Deca Decandolle 101
Mahnung werth sind. Die Stadt ist der Sitz eines reformirten Superintendenten und hataußerdem ci» rcformirtes Collegium, ein Piaristencollegium mit einem Gymnasium, einekatholische Hauptschule und mehre wohlthätige Anstalten. Die Einwohner, ungefähr46000, meist Magyaren, die die Ungar. Sprache in ihrer höchsten Reinheit sprechen, beken-nen sich größtenteils zur reformirten Kirche und zeichnen sich durch großen Gewerbfleiß aus.Sie verfertigen namentlich wollene Zeuge, Mäntel, Leder, Schuhe, Kämme, Drechsler-,Holz- und Kürschnerwaaren, Knöpfe, namentlich aber sogenannte Debrecziner Seife sowierothe und schwarze thönerne Pfeifenköpfe (jährlich an I I Mill.) und Taback, auch backensie ausgezeichnetes Weizcnbrot und Lebkuchen. Außer den genannten Fabrikaten treiben sieauf den vier großen jährlichen Märkten starken Handel mit Hornvieh, Pferden, Schwei-nen, Speck, Wachs und Honig. Endlich gibt es beträchtliche Salpetersiedereien, Bierbraue-reien und Branntweinbrennereien. Die Stadt hatte sowol in den Kämpfen zwischen denTürken und Ungarn, wie später des Glaubens wegen, nachdem sich die Bewohner 1567 aufeiner hier gehaltenen Synode dem reformirten Glaubensbckenntniß zugewendet, viel zu lei-den, so namentlich 1686 durch den kaiserlichen General Graf Caraffa. Auf dem hier 1711gehaltenen Congreß unterwarfen sich die Ungarn dem habsburgischen Hause.
Deca bedeutet im neufranz. Maßsysteme, vor der Benennung eines Maßes oder Ge-wichts stehend und mit derselben zu einem Worte verbunden, das Zehnfache dieses Maßesoder Gewichts; demnach ist ein Decametre soviel als lOMetrcs, eine Decare so viel als10 Ares, ein Decagramm so siel als 10 Grammes u. s. w. Ganz ebenso bedeutet dasVorsehwort Deci den zehnten Theil des darauf folgenden Maßes oder Gewichts, z. B.Decimetre, Decilitre, Decigramm bedeuten '/,» Metre, V,» Litre, '/,<> Gramm.
Decade, vom griech. Worte ckercäp, d. h. eine Zahlengröße von zehn, wurde die zehn-tägige Woche im republikanischen Kalender der Franzosen genannt, der nach dieser Einthei-lung vecaelrier hieß. (S. Kalender.) Jeder der 12 Monate, die 30 Tage zählten, zer-fiel in drei Decades. Die einzelnen Tage der Decade hießen primicki, ckuocki, tricki, qusr-tilü, guiliticli, sextilli, septilli, octicki, nonicli und ckkcacii. Der «iecacki oder zehnte Tag war,wie der christliche Sonntag, der Ruhe, und da )>ie Republik keine bestimmte Religion aner-kannte, der Übung und Anregung zur Tugend gewidmet. Das republikanische Jahr, das36 Decaden zählte, hatte sonach nur 360 Tage; die fünf fehlenden Tage des Sonnenjahrs(im Schaltjahre sechs) wurden am Schluffe des Jahrs, also vor dem 22. Sept., wo dasJahr anfing, ohne besonders gezählt zu werden, zu Festtagen verwendet. — Decade nanntesich auch in der Revolutionszeit ein politisch-wissenschaftliches, vielgelesenes Wochenblatt,das vom Jahre II (1794) an zu Paris erschien, im Jahre XIII den Titel „Revue" annahmund 1817 mit dem „Ulercure" verschmolzen ward.
Decandolle (Augustin Pyrame), der berühmte Naturforscher, stammt von einer alt-adeligen Familie der Provence, die der Glaubensverfolgungen wegen 1558 nach Genf aus-wandcrte, wo D. am 4.Febr. 1778, wenige Tage nach Linnens Tode (10. Jan.), geborenwurde. In das Gymnasium seiner Vaterstadt ausgenommen, zeichnete er sich durch poeti-sches Talent und umfängliche Kenntniß der elastischen Dichter aus; später fand er so großenGenuß in geschichtlichen Studien, daß er den Entschluß faßte, sich zum Historiker zu bilden.Sein Vater, Syndikus zu Genf, war durch die Revolution gezwungen worden, sich auf einLandgut bei Pverdon zurückzuziehen. Theils das Leben in der Natur, vorzüglich'aber dieanregenden Vorlesungen, welche Vaucher (s. d.) 1796 in Genf hielt, gaben ihm eine andereRichtung. Er ging nach Paris, brachte den Winter 1796—97 im Hause seines väterlichenFreundes Dolomieu zu, besuchte die Vorlesungen der großen Chemiker und Physiker jenerZeit, Vauquelin, Fourcroy und Charl. Portal und wurde mit Lamarck und DcsfontaineSgenau bekannt. In allen seinen spätern Schriften findet man in Folge dieser Studien dasStreben, Botanik mit Chemie und Physik in Verbindung zu bringen, besonders aber in demvortrefflichen Werke „Rsssi surlesproprietes möckieales lies pliintes" (Par. 1804; 2. Ausl.,1816; deutsch von Perleb mit werthvollen Zusätzen, Aarau 1818). Die Vereinigung Genfsmit der sranz. Republik (1798) zerstörte D.'s Aussichten auf eine Anstellung in seiner Va-terstadt; er vertauschte daher das Studium der Rechte mit demjenigen der Medicin undging wieder nach Paris, wo er durch Artikel in der „Lucxdopeäie mötbockigue", durch den