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Danzig
Danzig, eine wichtige Handelsstadt und Festung am westlichen Ufer der Weichsel,eine Meile von der Ostsee, die Hauptstadt des Regierungsbezirks gleiches Namens in derProvinz Preußen, vormals Westpreußen, mit dem Hafenorte Neufahrwasser, welchendie Forts Westerschanze und Weichselmänd'e vertheidigen, hat eine höchst anmuthige Lagein einer schönen Gegend und wird von den Flüssen Nadaune und Motlau umflossen, dochist sie weder regelmäßig noch schön gebaut. Sie zerfällt in die Alt-, Recht-, Nieder- undVorstadt, in den Langgartcn und die Spcicherinscl und hat ohne die neun Vorstädte etwasüber eine halbe Meile im Umfange. Als Festung ersten Rangs ist D. von einem Haupt-wall mit nassen Gräben umgeben und theils nach altdeutscher theils nach altholländ. Weisebefestigt. Außer den eigentlichen Werken schützen die Stadt die Citadellen des Bischofs-,Hagels- und Zigankabergs. Sie ist der Sitz mehrer Behörden, eines Oberlandesgerichtssowie eines Admiralitätscollegiums, unter welchem eine Navigationsschule steht. Unter denöffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus die Oberpfarrkirche zu St.-Maricn, eine der größtenKirchen Europas, mit dem jüngsten Gerichte und mehren andern Gemälden der Brüdervan Eyk, die Katharinenkirche mit dem Grabmal des Astronomen Hevel, das große Nach-halls, das Regierungsgebäude, das alte Zeughaus, das Gouvcrnementshaus, die Synagoge,der Junker-oder Arthurhof und die Börse. Überhaupt hat D. zwölf protestantische, siebenkatholische und zwei rcformirte Kirchen; außerdem ein akademisches Gymnasium, eineHandelsakademie (seit 1832), zwei höhere Bürgerschulen und mehre wissenschaftliche Samm-lungen und Anstalten der Wohlthätigkeit und des Gcmeinsinns. Auch besteht daselbst seit1742 eine Naturforschende Gesellschaft. .Die Zahl der Einwohner in der Stadt und denVorstädten beläuft sich, einschließlich von 15700 Katholiken, 2600 Juden und 600 Men-nonitcn, auf 63000. Neben nicht unbedeutenden Manufacturen in goldenen und silbernenBorden, Tuch, wollenen Zeugen und Corduan unterhalten sie beträchtliche Färbereien,Zuckersiedereien, Waid- und Pottaschenfabrikcn. Ein Haupthandelszweig für D., frühernoch mehr als gegenwärtig, ist dcrVerkehr mitGetreide und Holz, welches aus Polen auf derWeichsel zugeführt wird. Wegen seiner bedeutenden Wcizenausfuhr nach England, Hol-land und den Hansestädten ward es auch sonst die Kornkammer des Nordens genannt. An-dere Ausfuhrgcgenstände sind Holz, Leder, Wolle, Pelzwerk, Butter, Talg, Wachs, Pech,Pottasche, Hanf, Flachs, Federn, ein berühmtes Bier und Liqueur, das sogenannte Gold-wasser. Der schöne Hafen und die vortheilhafte Lage geben der Stadt einen großen Einflußauf den Land - und Seehandel, sodaß sie, wie sie sonst ein bedeutendes Glied im Bunde deralten Hansa war, gegenwärtig eine der wichtigsten Seehandelsstädte des preuß. Staats ist.Doch hat in neuester Zeit in Folge des ruff. Absperrungssystems auch der Handel in D.verloren. Im Süden der Stadt zwischen der Weichsel und Nogat liegt der fruchtbareWerder, eine Insel. Vgl. Löschin, „D. und seine Umgebungen" (Danz. 1836).
Unter dem Namen 6eclanuw, vantisciun, poln. Lclanslc, kommt die Stadt schon im10. Jahrh. vor. Lange stritten sich Dänen und Schweden, Pommern und die DeutschenRitter um ihren Besitz und öfters wechselten ihre Herrscher. Nachdem sie 1310 unter dieHerrschaft des Deutschen Ordens gekommen, stellte die Thätigkcit der Einwohner den durchöftere Kriege verminderten Wohlstand bald wieder her und gab der Bürgerschaft ein Kraft-gcfühl, sodaß sie sich 1454 für unabhängig vom Deutschen Orden erklärte und von der Re-publik Polen als selbständig anerkannt wurde. Die Stadt hatte ihr eigenes Gesetzbuch, dieDanziger Willkür, und erweiterte bald bedeutend ihr Gebiet. Die Oberhoheit des Kö-nigs von Polen repräsentirte ein Glied des Stadtraths, welches den Titel Burggraf führte.Die Stadt schlug ihre eigene Münze mit des Königs von Polen Bildnisse, hielt in Warschauihren Secretair und stimmte auf Reichstagen und bei Königswahlen. Nach der Weichselzu durch Wälder und Moräste beinahe unzugänglich, während die Niederung leicht unterWasser zu setzen war, nach der Landseite vielfach, wenn auch sehr schwerfällig befestigt, imBesitze eines Gebiets mit 33 sehr wohlhabenden Dörfern und der Danziger Höhe, einersandigen Erdzunge mit dem Städtchen Hela, die den Meerbusen, das Pauzkerwieck, bildet,hatte sie damals eine politische und militairische Bedeutung. Jene verlor sie, als PreußensGrenzen ihr näher rückten; diese wurde ihr später um so gefährlicher. Seit 1772 gleichsamvom preuß. Gebiet umschlossen, während auch die Weichsel und das Fahrwasser in preuß.