102 Decatiren Decaux
Text zu Redoutc's „klantes girassv«" (Par. 1799—1803, 3.) eine'„^;trsxaIaAia" (Par.1802) und viele kleine Arbeiten Ruf erwarb. Seit >802 zum Professor an der genferAkademie ernannt, zog er vor, in Paris z» bleiben, wo er am College de France seine erstenbotanischen Vorlesungen hielt und l 801 durch die ersten Bände seiner „klore kraa^säse",welche, ungeachtet Lamarck's Namen auf dem Titel, allein sein Werk ist, sich unvergänglichesVerdienst erwarb. Von der Regierung beauftragt, bereiste er von 1806—12 alle ProvinzenFrankreichs und das Königreich Italien, um botanische und agronomische Forschungen an-zustellen, und wurde an der Herstellung eines großen statistischen Werks über den Ackerbau >Frankreichs durch die Katastrophe von >811 gehindert. Die ihm 1807 übertragene Pro-fessur zu Montpellier trat er l 810 wirklich an; in kurzer Zeit machte er den dortigen bota-nischen Garten zu einem der bedeutendsten und wirkte mächtig auf die Studirenden durchseinen ebenso gründlichen als anziehenden Unterricht. Als erste Frucht seiner akademischenArbeiten erschien ,,'I'lleorie elementaire cle Is botonigue" (1813; 2. Aust., 1816), die eineMenge neuer und tüchtiger Ansichten in Umlauf brachte, von welchen einige, z. B. die Lehrevon Verwachsung oder regelmäßiger Verkümmerung gewisser Organe, kanonisches Ansehenerhalten haben. Der Fall Napolcon's änderte D.'s Stellung, denn als Schützling desselbenlief er Gefahr, ein Opfer der blutigen Reackion zu werden, welche im südlichen Frankreich dieRückkehr der Bourbons 'bezeichnen. Er ging nach dem unabhängig gewordenen Gens zu-rück, wo der Staatsrath für ihn eine Professur erschuf, die er am 8. Nov. 1816 antrat undbis zu seinem Tode bekleidete. Seine außerordentliche, von einer seltenen Gewalt über dieSprache und einer einnehmenden Persönlichkeit unterstützte Lchrgabc veranlaßte, daß erseine Thätigkeit weit über den gewöhnlichen akademischen Kreis ausdehnen konnte, und vorzahlreichen Kreisen der höher» Gesellschaft sowie der Fremden, die seinetwillen in Genf ver-weilten, Vorlesungen zu halten gcnöthigt wurde. In diese Zeit fällt eines der umfassendsten 'Unternehmen der neuern Botanik, welches D. durch rastlosen Verkehr mit fast allen nam-haften Botanikern der Welk zwar seit geraumer Zeit vorbereitet hatte, mit dem er aber erst1818 hervortrat, und das er bis zu seinem Tode mit beispiellosem Enthusiasmus fortführte,der „UrvckrnmuL s^stemstii, naturalis regni vegctsbilis" (Bd. 1—9, Par. 1821 sg.), demein „liegin ve^etabilis sxstema naturale" (2 Bdc., Par. 1818—21) vorausging. DerTod eines Sohns hatte schon 1825 D.'s Gesundheit untergraben; körperliche Leiden traten1835 hinzu und verbitterten seine letzten Lebensjahre durch ununterbrochene Kränklich-keit. Er starb in Folge einer Wassersucht am 9. Sept. 1811. Seine Sammlungen, wor-unter sein wohlgeordnetes Herbarium von mehr als 70000 Pflanzenarten, vermachte erseinem Sohne Alphonse D., jedoch unter der Bedingung, dieselben dem öffentlichenGebrauche frei zu geben und den „krackromus" fortzusetzen. Die Verdienste D.'s um die >Botanik sind ungemein groß, denn seiner geistreichen und eigenthümlichen Behandlung iß *es zuzuschreiben, wenn das sogenannte natürliche System überall sich ausbrcitcte und seineGrundlagen immer fester wurden; er bleibt auch dann noch ein tiefblickender, mit glücklich-ster Combinationsgabe ausgerüsteter Systematiker, wo er in seinen Beobachtungen nichtglücklich oder gründlich genug war. Nob. Brown urtheilte von ihm, „daß sein Kopf noch >besser sei als sein Auge". Jede Vergleichung D.'s mit Linne ist als unstatthaft zu betrach- -ten, da die Richtung beider Gelehrten eine ganz verschiedene war, Jeder von Grundgedankenbeherrscht wurde, die mit denjenigen des Andern nichts gemein hatten, Beide in Auffassungund Ausführung sich nicht entfernt glichen, äußere Schicksale und individueller Charaktereine ganz unähnliche Entwickelung bedingten, und der gerechte Bcurtheiler in beiden eineGleichheit nur dann erblicken kann, daß Jeder für seineZcit und nach Maßgabe des Standesder Wissenschaft das Größte gewirkt hat.
Decatiren nennt man das in Frankreich erfundene, jetzt allgemein angewandte tech-nische Verfahren, zufolge dessen das Tuch, nachdem cs völlig zubereitct ist und eine scharfePresse erhalten hat, der Einwirkung von Wasserdämpfcn ausgesetzt wird, um demselben,nach nochmals erfolgter Pressung, einen dauerhafter» als den früher gewöhnlichen Preß-glanz zu geben. Mannichfache Apparate für diesen Zweck sind neuerdings angegeben worden.
Decaux (Louis Victor Blacquetot, Vicomte), Gcnerallieutenant und Pair vonFrankreich, geb. 1775 zu Douai von einer angesehenen, dem Kriegsdienste gewidmeten Farm-