Vetter, Charl. Eermain, Viscount von Sackvilleund Baron Buckhurst, geb. 1767, der unter Georg IV. und Wilhelm IV. das Amt einesOberstallmeisters bekleidete und am 29. Juli >813 ohne Leibcserben verstarb, sodaß derHerzogstitel mit ihm erlosch.

Dortmund, im Regierungsbezirk Arnsberg der preuß. Provinz Westfalen, frühereine freie Reichs - und Hansestadt, zählt 7000 E-, die neben Ackerbau und einiger Industrienamentlich beträchtlichen Gctreidehandel treiben. Sie ist der Sitz eines Oberbcrgamts undhat ein Gymnasium. Hier stand die alte Kaiserburg Munda, in der der Graf Trutmann,welchen Karl der Große 788 mit der Grafschaft Dortmund belehnte, seinen Sitz hatte. ImI. 800 wurde D. zur Stadt erhoben und bald nachher soll Karl der Große den oberstenStuhl des westfäl. Freischöffengerichts daselbst gestiftet haben; wie er denn auch 808 denBau des dasigen Doms begann, welchen Ludwig der Fromme vollendete. Heinrich II. hieltm D. 1005 eine Kirchenversammlung, und 1016 einen Reichstag. Überhaupt war D.Jahrhunderte lang häufig der Ort der kaiserlichen Hofhaltung. Als Friedrich I. daselbst1180 einen Reichstag hielt, saß er selbst als Stuhlherr zu Gericht; auch Kaiser Karl IV.verweilte hier 1327 längere Zeit. Eine merkwürdige, 21>nonatiiche Belagerung hielt D.1387 und 1388 aus und erkämpfte sich einen ehrenvollen Frieden. Im 16. Jahrh. hatte esgegen 50 Thürme, vier Bastionen und dreifache breite Mauern; es zählte 10000 Häuserund gegen 50000 E. und besaß seit 15-13 eins der drei Archigymnasien Westfalens. Sei-nen Hauptflor gab ihm die Hanse. Es hatte damals große Fabriken in Tuch, Eisen undHüten, ansehnliche Bierbrauereien und war der Stapelplatz zwischen Antwerpen und Bre-men, auf welchem alle durchgehende Waaren drei Tage zum Verkauf ausgestellt werdenmußten. Aber innere Unruhen, die allmälige Auflösung der Hanse, die Religionskriege im

!

>

l

4