Dänemark (Geschichte) 57
beseitigt sind. Eine der unglücklichsten Folgen des Kriegs von 18V8—15 war die völligeHemmung des Handels und der Untergang vieler betriebsamen Handelshäuser durch dasAusbringen einer großen Anzahl von Kauffahrteischiffen. Am meisten litt der Handel Ko-penhagens ; von dem früher so blühenden ostindischen Handel ist kaum ein Schatten zurückund auch der Frachthandel aufs Mittclmeer und der Handel auf Amerika und Westindienist bedeutend verringert. Dahingegen ist der Handel der Mittelstädte im Zunehmen, gleichdem Ausfuhrhandel mit Landesproducten. Der jährlichen officiellen Kundmachung zufolgehat sich die Ausfuhr des Getreides, als Hauptproduct der dän. Staaten, nach der Fremde inden letzten zehn Jahren verdoppelt, sodaß mehr als 2 Mill. Tonnen Getreides jährlich aus-geführt worden sind. Bedeutend ist auch der Handel mit Ochsen aus Jütland, Schleswigund Holstein nach Hamburg; die Ausfuhr von Butter hat sich, wie die Kornausfuhr, auchmeist zum Doppelten vermehrt. Der Pferdehandel, welcher vor einigen Jahren in Abnahmewar, steigert sich jetzt wieder einigermaßen, sowie die Bemühungen der Regierung und derEinwohner sich wieder begegnen, um der sehr in Verfall gerathenen Pferdezucht ihre alteVorzüglichkeit und den vormaligen Ruhm wicderzugeb'en. Privatvcreine in verschiedenenTheilen des Reichs suchen diesen Zweck mittels Anstellung jährlicher Pferdeschau, jährlicherWettrennen und vorzüglich durch Verbreitung der besten Pferderacen zu erreichen. Der pa-triotisch gesinnte Herzog von Augustenburg ist hierin mit einem glänzenden Beispiele voran-gegangen, und seine Bemühungen sind vielfach mit einem glücklichen Erfolge gekrönt. Durchdie Zollverordnung von 1797 ward der erste Schritt gethan, de» bis dahin geltenden Grund-sah aufzugeben, den Handel und die Industrie des Landes durch hohe Zollabgaben oderProhibitionen der Einfuhr fremder Waaren zu fördern; ein in der letzten Zeit erschienenesZollgesetz ist in demselben Geiste weiter fortgeschritten. Unter mehren die Förderung des in-uird ausländischen Verkehrs beabzweckcnden Veranstaltungen sind noch zu erwähnen die1839 angelegte Kunststraße zwischen Kiel und Hamburg, die 1829 vollendete Hafenan-lage bei Helsingör, der neue Hasen der kleinen Seestadt Frederikshavn auf der gefahrvollenNordostküste Jütlands, seit 1839, die Unterhaltung eines Leuchtfeuerschiffs, seit 1827, zurWarnung vor dem Trindel, der gefährlichsten Untiefe des Kattegats, und in neuester Zeitdie Anlegung einer Eisenbahn von Altona nach Kiel.
Die dän. Regierung war im Anfänge der Periode seit 1783 bis ins 19. Jahrh. hineinoffenbar dem Volke vorangeeilt und suchte es zu sich hinanzuziehen; allein ein echtes Volks-leben kann weder in einer Schule erlernt noch von einem Vormund hervorgelockt werden,es kann nur durch sich selbst, durch unmittelbare Theilnahme des Volks an den öffentlichenAnlagen ausgebildct werden. Eine stärkere Schwingung des erwachenden Volksbewußt,seins zeigte sich jedoch bei den Neactionen gegen die Folgen der franz. Revolution und diedurch dieselbe hcrvorgcbrachte Erschütterung; in der neunjährigen Periode von VernstorfffsTode bis zur Errichtung des Continentalsystems (1896) sehen wir neben einer fühlbarenwachsenden Unsicherheit in der äußern und inner» Politik der Regierung die ersten Funkendes allgemeinem vaterländischen Interesses erwachen. Die Schlacht auf der Rhede Kopen-hagens am 2. Apr. 1891 war ebenso unglücklich als ehrenvoll; ein Sieg war jedoch un-leugbar gewonnen, der Sieg über eigene Trägheit und Gleichgültigkeit gegen die allgemeineSache des Vaterlandes. Der darauf folgende Zustand, wo man genöthigt war, auf diecurop. Anliegen ein wachsames Auge zu haben und sich auf bevorstehende Angriffe bereit zuhalten, spannte die Kraft der Nation, und die Regierung, welche den erwachten Enthusias-mus theilte, verstand es, die Gefühle des Volks mit seinen eigenen zu verschmelzen und sie zuenergischer Wirksamkeit für die Ehre und das Heil des Volks zu leiten. Die Zeit von 1896— l 5 ist zu kennbar in der Geschichte D.s als die Periode des Staatsunglücks bezeichnet.Die Regierung verlor den festen vorausschaucnden Blick, welcher sich für den Staatsmanneignet, und die Entschlossenheit zum Handeln, welche gefahrvolle Zeiten fodern; das In-teresse des Volks dagegen erweiterte sich zu einem größcrn Kreise, und unabhängiger vondem ersten Impuls zog es immer mehr öffentliche Verhältnisse unter seine Beurtheilung.Große Veränderungen gingen in diesen neun schicksalsvollcn Jahren im Charakter deS Volksvor. Während die allgemeine Theilnahme früher fast allein an den äußern Erregungen sich«bmaß, unsicher und wechselnd wie diese, so öffnete sich im Laufe dieser Periode unter einer