122 Defanira Dejean
genommen wird. Zuweilen seht man dem Deismus den Offenbarungsglauben entgegen undversteht unter einem Deisten Denjenigen, welcher zwar an das Dasein und an die Weltrc-gieruug Gottes glaubt, aber die Offenbarung verwirft oder doch seinen Glauben an Gottund die göttlichen Dinge blos auf Gründe der Vernunft, nicht auf das Zcugniß der Offen-barung baut. Kant unterschied ganz willkürlich zwischen Deismus und Theismus so, daßder crstere zwar eine höchste und letzte Ursache kller Dinge, die er Gott nenne, nicht aber einfreies und vernünftiges Wesen als den Urheber aller Dinge annehme, der letztere aber dasDasein eines lebendigen Gottes, eines mit Verstand und Freiheit begabten Wesens, welchesder Schöpfer und Regierer der Welt sei, behaupte. — Deisten oder Freidenker nannteman im 17. und 18. Jahrh. eine Reihe Männer, welche auf dem Grunde freier Prüfungdie natürliche Religion zur Norm und Regel aller positiven Religion erheben wollten undsomit die Vorläufer des Nationalismus waren. Die, von welchen man den obigen Namenvorzugsweise gebraucht, waren meist Engländer. Es gehören zu ihnen Herbert von Cher-bury (s. d ), Eharl. Blonnt, geb. 1654; John Toland, gcb. >670, dessen Schrift „Cbristia-»itp not m^steri-uis" (Lond. >702) die Richtung der Deisten sehr bestimmt aussprach;Anthony Ashley Coopcr, Graf von Shaftesbury (s. d.); Anthony Collins, geb. 1676,der persönliche Freund Locke's; Thom. Wo olston ls. d.), Matthews Tindal, gcb. >656,der Verfasser der Schrift „(7ür!sti<>nitp as viel ss tbe creution: or tbe gnspel r> re>>„b!i-Ciition of tbe religinn ok Iiature" (Lond. 17 30), der Viscount Bolingbro ke (s. d.) u. A.Vgl. Lechler, „Geschichte des engl. Deismus" (Stuttg. und Tüb. 1841).
Dejanira, die Tochter des Öneus, Königs von Kalydonien in Ätolien, nach Hygindes Dionysos und der Althäa, die Schwester des Meleager, wurde von Hercules dem Ä ch c-lous (s. d.), dem sie verlobt war, nach einem heftigen Kampfe genommen. Als er auf demWege mit ihr durch den Fluß Evenus, dessen Flute» angeschwollen waren, aufgchaltenwurde, erbot sich der Centaur Ncssus, die D. auf seinem Nucken über den Fluß zu tragen.Hercules nahm das Anerbieten an und ging zuerst durch den Fluß; da er aber am andernUfer angclangt war, sah er, daß der Centaur, weit entfernt, die D. über den Fluß zu tragen,vielmehr Alles anwandte, sie zur Untreue gegen ihn zu bewegen. Von Zorn entbrannt schoßer einen vom Blute der Lern äischen Schlange (s. d.) vergifteten Pfeil nach ihm ab.Nessus, der seinen herannahenden Tod fühlte, gab der D. sein blutiges Gewand mit der Be-deutung, daß, wenn sie ihren Gemahl überreden könne, es zu tragen, dieses das sichersteMittel sei, ihn stets an sich zu fesseln. Die D. nahm das Geschenk, das nach Andern ineinem Liebestrank bestand, leichtgläubig an, sandte es später, wegen der Jole von Eifersuchtgeplagt, ihrem Gemahl und bereitete ihm so, ohne es zu wollen, einen schrecklichen Tod(s. Her c u l e s)', worauf sie einen Strick ergriff und sich erhing.
Dejean (Pierre Franc. Aime Aug., Graf), Pair von Frankreich und Gcnerallieute-nant, einer der berühmtesten Entomologen der neuesten Zeit, wurde zu Amiens 1780 gebo-ren und stndirte anfangs Medicin. Noch sehr jung trat er indcß in den Militairdienst, be-gleitete seinen Vater, der im holländ. Feldzüge das Geniecorps commandirte, und zeichnetesich später aus als Commandant eines gegen Spanien fechtenden Dragonerregiments. DerGroßen Armee zugesellt, focht er in fast allen Schlachten des ruff. Feldzugs; bei Waterloowurde er Adjutant Napolcon's. Fouche, den er beleidigt hatte, setzte ihn 1815 auf die Pro-scriptionslistcn. Im I. 1818 aus dem Exil zurückgekehrt, blieb er bis 1830 Generallieute-nant außer Dienst. Nach seinem Wiedereintritte machte er den Feldzug in Belgien mit.Berühmter noch als durch seine militairischen Leistungen ist D. durch seine Verdienste umdie Entomologie, insbesondere die Käfcrkunde. Bon Jugend auf dieser Wissenschaft geneigt,benutzte er sogar seine Feldzüge zur Vermehrung seiner Sammlungen und brachte nament-lich aus dem entomologisch kaum gekannten Spanien außerordentlich Vieles und Neuesmit. Durch eine während seines Exils nach Jllyrien-unternommene Reise und durch Ver-bindung mit fast allen namhaften Entomologen Europas erhob er seine Sammlung zurgrößten des Contincnts. Er machte sie nützlich durch einen 1821 erschienenen, die Käfer um-fassenden systematischen Katalog (2. Aust., 1833—37), der allen Sammlern unentbehrlichist, ferner durch sein System der.Käfer („8pecie» generales 6e« colöoptöres", 5 Bde., Par