66 Dänische Sprache, Literatur und Kunst
Bei den jungem dän. Philologen bemerkt man ein tiefer eingehendes Streben; hierher ge-hören O. Kellermann mit seinem Werke über lat. Epigraphik; I. N. Madvig, der mehreSchriften des Cicero, den Lucrctius und Juvenalis kritisch bearbeitete; L. F. W. Hen-richsen, bekannt durch seine gründliche Bearbeitung des Cicero „De nrutore" und seine „Be-leuchtung der neugriechischen Aussprache der hellenischen Sprache" (1836); C. W. Elbcr-ling, der wichtige Beiträge zur Textkritik des Cäsar und eine tüchtige Ausgabe des Terenzmit antiquarischem Commentar geliefert hat, und E. F. Boysen, ein gründlicher Kenner derantiken Musik und bekannt durch seine Ausgabe des Sallust (1837). Jngerslev's Ausgabeder „Jliade" (1836) enthält die Hauptresuitate der neuern Forschungen über die Homeri-schen Gedichte seit Heyne. Lange's „Griech. Schulgrammatik" (2. Ausg-, 1836) und Arne-sen's „Griech.-dän. Lexikon" (2 Bde., 1836), meist auf dem Grunde von Passow, sind ver-dienstvolle Arbeiten. Das Übersetzen der Alten hat sich in Dänemark erst in diesem Zahrh.zu einer Kunst ausgebildet, wozu theilS die Biegsamkeit und der Wohllaut der Sprache,theils die vielen darauf gerichteten Bestrebungen mächtig beigetragen haben. F. H. Guld-berg's Übersetzungen des Tibull und Martial sind in metrischer Beziehung meisterhaft zunennen und in seiner Übersetzung des Plautus (4 Bde., 1869 fg.) kämpft er mannhaft mitder vielverzweigten Aufgabe. Auch S. Meisling's zahlreiche Arbeiten in diesem Fache zeich-nen sich durch große Fertigkeit in der technischen Behandlung der Verse und poetisches Ta-lent aus. Die fleißige Fibiger'sche Übersetzung des Sophokles ist nicht ohne große Härten.Dagegen ist Paul Möller's Übersetzung eines Theils der „Odyssee" eine höchst gelungeneArbeit, und mit wahrem künstlerischen Streben ist die Übersetzung der „Jliade" und „Odyssee"von F. C. Wilster ausgeführt. Unter den Übersetzungen der Prosaiker sind die des Liviusund einiger Neben des Cicero von N.Möller besonders hervorzuheben. Für die Erforschungder griech. und rüm. Mythe wurde nur gelegentlich Einiges geleistet. Grundtvig's ^Nor-dische Mythologie" (2. Ausl., 1832) ist das Hauptwerk in dieser Gattung. Eine spätereUntersuchung von M. Hammcrich über den Ragnaroksmythus (1836) zeugt von Fleiß undTalent. Reich ist auch das in Magnusen's Eddalehre (4 Bde., 182-1—26) aufgeschichteteMaterial. Auf astronomisch-kalendarischer Grundlage stehen Knud Henneberg's tiefgehendeUntcrsuchungen.übcr die Bedeutung der Edda (1812).
Mit der Öffnung und Bearbeitung der historischen Quellen ging die Geschichtsfor-schung Hand inHand, und auch die Geschichtschreibung blieb nicht unangebaut. P.E. Mül-ler half durch seine „Sagabibliothek" einem tiefgefühlten Bedürfnisse auf die befriedigendsteWeise ab. Seine „Untersuchungen über die Sagengeschichte Dänemarks und Norwegensoder über die Glaubwürdigkeit der Quellen Saxo's und Snorro'ö" (1823) gehören zu demTrefflichsten, was die historische Kritik geleistet hat. Verschiedene Beiträge zur historischenForschung lieferten auch L. Engelstoft und I. Möller in dem „Historischen Kalender"(3 Bde., 1814—17) und Letzterer in der „Mnemosyne" (4 Bde., 1836—33). Chr. Mol-bcch's Monographien aus der dän. Geschichte zeugen von Forschungs- und Darstellungs-gabe. Vedel Simonsen erörterte in seiner Schrift „Über die ältesten und wichtigsten Perio-den der Nationalgeschichte" (3 Bde., 1813—16) einige interessante Punkte des Mittelal-ters mit Geist und Gelehrsamkeit; seine „Borgruiner" (1813) lassen nur bedauern, daß sieso schnell abgebrochen wurden. Ein Historiker im vorzüglichsten Sinne ist Grundtvig, mäch-tig in der Bewältigung des Stoffs sowol der Geschichte als der damit verbundenen Litera-tur, hinreißend in der Darstellung, voll glühender Liebe zum nordischen Vaterlande. Derins Einzelne gehende Fleiß ist in E. C. Werlauff's Untersuchungen über einzelne Gegen-stände der dän. Geschichte so unverkennbar als verdienstlich. G. L. B aden' s (s. d.) „Dan-marks Niges Historie" (5 Bde., 1829—32) ist das Ergebniß ernster Studien; allein desVerfassers Ungerechtigkeit gegen Alles, was ihm nicht behagt, hat das Werk zum Theil un-genießbar gemacht; dagegen wurde von ihm in einzelnen Untersuchungen („SamledeAf-handlinger", 5 Bde.) Bedeutendes geleistet. Ein herrlicher Geist verblühte früh in F. L.Jahn, dessen umfassende Studien der Kriegsgeschichte ihn zum Geschichtschreiber überhauptbildeten; eine reife Frucht seines Strebens liegt vor in der „Politisch-militairischen Ge-schichte Dänemarks unter den Unionskönigen" (1835). Tiefgehende Forschungen über dieältere Geschichte des Nordens enthalten N. M. Petersen's „Sagengeschichte Dänemarks"