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versetzte damit dem wüthenden Noyalismus einen Schlag, der ihm nie verziehen wurde.Bei Eröffnung der Sitzung der neuen Kammer vertheidigte er sich mit großer Geschicklichkeitnicht nur gegen die Angriffe der Ultras, sondern gab auch einen ziemlich frcimüthigen Re-chenschaftsbericht über die Anwendung des.Ausnahmegesetzes; dann legte er mehre Ent-würfe vor, welche den Prcßzwang und die Policeigewalt milderten und stimmte für dascingebrachte, von den Doctrinaires (s. d.) verfaßte Wahlgesetz, das der Mittelclaffe inder Kammer die Oberhand verschaffen und die Extreme ausschließcn mußte. Eigentlich hatteer aber ein anderes Wahlsystem im Sinne, nach dem allerdings die Interessen gleichmäßi-ger vertreten worden wären; allein die Umstände gcbotm ihm Nachgiebigkeit, besonders ge-gen die Ansicht des Königs. Hatte schon bei den ersten Ergänzungswahlen, die der Si-tzung von >817—18 vorangingen, der Liberalismus in der Kammer ein großes Überge-wicht erhalten, so verschafften die von 1818—19 demselben den vollständigen Sieg, ob-schon die erzürnten Ultraroyalisten Alles aufboten, das Wahlgesetz bei den Pairs, demKönige, selbst dem Volke sowie die Politik und die Mäßigung des Policeiministers zu vcr-dächtigen. Endlich ließ der König das Wahlgesetz fallen, da der zu Ende des 1.1818 vomKongresse zu Aachen zurückkehrcnde Herzog von Richelieu auf die Abschaffung desselbendrang, und beauftragte den letztem mit der Bildung eines neuen Ministeriums, das abernicht zu Stande kam. Hierauf mußte wieder D. mit der Bildung eines Ministeriums be-auftragt werden, in das er den Marquis Dessollcs als Premierminister, den Grafen Eou-vion St.-Cyr, den Baron Louis, den Grafen Portal und den Deputaten Deserre berief,und in welchem er selbst sich das Portefeuille des Innern vorbchielt, mit dem die Policciver-waltung verschmolzen ward. Noch in derselben Sitzung von 1819 wurden nun von demMinisterium die Presse freigegcben, die Ausnahmegesetze gegen die persönliche Freiheit abge-schafft und auf den Rath D.'s die Majorität für das angcfochtene Wahlgesetz in der Pairs-kammer durch die Ernennung von 6N neuen, der Regierung ergebenen Mitgliedern hergestellt.
Diese letztere Maßregel, die wichtigste wol, die D. ausführte, erzürnte die nun allent-halben ihres gesetzlichen Einflusses beraubten Ultraroyalisten. Man redete dem Könige vor,daß D. den Thron aufs neue dem revolutionairen Abgrunde zuführe, und der schwache Mon-arch entschloß sich, nach dem KamMerschlusse von 1819 die Abänderung des Wahlgesetzesdurch ein anderes Ministerium cinzuleitcn. Dessollcs, St.-Cyr und Louis, die ohne diesesGesetz nicht regieren wollten, traten ab; D. aber blieb und berief am 19. Nov. 1819 einneues Cabinet, in das der Marquis de Latour-Maubourg, der Graf Roy und der BaronPasquier eintraten, und in dem er sich selbst die Präsidentschaft und das Portefeuille desInnern vorbehielt. Dieses Schaukelsystem, zu dem sick D., wie es scheint, aus persönlicherRücksicht für den König hinrcißcn ließ, mußte ihn bei allen Parteien, die er nacheinanderhatte fallen lassen, in gänzlichen Verruf bringen. Als die Parteien von der bevorstehendenVeränderung des Wahlgesetzes hörten, erhoben sich von neuem die Umtriebe. Jeder suchtedie Gelegenheit in seinem Interesse auszubeuten, besonders war aber der Ultraroyalismusbemüht, jeden Rest constitutioneller Gesinnung, die dem Ministerium bei dieser neuen Com-bination geblieben, zu erdrücken. Die Ermordung dos Herzogs von Bern am 13. Febr.1820 wurde von den Ultras zu einer Anklage gegen D. benutzt, dessen revolutionaire Po-litik den Mörder bewaffnet haben sollte. Als hierauf D-, über die Folgen und den Zusam-menhang des Attentats ungewiß, vor der Kammer neue Ausnahmegesetze verlangte, verlie-ßen ihn nicht allein die Anhänger der konstitutionellen Regierung, sondern auch die Roya-listen, er wurde sogar persönlich beleidigt und von einem wüthenden Deputirten der Theil-nahme am Morde geziehen, sodaß er sich genöthigt sah, am 17. Febr. das Portefeuille abzu-geben. D. war weder ein Staatsmann von großen Ideen noch ein bedeutender Redner,dessenungeachtet muß man bedauern, daß ein Talent wie das seinige sich in diesen Partei-stürmen so fruchtlos abnutzte. Ein bleibendes Denkmal hat er sich während seiner kurzenVerwaltung des Innern dadurch gesetzt, daß er so viel als möglich den hühern UnterrichtFrankreichs reorganisirte, Gewerbe und Wissenschaften aufmunterte und eine Menge An-stalten, z. B. die franz. Industrieausstellung, Ackerbauschulen u. s. w., ins Leben rief. Vgl.Guizot, „Du guuveincment <1s Io krsnee ciepuis Is restsnrstion ei ein Ministers seine!"(Par. 1820) und „Des mo^ens cke gauvernement et li'Opposition cksns I'etst sctuel cke