David (Pierre Jean) Davids 95
und edlere Auffassung in die franz. Malerei gebracht zu haben. Die Nachahmung der An-tike, welche er auf die Bahn brachte, wurde von mehren seiner Schüler ins Affectirte getrie-ben, und dies bewirkte, daß seiner Schule, aus welcher die ausgezeichnetsten Meister hervor-gegangen sind, sich endlich die der Romantiker entgegenstellte, die jedoch nur durch entgegen-gesetzte Fehler zu imponiren suchte. Die vorzüglichsten seiner Gemälde, wie der Schwur derHoratier, die Sabinerinnen, wurden von der franz. Negierung angekauft.
David (Pierre Jean), einer der ausgezeichnetsten und gefeiertsten Bildhauer der Ge-genwart, geb. 1789, nach Andern 1792, zu Angers in Frankreich, erhielt den ersten Unter-richt im Zeichnen in seiner Vaterstadt. Später begab er sich zur weitern Ausbildung nachParis, wo er anfangs, aus Mangel an den nöthigsten Mitteln zum Unterhalt, sehr kümmer-lich lebte, bis er das Glück hatte, die Aufmerksamkeit des berühmten Malers David (s. d.)auf sich zu ziehen und von demselben unentgeltlich in sein Lehratelier ausgenommen zu wer-den, worauf dann auch seine Vaterstadt ihm einen Jahrgehalt von SO» Francs bis zumEnde seiner Künstlerlehrjahre aussetzte. Im I. 1811 erwarb er mit dem Basrelief, welchesden Tod des Epaminondas darstellt, den ersten Preis der Bildhauerei in der Kunstschuleund hiermit eine Pension, die ihn in den Stand setzte, seine künstlerische Bildung in Italienzu vollenden. Den Aufenthalt in Rom benutzte er vorzüglich dazu, die Meisterwerke deralten Kunst zu studiren und Canova's Atelier zu besuchen. Erst 1816 kehrte er nach Pariszurück; bald nachher ging er nach London, um die von Lord Elgin aus Griechenland mit-gebrachten Bildwerke vom Parthenon zu sehen. In London wurde ihm der Antrag gemacht,eine Denksäule zum Andenken an die Schlacht von Waterloo auszuführen, den er jedoch mitVerachtung von sich wies. Nach seiner Rückkehr nach Paris gingen zahlreiche Werke dertrefflichsten Art, Büsten, Reliefs und Statuen, in rascher Folge aus seiner Hand hervor, wo-bei seine technische Gewandtheit von der Lebhaftigkeit seiner Phantasie und Auffassungs-gabe aufs glücklichste unterstützt wurde. Schnell gewann er einen begründeten Ruf und inFolge davon auch eine unabhängige Lage. Im I. 1822 vollendete er die kolossale Statuedes Königs Nene (gegenwärtig zu Aix), sowie eine heilige Cacilia, zwei Jahre nachher dasMonument Bonchamp's für die Kirche St.-Florent; im folgenden Jahre die Statue Fene-lon's für die Kathedralkirche zu Cambray. Jm J. 1826 wurde er Mitglied der Akademie derschönen Künste und Professor an der Kunstschule in Paris. Nachdem er 1827 die kolossaleStatue des Prinzen Conde vollendet, ging er 1829, um Goethe's Büste zu modelliren, nachWeimar. Kolossal in Marmor ausgeführt, wurde diese Büste 1831 in der Bibliothek zuWeimar ausgestellt. So gerühmt indeß diese Arbeit ist, so ist sie doch von einem sehr über-triebenen Streben, geistreich sein zu wollen, keineswegs frei zu sprechen. Nachdem er in dieserZeit und den nächstfolgenden Jahren in Paris eine Menge ausgezeichneter Arbeiten, nament-lich Statuen vollendet, unternahm er 1834 eine neue Reise durch Deutschland, wo er inStuttgart Dannecker, in München Schelling, in Dresden L. Tieck und in Berlin Rauchsämmtlich in kolossaler Größe modellirte und viele andere Portraitsbildnisse fertigte. Imfolgenden Jahre beschäftigte ihn die Ausschmückung des Giebelfeldes am Pantheon, wo-mit er bald nach der Julirevolution beauftragt ward, und die er 1837 beendigte. Nächst,dem arbeitete er die berühmte Reihe sämmtlicher tragischer und komischer Dichter, jeder vondreien seiner personificirten Werke begleitet, zur Verzierung des Schauspielsaals im Odeon.Die von ihm gefertigten Büsten und Reliefportraits bilden eine höchst interessante Galerievon mehr als 300 Bildnissen der berühmtesten Zeitgenossen. D. ist als Mensch ebenso lie-benswürdig und achtungswerth, wie als Künstler ausgezeichnet. Seine Behandlung desThons und Marmors beim Modelliren und Ausführen unterscheidet sich bedeutend von derin Deutschland allgemein herrschenden Weise. Er liebt nicht das Glatte, ebenso wenig dasstreng Stilistische der Antike; er hat eine überaus kräftige, wirksame und daher besondersfür kolossale Bildwerke geeignete Manier, und mit Wärme der Begeisterung, mit kühnemSchwünge der Hand führt er seine Gedanken aus. In der Portraitbildnerei, der er sich vonJugend auf mit Vorliebe gewidmet, ist er Meister.
Davids (Asher Lumley), ein jüd. Gelehrter, in der engl. Grafschaft Hamp am 28. Aug.1811 geboren, war der einzige Sohn einer unbemitteltenFamilie. Nach des Vaters Tode zogdie Mutter, Sarah, nach London; dort'widmete sich D. mit ausgezeichnetem Erfolge den