134 Delisches Problem Delisle
maßes im Genuß geistiger Getränke, vorzüglich des Branntweins, eintretcnde Störung derGcistesthätigkciten mit Zittern der Gliedmaßen. Die Krankheit ist meist nach einigen Tagenbeendet, geht aber auch in Gehirnentzündung über und endet dann, wie auch durch hinzuge-kommenen Schlagfluß, tödtlich. Es wird diese Krankheit bei jeder Wiederkehr gefährlicher,und das einzige Mittel gegen Rückfälle ist das allmälige Entziehen des Lieblingsgctränks.
Delisches Problem heißt die im griech. Alterthume berühmte geometrische Auf-gabe, die Seite eines Würfels zu finden, dessen Inhalt doppelt so groß ist als ein anderergegebener Würfel. Die Veranlassung dazu wird von der Sage auf verschiedene Weise an-gegeben. Die eine Sage erzählt, König Minos habe seinem Sohne Elaukus ein Grabmalerrichten lassen wollen. Die Bauleute hätten dazu einen Würfel gewählt, der 199 F. lang,breit und hoch war. Minos habe das Denkmal zu klein gefunden und es doppelt so großan körperlichen Inhalt haben wollen. So sei die Frage entstanden, wie die Seiten zweierWürfel sich verhalten, deren einer doppelt so groß ist als der andere. Andere bringen dieSache mit Delos in Verbindung und erzählen, daß das dortige Orakel des Apollon, alswährend einer Pest, welche auf Delos wüthete, die Einwohner dasselbe befragten, die Ant-wort gegeben habe, sie sollten den Altar des Apollon, der die Form eines Würfels hatte,noch einmal so groß machen. Das habe man gethan, gleichwol habe die Pest nicht nachge-lassen und bei wiederholter Anfrage habe das Orakel erklärt, daß der Altar die Würfelformbehalten müsse und die vorgenommene Vergrößerung, bei der man dies nicht beachtet, un-richtig sei. Diese Aufgabe brachte, wie damals, nach der Sage, die Einwohner von Delos,so später die Gelehrten in große Verlegenheit; selbst Platon, welchen jene um Rath gefragtihaben sollen, wußte keine Auflösung des Problems zu geben und nahm zu Ausreden seineZuflucht. Übrigens ist die Aufgabe älter; schon vor Platon fiel Hippokratcs von Chios (nichtmit dem Arzte gleiches Namens zu verwechseln) darauf und fand, daß es nur darauf an-komme, zu zwei gegebenen Linien zwei mittlere Proportionallinien zu construiren. Späterbeschäftigten sich Eratosthenes, Nikomedes, Heron u. A. ohne genügenden Erfolg damit.Apollonius brauchte zur Auflösung dieser Aufgabe die Kegelschnitte, ebenso Menächmus;Nikomedes die von ihm zu diesem Zwecke erfundene krumme Linie, welche er Conchoidenannte, Dioklcs die Cissoide, u.s.w. Die analytische Behandlung, die Descartes in die Geo-metrie entführte, zeigte diese Aufgabe bald in ihrem wahren Lichte. Man sah, daß sie nurein ganz besonderer Fall der Auflösung einer sogenannten cubischcn Gleichung sei, und daßsie sich durch den Durchschnitt zweier Kegelschnitte, deren einer auch ein Kreis sein kann,darstellcn lasse. Descartes brauchte, was das Einfachste ist, die Parabel mit dem Kreise;man kann aber auch die Hyperbel mit dem Kreise oder zwei Parabeln brauchen u. s. w.Wenn die Seite eines gegebenen Würfels u ist, so ist die Seite eines doppelt so großen Wür-fels gleich 1,259921. g. Vgl. Montucla, „biistoili! il<?8 reebercbes sur In c)Uiu!r»t»re «Incvrcle" (Par. 1754; neueste Aufl., 1831) und Reimer, „tkistoria probleilmtiz <Ie culiilluplicatione" (Gött. 1798).
Delisle oder D e l'Jsle (Claude), franz. Geograph und Historiker, geb. zu Vau-coulcurs am 5. Nov. 1644, studirte die Rechte und ward Advocat, wendete sich aber späterder Geschichte zu und erhielt in solcher eine Professur. Der Regent, derHerzog von Orleans,dessen Lehrer er gewesen war, ernannte ihn später znm Censor und zu seinem Secretair. Erstarb zn Paris am 2. Mai 1729. Seine Hauptwerke sind der „^tlns tiistorchne «t Feogm-z,Iiic;uc" (Par. 171 8 , 4.) ; ,,^lusß« tle I'IlistoilL universelle" (7 Bde., Par. 1731), „liitro-eluetion a In Feogrnpkie" (2 Bde., Par. 1746) und ,,'1'rnite «1« clirvnolciAis" zusammengc-druckt mit Pe'tau's „^brege ebronologigue" (3 Bde., Par. 1739). — Sein ältester Sohn,G uillaum e D., der eigentliche Begründer des geographischen Systems der Neuern, geb.am 28. Febr. 1675 zu Paris, verricth schon in der Kindheit seine Neigung zur Geographie.Von Cassini unterrichtet, entwickelte sich sein Geist so schnell, daß er früh de» Gedanken faßte,Dem ganzen Gebäude der Geographie eine neue Grundlage zu geben. Zm I. >799 gab ereine Weltkarte, Karten voy Europa, Asien und Afrika, einen Himmels- und einen Erd-globus von einem Fuß im Durchmesser heraus. Dabei legte er, was seine Vorgänger, meistblindlings den Längenbestimmungen des Ptolemäus folgend, vernachlässigt hatten, die biszu seiner Zeit gemachten astronomischen Beobachtungen zum Grunde, die er aber mit de»