Delille Delirium 133
Aufsicht und den Schutz eines von ihnen eingesetzte» Residenten. Seil dieser Zeit gehört D.zu den brit. Besitzungen in Indien und hat sich durch die Bemühungen der Engländer umbessern Anbau des Landes und ourch Beförderung des Handels und der Industrie zu eini-germaßen bedeutendem Wohlstand und Glanz wicdererhobcn.
Delille (Jacq.) auch Delislc, der berühmteste didaktische Dichter der Franzosen,war der natürliche Sohn eines Advocatcn Montanicr, weshalb er sich auch Montanicr-Delille nannte, gcb. am 22. Juni >738 zu Aigue-Persc in Auvergne. Nachdem er imCollege Lisieux und später im College zu Amiens seine Bildung vollendet hatte, trat er zu-erst mit seiner Übersetzung der „Georgien" Virgil's auf (Par. I77V, 4.). Dem Aufsehen,das diese freie Nachdichtung machte, verdankte D. eine Anstellung am College de France;später begleitete er den Herzog von Choiseul-Gouffier, der als franz. Gesandter nach Kon-stantinopel ging. Seine erste selbständige Dichtung „Des jnrckins v,i I'srt ck'embellirpu)s<,j;es" (Par. 1782; verm.Aufl., 1801) fand zwar anfangs den Beifall nicht, der sei-ner Übersetzung Virgil's, die er später noch durch Bearbeitung der „Äncide" (1803) ver-mehrte, geworden war, gilt aber wol mit Recht für eins der bessern Lehrgedichte, welche dieFranzosen aufzuweiscn haben. Beim Beginn der Revolution verlorD. fast sein ganzes Vcr-mögen, lehnte aber, weil er dem alten Regime treu bleiben wollte, nichtsdestoweniger eineStelle im Institut, die man ihm anbot, ab, bis er sie später, als man sie ihm wiederholt an-trug, annahm. Seit 179a lebte er von Paris entfernt und dichtete während seines Aufent-halts in der Schweiz seinen „klömme <1es cimmps NU les genrgicpies frsnysises" (Strasb.1802, 4.; deutsch von Müller, Lp;. 1801), mit dessen Entwurf er sich 20 Jahre beschäftigthatte. Der Anblick der Leiden seines Vaterlandes erzeugte das Gedicht „Da pitie" (Par.1802; Lond. 1805, 4.), durch eine Reihe lieblicher und rührender Gemälde anziehend.Von Basel begab sich D..nach London, wo er indessen nicht zu den Emigranten gezähltwurde. Nachdem er seine Übertragung des „Verlorenen Paradieses" (Lond. 1805) vollendethatte, kehrte er in sein Vaterland zurück und ließ seine „Trois reines cks In imtine"(2 Bde., Par. 1808, 4.), zu denen Cuvier Anmerkungen schrieb, und sein Gedicht „Du con-versiun" (Par. 1812) erscheinen. D. ist ein Dichter, dem die beschreibenden Partien beson-ders gelangen; wo er begeistert werden will, wird er rhetorisch, und die schone, ausgefeilteForm, von der seine Zeitgenossen besonders zur Bewunderung hingerissen wurden, läßt unskalt und entschädigt nicht für die Prosa, welche mehr oder weniger aller didaktischen Poesieanhaftct. Als Eigenthümlichkcit erzählt man, daß D., wie ehemals Tasso, seine Verse, bevorer sie niedcrschricb, im Kopfe ausarbeitete und im Stande war, sic vollständig im Gedächt-nisse zu bewahren. Er starb am 1. Mai 1813, nachdem er einige Zeit vorher das Gesichtverloren hatte. Nach seinem Tode erschien „De ckepsrt <I'Lcken" (Par. 1815). Seine Ge-sammtwcrkc sind öfter erschienen, am vollständigsten zu Paris 1824—25 (16 Bde.).
Delirium nennt man eigentlich einen den äußern Umständen widersprechenden Jdccn-gang, der in dem inner« Zustande des Gehirns seinen Grund hat, oder mit andern Worteneine Verwirrung des Urtheils durch einen Fehler der Anschauung bewirkt, den der Verstandnicht zu verbessern vermag. Gewöhnlich bezeichnet man indcß mit diesem Worte nur denvorübergehenden symptomatischen Zustand, in welchen Fieberkranke verfallen, wenn dieKrankheit sich ihrem Höhepunkte nähert, oder wenn die sogenannte Exacerbation, eine gestei-gerte Thätigkeit der Krankheit, die gewöhnlich des Abends stattfindet, eintcitt und denFunctionen der Sinneswcrkzcuge und des Gehirns Eintrag thut. Man sagt dann: derKranke phantasirt. Das Delirium kann z. B. in schweren Nervenfiebern wochenlang an-halten, ohne daß die Seele davon auch noch später leidet, wenn die körperliche Krankheitschwindet; bleiben jedoch Seelenstörungen zurück, so sind sie durch die Krankheit bedingt,deren Symptom das Delirium war. Man nimmt zwei Hauptverschicdcnhcitrn dieses Zu-standes an, das sanfte Delirium (miteseublsnckum), welches sich nur durch verkehrtesSprechen und ruhige Bewegungen kundgibt, und das wilde Delirium (ler»x), in welchem derKranke durch einen blinden, den Willen unterjochenden Trieb zu heftigen, gewaltsamen Hand-lungen gezwungen wird. Im Ganzen findet auch hier, wie bei allen Krankheiten, eine Stu-fcnlcitcr mit vielfältig verschiedenen, oft untereinander combinirtcn Zuständen statt. — DasDelirium tremens, der Säuferwahnsinn oder das Saufcrzittcrn. ist eine in Folge dcsÜbcr-