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D-elphi
2. Ort. 1777 zu Toulouse, genoß eine sehr mittelmäßige Erziehung, da sein Vater in be-schränkten Umständen lebte, bis Larrey, ein Onkel des berühmten Arztes gleiches Namens,das in dem Knaben schlummernde Talent erkannte und ihn unter seiner Anleitung im Hos-pital zu Toulouse zum Arzte bildete. Nachdem D. 1811 in Montpellier promovirt, wen-dete er sich nach Paris, wo er sich Boyer's Gunst erwarb und durch seine Vorträge über Chi-rurgie vorzüglich die Studirenden aus dem südlichen Frankreich an sich zog. Im I. 1812folgte er dem Rufe als Professor der chirurgischen Klinik nach Montpellier, in welcher Stel-lung er sich als Lehrer und als Operateur einen solchen Ruhm erwarb, daß man ihn als denWiederhcrsteller der Chirurgie im südlichen Frankreich bezeichnet. Später erhielt er den Ti-tel als Leibarzt des Königs und des Herzogs von Angouleme. SeineVorträge fesselten durchLebendigkeit das Interesse der Zuhörer; seine Operationen verrichtete er mit außerordentli-cher Geschicklichkeit; besonders entwickelte er in der Anlegung von Verbänden eine eigcnthüm-liche Fertigkeit. Geliebt und geehrt von seinen Mitbürgern, seinen Kranken und skinen Schü-lern, wollte es ihm doch nicht gelingen, sich die Zuneigung seiner Collegen in gleichemGrade zu sichern, was wol seinem etwas zu großen Ehrgeize zuzuschreiben war. Eintragischer Tod endete sein Leben am 29. Oct. 1832; ein früherer Patient von ihm,der schon wegen eines Mordversuchs in Haft gewesen war, tödtete ihn durch einen Flin-tenschuß, wie man sagt, aus Rache. Seine hauptsächlichsten Schriften sind „krecis ele-wentsiro ckss mslackies reputees cinriirgicales" (3 Bde., Par. 1816), „(Hui-gie clini-ljue 6« Älolitpellier ou observstions et rellexions tirees <les travaux <Ie la diinHue clii-rurAicsle cke cette ecole" (2 Bde., Montpell. 1823—29, -1.; deutsch, Wenn. 1826) und„De I'ortllnirioi-pine par rspport s I'espece lmmsins" (2Bde., Par. 1828).
Delphi, der Sitz des berühmtesten Orakels des alten Griechenlands, auf dessen Stellejetzt das ärmliche DorfKastri steht, war im Alterthume eine kleine, aber beiweitem die wich-tigste Stadt in Phocis, am südwestlichen Abhange des Parnassus, und soll nach Einigen vonDelphos, dem Sohne des Apollon und der Keläno, nach Andern von dem in einen Delphinverwandelten Sonncngotte seinen Namen erhalten haben. Der Umfang der Stadt war nichtbedeutend; außerhalb der Mauern auf dem höchsten Punkte der Umgegend war das Orakeldes Apollon nebst allen dazu gehörigen Tempelgebäuden, und man nannte diesen Theil derStadt Pythia. Der kastalische Quell bespülte den Tempel des Apollon, sowie die Heiligthü-mer der Leto, Artemis und Pallas Athene. Nachdem Apollon, erzählt die Mythe, den Dra-chen Pytho getödtet, und an dem Orte, wo dieses geschehen, sein Hciligthum zu gründen be-schlossen hatte, erblickte er ein Handelsschiff aus Kreta. Sogleich sprang er in Gestalt einesUngeheuern Delphins ins Meer, stürzte sich in das Schiff und zwang es, vor Pylos, wohines bestimmt war, vorbei und in den Hafen von Krissa einzulaufen. Als die Kretenser ansLand getreten waren, erschien Apollon in herrlicher Jünglingsgestalt und verkündigte ihnen,daß sic nie in ihr Vaterland zurückkehren, sondern als Priester ihm in seinem Tempel dienensollten. Begeistert und mit Lobgesängen folgten die Kretenser dem Gott zu seinem Heilig-thume und wurden hierauf die Gründer der Stadt Delphi. Der Ort, wo die Orakelsprüchecrtheilt wurden, war die Höhle Pythium, deren Entdeckung die Sage einem Hirten zu-schrcibt, der am Fuße des Parnaß weidete und von dem berauschenden Dunste, der ihm ausderselben entgcgenkam, in prophetische Begeisterung versetzt wurde. Seitdem stellte manüber die Felskluft, welche man in den Tempel einschloß, den heiligen Dreifuß (Tripus), aufwelchem die Priesterin, Pythia genannt, die begeisternden Dünste und mit ihnen die Einge-bung des delphischen Gottes empfing und verkündete. Wenn sie zuvor den Leib und beson»ders das Haar in dem nahen kastalischen Quell gebadet, dann mit Lorbcr bekränzt, auf demmst Lorber geschmückten Dreifuß sich niedergelassen und den dabei stehenden Lorberbaum ge-schüttelt, auch wol einige Blätter davon genossen hatte, gcricth fie in den Zustand der Ent-zückung. Ihr Gesicht wechselte die Farbe, ein Schauer durchlief ihre Glieder und aus ihremMunde tönten Klaggeschrei und langes Stöhnen. Dieser Zustand stieg bald zur Wuth.Die Augen funkelten, der Mund schäumte, die Haare sträubten sich, und von dem aufstci-genden Dunste fast erstickt, mußten die Priester die Ringende auf dem Sitze gewaltsam zu-rückhaltcn, worauf sie dann unter fürchterlichem Geheul anfing, einzelne Worte auszustoßcn,welche die Priester mit Sorgfalt aufsaßtcn, ordneten und schriftlich dem Fragenden überlie-